Gastronomie

Bairische Sprache: „Kellnerin, no an Pfief!”

Veröffentlicht von Anton Hötzelsperger

Der Verein Bairische Sprache und Mundarten Chiemgau-Inn e.V. Verein zur Erhaltung und Pflege der bairischen Sprache informier über “Ein kleines Bier in Bayern — der Pfiff”

In bairischen Wirtshäusern werden nicht nur Massen und Halbe ausgeschenkt, vielerorts gibt es auch noch den der „Pfiff’, gesprochen „Pfief”, vergleichbar mit einem „kleinen Bier” anderenorts, aber beileibe nicht das gleiche.

Prof. Ludwig Zehetner aus Regensburg, schreibt dazu in seinem Wörterbuch „Bayerisches Deutsch”: Pfiff, der -,ugs. [pfi:f], Pl. [pfiff]; kleines Quantum eines Getränks (1/4 I Bier oder 1/8 I Wein). Mir gibst bloß noch einen Pfiff, mehr vertrag ich nimmer. Eine ähnliche Bedeutung hat der Sprutz, gesprochen Schpruz [schpru:z], das ist ein kleiner Spritzer, Guss, kleiner Schluck im Glas. Schenk mir bloß noch einen S. ein. Der Vokal u bzw. der Umlaut ü stammt von dem Verb sprützen, älter für spritzen.

Während er im Duden nicht zu finden ist, kennen andere Wörterbücher dieses Maß fürs Bier; z. B. das Deutsche Wörterbuch von Mackensen oder Das Österreichische Wörterbuch. Franz Ringseis schreibt in seinem Bayerischen Wörterbuch: Pfief: 1. Pfiff, 2. Kleines Bierquantum zwischen einem Quartl und 1 Halben (nur für Stammgäste).

Im Schmeller heißt es: Der Pfiff: … die Hälfte der kleinsten unter den in Wirtshäusern gewöhnlichen Getränkemaßen, also in Bayern des Seidels oder der halben Maß, anderwärts des Schoppens… Es ligt etwas verächtliches in dieser Benennung, sowie in der benannten Portion, welche sich in der Regel freilich nur ein durst- oder geldarmer Trinker aufstellen läßt In Bier ist sie vollends etwas unerhörtes. Der Begriff Sprutz kommt im Schmeller nicht vor. Dieses Wort hat es damals offensichtlich noch nicht gegeben, und es handelt sich um ein umgangssprachliches Wort, das erst in jüngerer Zeit entstanden ist.

Der Pfiff ist nach Schmeller, ein Viertel einer Mass, der offensichtlich jüngere Sprutz ein Achtel. Nach der Vereinheitlichung der Maße in Europa am 20. Mai 1875, die letztlich durch die Französische Revolution hervorgerufen worden ist, entspricht die neue bayerische Mass einem Liter. Ursprünglich jedoch enthielt die königliche bayerische Maß nach gesetzlicher Regelung vom 7.Juli 1811 genau 1,069 Liter Bier. Schmeller hat sein Bayerisches Wörterbuch 1827 — 1837 zusammengestellt, bei ihm handelt es sich also noch um die „alte’ Mass. Nach Meyers Konversationslexikon von 1888 kann man an alten Masskrügen zwei Eichstriche erkennen, den oberen für die alte bayerische Mass, den unteren für die heutige Mass.

Der Pfiff ist ein Viertel einer damaligen Mass, d. h. nach heutiger internationaler Maßeinheit 0,267 Liter; der Wirt muss daher etwas mehr als ein Quartel einschenken. Der Sprutz dagegen, der nach dem moderneren metrischen System bemessen werden muss, beträgt 0,125 Liter. Nach der negativen Bewertung des Pfiffs durch Schmeller ist aber auch völlig klar, dass der Pfiff nur ausgeschenkt werden kann, wenn der Gast vorher schon genügend Bier getrunken hat, denn wer läßt sich schon gern nachsagen, dass er ein durst- und geldarmer Trinker sei.

Die sprachliche Herkunft erklärt sich aus dem gesprochenen Wort: kurz und knapp. „Pfiff’ als Bezeichnung für eine kleine Menge Bier ist ähnlich wie „Schuss” oder „Sprutz”: nur kurz eingeschenkt und spärlich, nicht reichlich. Dass „Bfief’ und „Schbruuz” gesprochen wird, folgt der Neigung des Bairischen, einsilbige Wörter zu dehnen. Die scharfe, kommandomäßige, preußische Aussprache, die auch Eingang in die Standardschreibung gefunden hat, liegt dem Bayern nicht; vgl. Ross, Schuss, Stich, Strich, Schritt, Rock”: bairisch heißt das „Rooß, Schuuß, Schdiech, Schdriech, Schried, Roog usw.

Ein Pfiff passt kurz vor dem Heimgehen, wenn man schon keinen Durst mehr hat, aber auch noch nicht heimgehen will, das ist also eher ein Grund, um noch ein biß’ sitzen zu bleiben, also quasi ein Abschlußgetränk.

Bericht: Rudi Mörtl, Traunstein Quellen: Weiß-Blaue Rundschau Schmeller, Bayerisches Wörterbuch Prof. Zehetner

Foto: Hötzelsperger – Ein Pfiff – präsentiert von Stefan Mühle beim Berggasthof Duftbräu mit einem Pfiff-Dunklem von Flötzinger-Bräu Rosenheim

Über den Autor

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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