Das diesjährige Rosenheimer Adventsingen im KU‘KO unter der Leitung von Hans Berger stand unter dem Motto „Heut‘ tut sich auf das Himmelstor“. In zwei ausverkauften Vorstellungen mit jeweils über 1200 Konzertbesuchern nahm er das Publikum mit auf eine stimmungsvolle, weihnachtliche Reise mit vielen musikalischen Premieren. Parallel zur musikalischen Aufführung sah man an einer großen Leinwand eine Bilderpräsentation, zusammengestellt von Antonia Wutz. Diese Bildpräsentation unterstütze die Zuschauer mit Szenenbildern passend zu den Musikstücken oder mit Liedtexten.

Die Inspiration für das diesjährige Adventsingen bekam Hans Berger im Winter letzten Jahres: Als ein großer Glücksfall bezeichnete Hans Berger, dass er im schneereichen Januar komplett eingeschneit wurde. Dadurch fand er ein wenig Zeit, in seinem Haus zu stöbern und so fiel Ihm ein altes Buch, nämlich der „Audorfer Heimgarten“, in die Hände und mit ihm einige alte Handschriften seiner Mutter Klara Berger. Diese kleidete er in Noten und heraus kam schließlich die wunderbare Konzeption für das diesjährige Adventsingen. Konzertbesucher bekamen diese Originalschriften von Hans Berger‘s Mutter auf der Leinwand zu den jeweilgien Liedern eingeblendet.

Die Mitwirkenden beim 14. Rosenheimer Adventsingen: vordere Reihe die Riederinger Hirtabuam mit Georg Staber (li), dahinter Birgit Sporter (li) und Hans Berger (re) sowie das Große Ensemble und der Montini Chor

Hans Berger hieß die Besucher im Namen aller Mitwirkenden recht herzlich willkommen und bedankte sich bei den erstmaligen Initiatoren des Adventsingens vor 14 Jahren, nämlich bei Werner Bleyle und MdL a. D. Adolf Dinglreiter.

Berger nahm auf einer von ihm mitgebrachten, alt-ehrwürdigen Oberaudorfer Orgelbank Platz. Sie stammt aus dem Jahr 1905. Auf dieser Orgelbank dirigierte er die rund 80 Mitwirkenden und spielte auf seiner Zither mit.

Zunächst lagen die Bühne und das Auditorium im Dunkeln, Paukenschläge verrieten den Beginn des Konzertes. Ein langes Vorspiel, bei dem immer wieder einzelne Instrumente den Vorstoß wagten, heraus aus der Dunkelheit zu treten, erhöhten den Spannungsbogen. Wie eine Befreiung schallte die bayerisch-tirolerische Chorgemeinschaft MONTINI-Chor mit dem Ruf „Wacht auf, ruft uns die Stimme“ aus der Finsternis.

27 Frauenstimmen und 22 Männerstimmen sorgten für einen ausgezeichneten, wohl austarierten Chorklang.

27 Frauenstimmen und 22 Männerstimmen sorgten für einen ausgezeichneten, wohl austarierten Chorklang. Darauf folgte das „Audorfer Menuett“, bei dem das Große Ensemble perfekt harmonierte. Die einzelnen Instrumentalstimmen traten bei Solis hervor und begleiteten dann wieder mit einem großen „Aufeinander-hören“ die anderen Instrumente. Als Evangelist trat in diesem Jahr der Kiefersfeldener Herbert Gruber auf. Mit seinem lyrischen Bariton brachte er in klarer und deutlicher Artikulation die wichtigen Botschaften aus der Heiligen Schrift dar und bereicherte das starke Männerregister mit seiner Stimme.

Zum ersten Mal kam der Audorfer Kinderchor unter der Leitung von Birgit Sporer bei der Verkündigungsszene zu Gehör. 13 Mädchen und Buben erstrahlten mit ihren klaren Stimmen beim Lied „O Maria, sei gegrüßt“, bei dem der große Chor dezent miteinsetzte.

Ein weiterer Höhepunkt war der Auftritt der 9-jährigen Johanna Glarcher, die mit sicherer und reiner Stimme eine Solopartie darbrachte. Es machte ihr nichts aus, dass weit über 1200 Zuschauer ihrer wunderbaren Stimme lauschten.

Die 9-jährige Johanna Glarcher bei ihrem Solo-Auftritt

Sprecher war Sepp Staber, alias Huagl Sepp, der die markanten Stellen aus dem „Audorfer Heimgarten“ darbrachte.

Das „aufeinander Hören“ und „aufeinander Rücksicht nehmen“ machte sich besonders bei der Königsdisziplin des Singens, des Dreigesangs bemerkbar: Innerhalb des Chores formierten sich verschiedene Dreigesänge, bei dem sicherlich jede einzelne als Solistin jederzeit hervorstechen würde. Im Dreigesang gilt es, die Botschaft zum Publikum zu transportieren. Dies gelang den Sängern in hervorragender Art und Weise. Regina Sprinzing, Rosi Vinzenz und Anna Pichler beeindruckten beim Magnificat. Traudi Seebacher, Annerl Resch und Anni Pichler harmonierten prächtig beim Lied „Christ ist geboren“. Harald Osterauer übernahm die zweite Stimme zusammen mit Herbert Gruber, die in wohlklingenden Männerstimmen das Schäferlied „Ob ich gleich ein Schäfer bin“ darbrachten. Sehr beeindruckend war, dass die Texte der Chorsätze sehr deutlich artikuliert wurden.

Die Nachwuchsförderung liegt Hans Berger von jeher besonders am Herzen und in diesem Jahr wirkten neben dem Audorfer Kinderchor außerdem noch die Trompeter Lukas Reinstadler und Quirin Pirchmoser mit, die ihre Stücke mit Josef Pirchmoser einstudierten.

Traudi Seebacher und Birgit Sporer überzeugten mit schönem und reinem Duett beim Engelsgesang „Fürchtet euch nicht“, der im fulminanten und überzeugenden „Gloria in excelsis Deo“ vom großen Chor und Ensemble mündete.

Die Riederinger Hirtabuam vor dem Ku’Ko vor ihrem Auftritt

Ein weiterer Höhepunkt stellte das „Riederinger Hirtenspiel“ unter der Leitung von Georg Staber dar. In einer einfachen Werktracht spielten, paschten und sangen sich die Kinder und Jugendlichen wieder selbstbewusst in die Herzen aller Zuschauer und zeigten, dass Brauchtum auch in der heutigen Zeit gelebt wird. Sie bildeten einen ausdrucksstarken Programmpunkt in der gesamten Choreographie von Hans Berger.
Mit tiefer Demut und Gläubigkeit musizierten die Akteure das Werk „Sehet dies Wunder“, dessen Text von Gerhard Teerstegen stammt. Die Kernaussage „Gott wird ein Kind, träget und hebet die Sünd“ wurde von Hans Berger so komponiert, dass sie den Höhepunkt des Werkes darstellt. Beim Schluss „Alles anbetet und schweiget“, hörte man keinen Atemzug mehr im vollbesetzten Rosenheimer KU´KO.
Die Bilderpräsentation und das Programm verdeutlichten, dass Brauchtum und Gläubigkeit nicht nur früher gelebt wurden, sondern auch heute noch in den Menschen zu finden ist. Bei „Sehet den Stern“ wurden Bilder aus dem Niederaudorfer Krippenspiel von 1949/50 sowie vom letzten Waller Krippenspiel 2018 gezeigt. Besonders still wurde es, als der Dreigesang bestehend aus den dort ansässigen Sängerinnen Traudi Seebacher, Birgit Sporer und Anni Pichler unter dem Bild vom Waller Krippenspiel beim Jägerbauern aus dem Jahre 1930 den Andachtsjodler intonierten. In vielen keimte der Wunsch, dass die Tradition nicht verloren geht, sondern weitergeführt wird. Ein lang andauernder Applaus dankte dem Komponisten und Musiker Hans Berger, der die Besucher wieder einen Schritt näher zur Krippe brachte.

Eine gut genutze Pause zwischen den beiden Aufführungen von einem Riederinger Hirtenbuam

Mitwirkende:

Evangelist: Herbert Gruber
Sprecher: Sepp Staber
Riederinger Hirtabuam (Leitung Georg Staber)
Kinderchor von Birgit Sporer
MONTINI-Chor (bayr.-tirol. Chorgemeinschaft) und seine Dreigesänge
Birgit Sporer (Hackbrett), Dr. Theresa Förg (Harfe), Gloria Marrone (Flöte), Wolfgang Hindinger (Oboe), Christian Lang und Alois Plomer (Klarinette), Hans Glas und Bernd Reinold (Horn), Josef Pirchmoser, Philipp Höss und Sixtus Hofberger (Trompete), Albert Ginthör (Violine), Evi Plomer (Gitarre und Viola), Tadija Mincic (Fagott), Robert Bischoff (Kontrabass), Benno Stigloher (Posaune), Barbara Öttl (Pauke), Quirin Pirchmoser, Lukas Reinstadler, Brian Tietze (Junge Musikanten), Hans Berger (Zither und Gesamtleitung)

Webseite von Hans Berger
Facebookseite von Hans Berger
Notenmaterial und Musik-CDs seiner Musik im Shop von Hans Berger hier

Text: Antonia Wutz
Fotos: Rainer Nitzsche, E-Mail: mail@rainernitzsche.de

Über den Autor

Rainer Nitzsche

Als Webseiten-Entwickler bin ich für die Gestaltung und den technischen Betrieb dieser Plattform verantwortlich und versuche, die Seite ständig aktuell und zeitgemäß zu halten.

Als Reportage-Fotograf möchte ich mit wenigen Bildern wiedergeben, was als geschriebener Text vielleicht Bände füllen würde. Es geht um Ereignisberichte in Bildern. Es gilt, schrittweise und in den richtigen Momenten Entwicklung und Ablauf von Ereignissen festzuhalten, die schließlich in einem Höhepunkt gipfeln. Das bedeutet, meine Fotografien sind sehr oft weniger formell und zeigen den Charakter der Menschen eher in einer pose-freien, authentischen Weise, die nicht inszeniert ist.
Mehr Fotos finden Sie auch auf meiner Webseite unter www.rainernitzsche.de

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