Tourismus

30 Jahre Naturschutzgebiet Geigelstein

Veröffentlicht von Anton Hötzelsperger

„Der Geigelstein ist mehr als eine Visitenkarte unserer beiden Dörfer“, so die Bürgermeister der beiden Bergsteigerdörfer Schleching und Sachrang Josef Loferer und Simon Frank. „Zwei starke Dorfgemeinschaften haben ein gemeinsames Ziel. Gemeinsam werden wir auch das nächste Kapitel schreiben und die Natur am Chiemgauer Blumenberg als unsere Lebensgrundlage schützen“. Seit 30 Jahren – eine volle Generation – besteht das Naturschutzgebiet Geigelstein (NSG) – und nie war es wertvoller als heute. „Das Jubiläum ist ein guter Anlass den wirksamen Schutz dieses Gebietes auch den nachwachsenden Generationen als Aufgabe zu vermitteln“, ergänzt der ehemalige Landtagspräsident im Bayerischen Landtag Alois Glück, der sich damals, bei der Einrichtung des Naturschutzgebietes große Verdienste erwarb. Auch die beiden Landräte von Rosenheim Otto Lederer und Traunstein Siegfried Walch rufen dazu auf, sich für den Erhalt des Stückes Natur rund um den Geigelstein zu engagieren.

Die TouristInfo Aschau hat für das Geigelsteinjubiläum eine reich bebilderte Jubiläumsschrift herausgegeben, in der alles Wissenswerte zum Berg, zum Naturschutzgebiet und zu den Menschen, die dort wohnen und arbeiten zusammengetragen wurde. Der Leiter der TouristInfo Aschau Herbert Reiter stellte sie zusammen und suchte die eindrucksvollen Bilder aus. Herausgekommen ist ein Büchlein mit über 70 Seiten, das künftig in jeden Wandererrucksack gehört. Gibt es doch genauso Auskunft über die Tier- und Pflanzenwelt des Geigelsteins, wie über die Geologie und die Hydrologie. Große Panoramabilder der Gipfelwelt rund um den Berggipfel erleichtern es dem Wanderer künftig, die Gipfel der Umgebung zu identifizieren, von den Tauern über den Großglockner bis hin zu Zugspitze ist alles zu erkennen. Das gesamte Gebiet rund um den Geigelstein wird bewirtschaftet, schließlich schuf erst der Mensch in jahrhundertelanger Arbeit zusammen mit dem Almvieh, mit Rindern und Schafen das heutige Bild der Chiemgauer Berge  und der Almwirtschaft. So sind Verhaltensregeln für den Umgang mit dem Almvieh ein ebenso wichtiger Bestandteil des Büchleins, wie das Kapitel für ein freudiges und freundliches Miteinander, in dem grundlegende Regeln für Bergwanderungen und den Besuch des Blumenberges aufgeführt werden. Bei der Brotzeit oder einer Rast kann sich der Wanderer dann vertraut machen mit der Geschichte des Berges und mit der Schaffung des Naturschutzgebietes seit 50 Jahren. Ausgesuchte Autoren, die an den damaligen Entscheidungen beteiligt waren, kommen genauso zu Wort, wie die Einwohner der beiden Bergsteigerdörfer, denen das Vorhaben, ein Naturschutzgebiet am Geigelstein einzurichten, zunächst eher suspekt war. Zu groß waren die Vorbehalte, sah man doch umfassende Beschränkungen der Landwirtschaft und der künftigen Erwerbsmöglichkeiten der Bevölkerung vorher.

Schließlich waren die Anfänge des NSG alles andere als klar: seit den frühen 70-er Jahren liefen die Planungen für eine neue Skischaukel auf Hochtouren. Der Geigelstein sollte dabei den Mittelpunkt eines Skizirkusses bilden, der neue Pisten am Berg erschließen und das Priental mit den Liften im Achental verbinden sollte. Gegen dieses Vorhaben gründete sich 1975 die erste Bürgerinitiative für einen Berg, „Rettet den Geigelstein“ nannte sie sich und ihr gelang es, die vorgesehene Skischaukel zu kippen und den gesamten „Chiemgauer Blumenberg“ unter Naturschutz zu stellen. Die Auswirkungen dieses Beschlusses waren weitreichend und führen bis in die jüngste Gegenwart: die Ernennung von Sachrang und Schleching zu Bergsteigerdörfern fußen ebenso darauf, wie der Verein „Lebendiges Sachrang“, in dem sich Bürger für das Kulturerbe des Prientales engagieren. Für Sachrang in seiner besonderen Lage zwischen den Bergen, sind der Geigelstein und der Spitzstein die beiden tragenden Säulen, zwischen denen sich das gesamte Leben abspielt.

„Natur muss gefühlt werden“ so sind Hinweise auf Wasser und die Chiemgauer Wasserversorgung ebenso enthalten, wie viele großformatige Bilder von Tieren und Pflanzen, die ein Naturschutzgebiet auszeichnen.

Die Bergbauern im Priental und im Achental haben sich mittlerweile mit dem Naturschutzgebiet Geigelstein arrangiert und sehen mehr Vorteile als Nachteile in der Einrichtung. Lediglich die mangelhaften Möglichkeiten der Erschließung mancher Hütten durch zeitgemäße Straßen und Wege und die Rückkehr der großen Beutegreifer wie Wolf und Bär als Gefährdung des Almbetriebes werden angeführt. Bergbauer Wast Pertl aus Innerwald fasst seine 30-jährige Erfahrung so zusammen: „Artenvielfalt und Landwirtschaft schließen sich nicht aus – im Gegenteil! Eine intakte Almwirtschaft ist sogar die Voraussetzung für die besondere Artenvielfalt auf unseren Almen und gerade in unserem NSG am Geigelstein. Als Bergbauer trage ich durch die Offenhaltung der Almflächen im Naturschutzgebiet zum Erhalt der einmaligen Kulturflächen bei“.

Das Büchlein „30 Jahre Naturschutzgebiet Geigelstein 2021“ ist erhältlich bei den TouristInformationen in Aschau-Sachrang und Schleching

Bericht und Fotos: Heinrich Rehberg

Über den Autor

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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