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Bayerns Einheitsbotschafter zum Tag der Deutschen Einheit 2021

Veröffentlicht von Anton Hötzelsperger

Die Deutsche Einheit ist auch nach mehr als 30 Jahren ein guter Grund zum Feiern. Mit der friedlichen Revolution von 1989 und der darauffolgenden Einheit Deutschlands wurde die Spaltung Deutschlands beendet. Zu den Feierlichkeiten in diesem Jahr hat Sachsen-Anhalt, das aktuell die Bundesratspräsidentschaft innehat, eine Initiative gestartet, um Bürgerinnen und Bürger mit ihren Geschichten und ihren Eindrücken in den Fokus der Feierlichkeiten zu rücken.

Bundesratspräsident und Ministerpräsident Sachsen-Anhalts, Reiner Haseloff: „Ich freue mich sehr, dass alle Bundesländer diese Idee aufgegriffen haben und jeweils zwei Einheitsbotschafter ernannt haben.“Es sind Bürgerinnen und Bürger von 18 bis über 70 Jahre, die beschreiben, was für sie Deutschland ist, was für sie die Deutsche Einheit bedeutet. Sie erzählen, welches Projekt, welche Familiengründung, welches Erlebnis ohne die Deutsche Einheit vielleicht nicht möglich gewesen wäre. Sie sind die Gesichter ihrer jeweiligen Heimatländer und stehen stellvertretend für Erfolge, Chancen sowie Herausforderungen der Deutschen Einheit. Die Porträts der 32 Einheitsbotschafter und ihre Geschichten werden vom 18.9.-3.10.2021 auf der EinheitsEXPO in Halle (Saale) veröffentlicht und sind ab sofort auf der Internetseite www.tag-der-deutschen-einheit.de nachzulesen. Zugleich werden die Einheitsbotschafter in kurzen Filmen und Podcasts in den sozialen Medien wie Youtube und auf Audio-Plattformen wie Spotify vorgestellt. Reiner Haseloff: „Mit den Schilderungen der Einheitsbotschafter wird deutlich, dass jedes Bundesland seinen eigenen Charme hat, wir aber alle zusammen eine Einheit bilden. Die Bundesrepublik Deutschland ist ein erfolgreiches, föderales und demokratisches System, das sich durch Vielfalt, Toleranz und Weltoffenheit auszeichnet.“ Auf Einladung Sachsen-Anhalts besuchen die Einheitsbotschafter vom 30. September bis 2. Oktober das Bundesland und nehmen am 3. Oktober am offiziellen Festakt zum Tag der Deutschen Einheit in Halle (Saale) teil.

Einheitsbotschafterin Bayern – Anneliese Göller

 Anneliese Göller (65) ist in Oberfranken, im Maintal nahe Bamberg aufgewachsen, natürlich auf einem Bauernhof. “Ich bin Bäuerin mit Leib und Seele”, sagt sie. Mit ihrer Tochter betreibt sie einen Ackerbaubetrieb. Im Ehrenamt macht sie sich für die Landfrauen stark. Als Orts- und Kreisbäuerin, später als Bezirksbäuerin von ganz Oberfranken. Von 2015 bis 2019 war sie Vizepräsidentin beim Deutschen LandFrauenverband, dem Zusammenschluss aller Landfrauenverbände deutschlandweit. Seit 2012 ist Anneliese Göller bayerische Landesbäuerin – ein echter Vollzeit-Job.

Ich liebe Bayern wegen seiner vielfältigen Landschaft. Saftige Almen im Süden, Schlösser und Burgen an beinahe jeder Ecke – und natürlich die Weltkulturerbestadt Bamberg im schönen Oberfranken. Bayern hat eine starke Wirtschaft – und hier gibt es ein Drittel aller Landwirtschaftsbetriebe in Deutschland.

Mein Bild von der DDR speiste sich lange aus einem Ausflug mit der Blaskapelle, in der ich damals spielte, nach Berlin. Da war ich 15. Die Fahrt über die Transitautobahn mit den Grenzanlagen, den scharfen Kontrollen und Panzersperren war für mich ziemlich einschüchternd. Von Westberlin konnte man über die Mauer in den Osten gucken. Da war gar nichts. Kaputte Häuser, kein Mensch auf der Straße. Jetzt bin ich als Landesbäuerin öfter in Berlin. Alles ist so vollkommen anders als damals. Hier spürt man das Gefühl von Freiheit. Direkt nach der Wende hat an unserem Bauernhof ein Lehrling aus Thüringen angefangen. Er war geschickt und fleißig und ein wunderbarer Mensch. Von ihm haben wir damals eine Menge über den Osten erfahren. Wir sind auch heute noch in Kontakt. Er ist längst zurück in Thüringen, dort Chef einer Agrargenossenschaft. Heute ist die Unterscheidung West und Ost nicht mehr wichtig. Es hat sich doch schon so Vieles angeglichen. Wichtig ist, dass unsere Demokratie funktioniert. Schließlich ist das die Grundlage der Einheit.

Welche Personen ich besonders mit der Deutschen Einheit verbinde? Michail Gorbatschow und Helmut Kohl. Sie haben maßgeblich für die politischen Bedingungen gesorgt, dass das Zusammenwachsen überhaupt stattfinden konnte. Mit meinen sechs Enkeln war ich schon mehrfach im Grenzmuseum Mödlareuth. Hier kann ich ihnen zeigen, wie es vor der Wiedervereinigung war.

Einheitsbotschafter Bayern – Max Bertl

 Max Bertl (75) wohnt im 1300-Seelen-Dorf Wildsteig zwischen Oberammergau und Füssen – im Landkreis Weilheim-Schongau. Mit vier Geschwistern aufgewachsen, 30 Jahre Chef in seiner eigenen Zimmerei, die er 2008 an den Neffen weitergegeben hat. Er hat sich sein ganzes Leben ehrenamtlich engagiert, schon als ganz junger Bursche im Trachtenverein, später im Gemeinderat und im Kreistag. Jetzt ist Max Bertl Ehren-Vorsitzender des Bayerischen Trachtenverbandes.

Ich bin schon ein bisschen stolz auf mein Bayern. Heimat, Tradition und unsere Trachten-Vielfalt machen unser Land so besonders. Und die schöne Gegend. Vieleicht sind wir nicht bei allen beliebt. Ich sag immer, wer die Bayern mag, der versteht sie auch. Unser ehemaliger Bundespräsident hat immer gesagt, Bayern ist das Land von Laptop und Lederhose. Ich drehe den Spruch für mich ein bissl um. Zuerst Lederhose, dann Laptop, das klingt doch auch nicht schlecht, oder?

Es hat mir damals die Nackenhaare aufgestellt, als ich den Fall der Mauer im Fernsehen gesehen habe. Es dauerte auch nicht lange, da kamen junge Leute aus der DDR zu uns ins Dorf. Wir haben viel zusammen geredet. Das war nochmal was anderes, die Dinge aus erster Hand zu erfahren. 1990 war ich dann zu Besuch in Sachsen, in der Nähe von Pirna. Der Bürgermeister dort wollte unbedingt, dass ich im Ort eine Zimmerei aufmache. Er hätte mich in allem unterstützt. Aber ich konnte doch meinen Betrieb daheim nicht im Stich lassen.

So einen Schritt hat wohl sonst kein Land fertiggebracht. Ich mache die Einheit an zwei Sachen fest: die Menschen damals in der DDR, die gerufen haben “Wir sind das Volk”. So eine Kraft, die die Einheit ermöglicht hat, ohne dass ein Schuss gefallen ist. Und als Persönlichkeit natürlich Michail Gorbatschow. Er hat alles mit unterstützt. Ohne ihn wäre das wohl nicht möglich gewesen.

Das Miteinander im Alltag kann noch besser werden. Ich verwende ja selbst manchmal den Begriff “Neue Bundesländer”. Dabei ist das doch längst überholt. Wir sind doch alle ein Deutschland.

Von Sachsen-Anhalt habe ich lange eigentlich überhaupt nichts gewusst. Es hat mich überrascht, dass es dort, gemessen an der Einwohnerzahl, die höchste Dichte an Weltkulturerbestätten gibt. Ich habe meiner Frau, der Annemarie, versprochen, dass wir bald gemeinsam dort hinfahren.

Bericht und Foto: Staatskanzlei Sachsen-Anhalt – Max Bertl und Anneliese Göller als Bayerische Einheitsbotschafter im Haus der Bayerischen Geschichte in Regensburg

 

Über den Autor

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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