Kultur

Beginn von Chiemgauer Haustürgeschichten aus Frasdorf

Anton Hötzelsperger
Veröffentlicht von Anton Hötzelsperger

Haustüren sind nicht nur wichtig für den Eintritt in ein Haus, sie schreiben auch Chiemgauer Geschichte. Hildegard und Franz Osterhammer aus Frasdorf, die sich schon mit der Veröffentlichung über sakrale Flurdenkmäler in Frasdorf und Samerberg verdient gemacht haben, haben sich nunmehr vorgenommen, außergewöhnliche Haustüren zu erforschen, zu fotografieren und damit auch uns näher vorzustellen. Beginnen wollen wir mit der Haustüre in der Einöde Kranzl.

Vor der Haustüre in der Einöde Kranzl, bei den „Hinteren Berghäusern“, bleiben oft Wanderer stehen und rätseln über die Inschrift am Türbogen. Sie lautet: I M I E A O S R S V I E S A PH Und darunter die Jahreszahl und Initialen: 17  W  –  D  89. Der aus Stein gehauene Türstock ist wunderschön geformt und der Türbogen verziert. Die Türe ist aus Holz gefertigt und grün gestrichen. Der innere Teil läuft zur Mitte hin sternförmig zu und schließt mit einem weißen Stern ab. Auch die grünen Strahlen sind mit einem feinen , barockförmigen weißen Rahmen abgeschlossen. Die gläserne Oberlichte wird mit einem Fensterkreuz aus Metall geschützt.

Und nun zur Inschrift: 1789 und WD. Laut Aussagen der heutigen Besitzer und der Niederschrift im Höfebuch war 1789 ein Wolfgang Dettendorfer der Besitzer dieses Anwesens. Auch die Inschrift am Türbogen ist leicht zu lesen, wenn man weiß, dass nur jeder dritte Buchstabe zu einem Wort gehört. Einen lesen, zwei auslassen, einen lesen u.s.w. Die letzten PH sind, wie in der früheren Schreibweise üblich, als ein Buchstabe -als F – zu lesen.

 I  M  I  E  A  O  S  R  S  V  I  E  S  A  PH  –     I           E           S           V           S    –     M          A           R           I            A  –     I            O          S          E           PH

 Und so ergeben sich die Worte: Jesus  Maria  Joseph  – Eine schöne Spielerei von demjenigen, der das entworfen hat, zur Freude vieler, die davor stehen und rätseln. Über dem Türbogen sind noch die Buchstaben  C  M  B  zu lesen. Der lateinische Segenswunsch: „Christus  Mansionem  Benedicat  – Christus segne dieses Haus.“ Dieser Segenswunsch wird auch alljährlich an Dreikönig von den Sternsingern von Haus zu Haus getragen und an die Türen geschrieben und daher auch oft gedeutet als: „Caspar, Melchior, Balthasar“, die Namen der drei Weisen aus dem Morgenland. Über dieser Inschrift befindet sich eine kleine Wandnische, in der früher eine Figur des hl. Wolfgang, dem Namenspatron des einstigen Besitzers, ihren Platz hatte. Diese wurde aber aus Sicherheitsgründen vor längerer Zeit herausgenommen. Genau die gleiche grüne Haustüre mit dem weißen Stern ist auch an einem Gebäude in unserem Almgebiet eingesetzt. Allerdings ohne den barock geformten Türstock. All diese historischen, schönen Haustüren, Balkone und Wandmalereien prägen die Gebäude und bereichern unsere Kulturlandschaft.

Bericht und Bilder: Hildegard und Franz Osterhammer

Über den Autor

Anton Hötzelsperger

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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