Brauchtum

Deutschlands Trachtenchef äußert sich im Fernsehen

Anton Hötzelsperger
Veröffentlicht von Anton Hötzelsperger

Der Bayerische Trachtenverband informiert über einen Fernsehbeitrag vom Vorsitzenden des Deutschen Trachtenverbandes, Knut Kreuch, der am 14. April im SWR ausgestrahlt wird. Der Beitrag behandelt das Thema der neuen Rechten Bewegungen und der unpolitischen, weltoffenen Arbeit in den Trachtenvereinen.
An einem regnerischen kühlen Tag im Herbst 2020 traf sich ein Drehteam des SWR im Landhaus Studnitz in Wechmar mit Knut Kreuch, der im Ehrenamt Präsident des Deutschen Trachtenverbandes und des Thüringer Trachtenverbandes ist. Thema der Diskussion war, wie sich der Begriff Heimat in der heutigen Zeit verändert. Kreuch steht dabei als Beispiel wie positiv besetzt dieses Thema ist und besetzt werden muss. Leidenschaftlich wirbt er für die Arbeit von mehr als einer Million Menschen in Tracht, die sich täglich für ihre Heimat engagieren, die sich mit Mundart, Volksmusik, Volkstanz und Muttersprache mit ihrer Heimat identifizieren. Mit dabei sind auch die Wechmarer Mühlenpfeifer unter Leitung von Romeo Kreuch und Natalie Kreuch zeigt, wie eine Tracht zu Festlichkeiten ordnungsgemäß getragen wird. „Eigentlich nebensächlich“ erinnert sich Knut Kreuch an den Drehtag „aber vielleicht doch sinnbildlich, war das bemerkenswerteste an diesem Tag der Drohnenflug des Kamerateams. Als die kleine Drohne am höchsten Kirchturm Thüringens der St. Viti Kirche Wechmar hochstieg, wurde sie von den Turmfalken entdeckt und sofort energisch angegriffen und bekämpft. Tiere verteidigen ihre Heimat. Menschen sollten dies auch tun“ so Deutschlands Trachtenchef, der auch in seinem Beruf als Oberbürgermeister der thüringischen Kultur- und Wirtschaftsmetropole Gotha, ein engagierter Kämpfer für Werte und Traditionen ist.

Der Beitrag wird am Mittwoch, 14. April 2021, 21 Uhr im SWR Fernsehen ausgestrahlt.

Dazu die Information des Fernsehsenders: Vergiftete Heimat – Die netten Rechten von nebenan –  Sie sind smart, klug und argumentationsstark. Die jungen Mitglieder der Identitären Bewegung Deutschland. Modern kommen sie daher, haben mit „rechtsextremen Dumpfbacken“, „Tattoo-Trägern in Springerstiefeln“ nichts gemein. Sie lehnen Gewalt als Mittel der Auseinandersetzung ab. Der Verfassungsschutz stuft sie jedoch nach dreijähriger Prüfung als rechtsextremistisch ein. Zentrale Positionen der Identitären Bewegung Deutschland sind danach nicht mit dem Grundgesetz vereinbar. In Erscheinung tritt die neue rechte Jugendbewegung vor allem im Internet. Mit professionell gemachten Videoclips ihrer spektakulären Aktionen nimmt sie ideologisch Einfluss vor allem auf junge Net-User. Dabei nutzen sie die modernen Medien, Plattformen und Blogs, um ihre rechtsextremen Botschaften einem jungen Publikum nahe zu bringen. So sehr sie jedoch über das Internet die Öffentlichkeit suchen, so sehr entziehen sich die netten Rechten von nebenan persönlich der Presse und einer kritischen Berichterstattung geradezu konspirativ. Zum ersten Mal ist es einem Reporter-Team gelungen, exklusive Einblicke in das Denken und Handeln der neuen jungen Rechten zu bekommen und Protagonisten der Gruppe länger zu begleiten. Über zwei Jahre recherchierte ein Reporter-Team von FF Framework TV im Milieu der Identitären Bewegung Deutschlands, hatte die Neue Rechte im Blick und lernte Aktivsten kennen, die sich in Interviews den kritischen Fragen stellten. So konnte das Team von FF Framework TV exklusiv für den SWR eine Dokumentation aus dem Kernbereich der IBD realisieren: Inside Identitäre Bewegung Deutschland. Das Reporter-Team drehte bei einem Seminar der Identitären Bewegung auf Schloss Ebersberg in der Nähe von Stuttgart. Die Reporter erfuhren, was der IBD der „Erhalt der ethnokulturellen Identität“, „Patriotismus und Heimatliebe“, „Remigration“, Kontrolle über das eigene Staatsgebiet tatsächlich bedeutet. So war es auch möglich, exklusiv Protestaktionen mit der Kamera festzuhalten und in Halle einen Blick ins Innere einer Identitären Wohngemeinschaft zu bekommen. Dabei wurde deutlich, dass sich hier eine völlig neue Form rechtsextremen Auftretens manifestiert und viele Klischees überholt sind. Rechtsextremistisch hatte immer auch den Beigeschmack von reaktionär, brutal, tumb, verstaubt. Das trifft auf die Gruppe nicht zu. Im Gegenteil. Mit ihrem modernen und hippen Auftreten schafft sie es, immer mehr junge Intellektuelle anzusprechen. Das ist das neue Milieu, Gymnasiasten, Studenten, die sich als die neue kommende rechte Elite definieren. Sie greifen bei ihren Protesten auf das politische Repertoire der Linken und Öko-Bewegung zurück. Aktionen und Provokationen der Studentenbewegung der 1960er Jahre, der linksradikalen Sponti-Szene der 1980er Jahre oder auch von Greenpeace werden kopiert. Daniel Fiß, einer der Gründer der IBD, skizziert das so: „Die Grundidee der Identitären Bewegung lag darin, überhaupt zu analysieren, wie ist die politische Linke in Deutschland an die Macht gekommen. Nicht nur parlamentarische, sondern gesellschaftliche Macht, die sich in Universitäten, NGOs, Lobbygruppen widerspiegelt. Aus dieser Analyse heraus haben wir für uns erkannt, dass es auch sowas wie rechten, patriotischen konservativen Aktivismus braucht.“ Während der Dreharbeiten fiel immer wieder auf, dass in der Identitären Bewegung auch viele junge Frauen aktiv sind. Modern gekleidet, selbstbewusst. Ihr Anspruch: feminin und wehrhaft zugleich. Eine Botschaft, die sie auch mit Videoclips verbreiten. Mit provozierenden Auftritten transportieren sie ein völkisches Weltbild, in dem der Islam zur Gefahr für deutsche Frauen wird. In der Dokumentation lernen wir Anni kennen. Gepflegtes Äußeres, eleganter Auftritt. Sie sieht eine Überfremdung in Deutschland und warnt vor dem großen Austausch, wie sie es nennt. Jeder solle seine Kultur ausleben dürfen. Allerdings in seinem Raum. Anni wörtlich: „Aber wenn das eben bei uns geschieht, verlieren wir früher oder später unsere Heimat und den Ort, an dem wir uns nicht erklären müssen. Was mir sehr am Herzen liegt, ist das Identitätsthema. Die Bewahrung unserer ethno-kulturellen Identität. Also auch die Thematik des großen Austauschs, der Verlust auch unserer eigenen Identität.“ Neben der Tatsache, dass der Verfassungsschutz die IBD für eine rechtsextreme Organisation hält, sind sich Politologen einig, dass die rechte Bewegung ein gesellschaftliches Vakuum nutzt, um es mit völkischen und ausländerfeindlichen Positionen zu füllen. Die demokratische, bürgerliche Mehrheit habe Probleme mit dem Umgang von identitätsstiftenden Begriffen wie Heimat, Nation und Vaterland. Das bestätigen systematische Meinungsumfragen des Allensbach-Instituts. Danach sagen 40 Prozent der Deutschen, es sei heikel, öffentlich das Thema Patriotismus zu behandeln. Der renommierte Politologe, Prof. Dr. Thomas Grumke, von der Hochschule für Polizei und öffentliche Verwaltung des Landes Nordrhein-Westfalen fasst das so zusammen: „Wenn ich sage, ich bin stolz ein Deutscher zu sein, weil ich in einem großartigen Sozialstaat lebe und ich gerne hier lebe und ich sage, das ist etwas womit ich mich identifizieren kann, dann hat das mit Extremismus erst einmal überhaupt nichts zu tun. Es ist ja so, dass Rechtsextremisten nicht mit schwarz-rot-goldenen Fahnen auf Demonstrationen gehen, sondern mit der Reichsfahne. Weil sie sich eben überhaupt nicht mit den Farben des Grundgesetzes, mit den Farben der Bundesrepublik identifizieren können. Schwarz-rot-gold sind die Farben der Republik. Das hat mit Extremismus überhaupt nichts zu tun. Ich bin sehr entschieden der Meinung, dass tatsächlich eben gerade demokratische liberale und auch sogar progressive Kräfte keine Angst vor diesen Begriffen haben dürfen und sie eigentlich in ihrem Sinne, im Sinne des Grundgesetzes besetzen sollten.“ Die Gefahr, die von der neurechten Bewegung ausgeht, ist ihr Einfluss auf die Meinungsbildung und politische Verortung gerade bei jungen Menschen. So sieht das der Politologe, Dr. Veit Straßner. Er analysiert seit Jahren die identitäre Propaganda. Er unterrichtet an der Kurt-Schumacher-Gesamtschule in Ingelheim. Wie Schüler denken und fühlen weiß er aus seiner täglichen Praxis genau. Denn besonders für Jugendliche träfe es zu, dass sie auf der Suche sind. Und hier hake die IBD ein. Veit Straßner hat deshalb pädagogisches Material zur Auseinandersetzung mit der IBD für Schulen entwickelt und warnt vor der Organisation. „Viele Schüler erkennen nicht auf den ersten Blick, dass es sich um Rechtsextremisten handelt. Das ist die große Gefahr. Schüler haben oft noch das Bild des Neo-Nazis, des Skinheads, des kruden prolohaften Nationalisten vor Augen. Und die IB mit ihrem Auftreten, mit ihrer Ästhetik, ihren Symbolen, mit ihrer Art zu agieren und sich zu inszenieren, kommt den Sehgewohnheiten der Schüler entgegen.“

Dass Heimat und Brauchtum auch ganz anders gehen kann, ohne völkische Aufladung, beweisen in Deutschland tausende Heimatvereine, die sich der regionalen Brauchtumspflege verschrieben haben. Im thüringischen Gotha lernen wir junge Menschen kennen, die die Traditionen leben und mit Heimatliebe niemanden ausschließen. Der Gothaer Oberbürgermeister und Präsident des Deutschen Trachtenverbandes Knut Kreuch freut sich über das zunehmende Interesse gerade junger Menschen an der Mitarbeit in Trachtenvereinen. Für ihn ist klar: „Heimat find ich dort, wo ich mich zusammengehörig fühle. Und da ist es egal, ob ich eingewandert bin, oder ob ich kürzlich erst hier bin, oder meine Familie seit Traditionen, seit Jahrhunderten hier lebt.“ Die Dokumentation zeigt die Kluft in der Gesellschaft, die tabuisierten Begriffe Heimat, Vaterland, Nation als heikel zu betrachten und mitzuerleben, wie neurechte Bewegungen wie die IBD das Thema nach rechts verschieben. (Text: SWR)

Bericht: Bayer./Deutscher Trachtenverband / SWR

Foto: Hötzelsperger – Präsident Knut Kreuch (li.) beim Deutschen Trachtentag 2019 im Spreewald

 

Über den Autor

Anton Hötzelsperger

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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