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180 Jahre Krieger- und Soldatenkameradschaft Prien – Rückblick

Anton Hötzelsperger
Veröffentlicht von Anton Hötzelsperger

Am heutigen Donnerstag, 24. Mai (ab 19 Uhr mit der Blaskapelle Prien) beginnen die Feierlichkeiten für 180 Jahre Veteranenverein in Prien im Festzelt an der Beilhackstraße. Ein guter Grund, einen Blick in die Festschrift und Gründungszeit zu machen.

180 Jahre alt wird die 180 Mitglieder starke Krieger- und Soldatenkameradschaft von Prien in diesem Jahr. Gefeiert wird dies zusammen mit weiteren Ortsvereinen im eigens aufgestellten Festzelt an der Beilhackstraße vom Donnerstag, 24. Mai bis Montag, 28. Mai. Teil der Aktivitäten zum Vereinsjubiläum ist eine eigens erstellte Festschrift, deren 36 Seiten mit vielen Bildern und Dokumenten einen interessanten Einblick in die Geschichte des Traditionsvereins gewährt.

 Es waren Kriegsveteranen der napoleonischen Kriege von 1790 bis 1812, die sich 1838 zum ersten Veteranenverein in Prien zusammenschlossen. Wie bei den Schützen erstreckte sich der Bereich des Vereins auf das gesamte Herrschaftsgebiet Wildenwart, als Gründer wird in den historischen Unterlagen der Kaufmann Nikolaus Wallner genannt.  Die Ziele der Vereinigung waren, in Not geratene Mitglieder und deren Hinterbliebene zu unterstützen, die Kameradschaft zu pflegen und für ein würdiges Begräbnis der Mitglieder Sorge zu tragen. Weitere Gründungsmitglieder waren Georg Bauer, Nießl in Atzing, Georg Berger, Zahn am Bach, Franz Rothmaier, Martellinderbauer in Otterkring, Franz Maier, Waschhausergütler in Rain und Franz Utz, Berndl in Urschalling. Im Jahr 1866 verlor Bayern an der Seite Österreichs den Krieg gegen Preußen und büßte einen Teil seiner Selbstständigkeit ein. Die folgende Neuorganisation des Königlich Bayerischen Heeres nach preußischem Vorbild brachte die Wehrpflicht mit sich und war damit für die Veteranenvereine von großer Bedeutung. Am 19. Juli 1870 begann der deutsch-französische Krieg. Viele Männer aus Prien und den umliegenden Orten waren als Soldaten dabei, sechs Krieger und eine Krankenschwester mussten dabei ihr Leben lassen. Der siegreiche Krieg entfachte eine enorme vaterländische Begeisterung und daraufhin stiftete – wie die von Schriftführer Michael Feßler verfasste Chronik weiter aufführt – die Pfarrgemeinde dem Verein eine Fahne, die am 29. Mai 1871 geweiht wurde. In den Folgejahren entwickelte sich der Veteranenverein zum angesehensten Verein in Prien, alle Persönlichkeiten waren Mitglied – allerdings nur soweit sie gedient hatten. Die Jahrzehnte bis zum Ersten Weltkrieg gelten als die glücklichen Jahre, als die „große Zeit“ des Vereins. Die damals zweijährige Militärzeit war für die meisten jungen Männer der erste Kontakt zur „großen Welt“. Viele dienten im Infanterie-Leibregiment seiner Majestät, den sogenannten „Leibern“ oder als leichter Kavallerist bei den Chevaulegers, die umgangssprachlich als „Schwollischärs“ ausgesprochen wurden. Voll Stolz wurde die Uniform getragen, die harte Zeit als Soldat wurde verklärt und gab das Mitspracherecht bei Stammtischdiskussionen für das weitere Leben. Die Offiziere stand in besonderer Gunst der Mädchen und waren – jedenfalls in Prien – Ehrenmitglied beim Veteranenverein.

 

Die Geschichte von den „Preaner Duttnfeiler“

 

„Das rege Streben, welches sich in allen Gauen Deutschlands bekundet, der nicht mehr heimgekehrten Kameraden durch ein Monument zu gedenken, veranlasste auch uns, ein gleiches tun zu wollen“ – dies schrieb der damalige Vorstand G. L. Heuler bei einem Aufruf für ein Kriegerdenkmal. Der Entwurf des Denkmals, ein Obelisk mit einem schreitenden weiblichen Engel – nachempfunden der griechischen Siegesgöttin Nike – wurde in Berlin gefertigt. Vermutlich war diese Ortswahl eine Konzession an die damalige, reichsfreudige Stimmung nach der Proklamation des Kaiserreichs. Gegossen wurde das Denkmal in Achtal bei Teisendorf und kostete 600 Gulden. In einem ausführlichen, in der Festschrift abgedruckten Gedicht wird die bei der Aufstellung und Enthüllung des Friedensengels passierte Gegebenheit ausführlich festgehalten. Seither gibt es für die Priener den Spitznamen „Duttenfeiler“, denn der damalige Kaplan beauftragte im Geheimen vor der geplanten Enthüllung den Schlosserfranzl, die ihm zu stark erschienen Brüste wegzufeilen. Über diese Geschichte lachte damals der ganze Chiemgau und die Einweihung wurde verschoben, die dann am 8. Oktober 1876 nachgeholt wurde. Das Verhältnis zur Kirche blieb trotzdem gut, weitere Feierlichkeiten waren 1887 der 50. Jahrestag der Vereinsgründung und 1895 die Feier zum 25. Jahrestag des Sieges bei Sedan. Ärger gab es erst wieder 1897 und 1907 als Rimstinger und Wildenwarter Bürger mit der Gründung eigener Veteranenvereine dem Priener Verein „Concurenz“ machten. Bitten der Vereine um Übernahme der jeweiligen Patenschaft wurden laut Protokoll abgelehnt mit den Worten „…weil der Concurenz-Verein den Veteranen- und Kriegerverein Prien schädigen wolle“. Doch bereits 1908 war man wieder ein Herz und eine Seele, lud man doch die Vereine von Hittenkirchen, Rimsting und Wildenwart „herzlichst“ zum Jahresausflug nach Schafwaschen ein.

1923 wurde mit der Heiligen Katharina, der Orts-Heiligen von Prien ein neues Kriegerdenkmal eingeweiht, das alte Denkmal fand einen würdigen Standplatz im Ortsteil Gries. Dort bliebe es bis zum Jahr 1957, dann war es baufällig geworden und musste endgültig abgebaut werden Der berühmt gewordene Engel stand dann einige Jahre vor dem Heimatmuseum bis er Mitte der 1990er Jahre seinen heutigen Standplatz im Gries erhielt.

Über die weiteren, ereignisreichen Entwicklungen des Vereins, insbesondere zu den Zeiten und Auswirkungen von zwei Weltkriegen, informiert in ausführlicher Weise die Festschrift, die bei den Festlichkeiten vom 24. bis 27. Mai im Priener Festzelt sowie bei der Metzgerei Moritz in der Hallwangerstraße und bei der Chiemsee-Schifffahrt in Prien-Stock erhältlich ist.

Foto/s: Berger – Eindrücke aus der Festschrift 180 Jahre Krieger- und Soldatenkameradschaft Prien

Weitere Informationen: www.prien.de

Über den Autor

Anton Hötzelsperger

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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