Brauchtum

100 Jahre GTEV D´Brünnstoana Niederaudorf

Anton Hötzelsperger
Veröffentlicht von Anton Hötzelsperger

Der Trachtenverein Niederaudorf hat für Mai 2021 eine Festwoche im Rahmen seines 100- jähriges Bestehens geplant. Doch leider mussten die Planungen Anfang des Jahres komplett auf Eis gelegt und die Festwoche abgesagt werden. Ob das Fest noch im kleinen Rahmen im Spätsommer nachgeholt werden kann, steht momentan noch nicht fest. Die Ausschussmitglieder haben sich sehr auf ein Festzelt in Niederaudorf gefreut, doch die Pandemie hat uns einen Strich durch die Planung gemacht. Zusammen mit den Inntalvereinen wäre das 100. Vereinsjubiläum gefeiert worden.

Der Beginn der Gründung war bereits 1919, als die Niederaudorfer Burschen Franz Widauer und Jakob Stangl vom „Schmied- Michel“ Michael Gruber das Platteln erlernen wollten. Bei der wöchentlichen Probe spielte Martin Hölzensauer auf der Harmonika auf und die Burschen wurden ermutigt, einen Trachtenverein zu gründen. Die Gründungsversammlung des Vereins war dann zwei Jahre später am 12. August 1921 im Gasthaus Waller Reisach. Zum 1. Vorstand wurde damals Baptist Obermayer gewählt. Das Amt des Kassiers wurde von Sebastian Waller begleitet und Xaver Waller wurde Schriftführer. Die 13 Gründungsmitglieder wollten die Erhaltung der Gebirgstracht, Pflege der Heimattänze und -lieder sowie die Erhaltung von Sitt´ und Brauchtum pflegen. Zum Vereinslokal wurde das Gasthaus Waller festgelegt und als Wahlspruch galt: „Treu dem guten alten Brauch“!

Bei der Versammlung am 25. März 1922 wurde die Anschaffung einer Vereinsfahne beschlossen. Zur Finanzierung der Fahne spendeten die Bauern am Großen und Kleinen Audorfer Berg Holzstämme, die von den Mitgliedern gefällt wurden. Als die Finanzierung der Fahne gesichert war, konnte sie in Auftrag gegeben werden. Bereits im Dezember 1922 wurde die Vereinsfahne mit den Motiven von Niederaudorf St. Michael und dem Heimatberg Brünnstein fertiggestellt.  Zur Fahnenweihe am 27. Mai 1923 kamen 23 Trachtenvereine und der Kirchenzug wurde von der „Kleinberger Musik“ zum Kloster Reisach geführt. Die Weihe der neuen Vereinsfahne vollzog Prior Pater Gabriel und der Trachtenverein „Riesenkopf“ Degerndorf stand als Pate unserem Verein zur Seite. Fahnenmutter war Katharina Seebacher und Fahnenbraut war Margret Berger. Nach dem kirchlichen Fest wurde die neue Fahne mit vollem Stolz beim Festzug durch den Ort getragen.

Am 30. Januar 1926 wurde vom Verein beschlossen, dem Inngautrachtenverband beizutreten. Über die Jahre hinweg wurde der Verein immer größer und auch das Ansehen der Trachtenvereins stieg an. Einige musikalisch begabte Mitglieder gründeten 1934 unter der Leitung von Josef Kurz eine Trachtenkapelle. Die Finanzierung der Instrumente wurde von den Musikanten gefördert. Am Fronleichnamsfest 1935 war der erste Auftritt der Kapelle in einheitlichem Trachtengewand und beim Gaufest 1927 in Neuötting begleitete die Kapelle den Verein und so bekam man den 1. Preis zugesprochen. Durch die Kriegswirren wurde in den Jahren 1939- 1945 die Aktivität des Vereins eingeschränkt. Leider waren 23 Gefallene und 6 Vermisste zu beklagen. Die „Brünnstoana“ erwiesen den verstorbenen und vermissten Mitgliedern bei einer Gedenkfeier die letzte Ehre. Bis heute findet im Sommer an der St. Georgs- Kapelle oberhalb der Rosengasse im Sudelfeldgebiet ein Gedenkgottesdienst statt. Nach der schweren Kriegszeit wurde das 30. Gründungsfest 1951 mit einem Jubiläumsabend im Keindl- Saal gefeiert. Im Mittelpunkt dieses Abends stand eine Mitgliederehrung, die der damalige Vorstand Georg Neumeier vornahm. Am Festsonntag führte der Kirchenzug zum „Schießhüttl“ oberhalb von Niederaudorf, wo der Oberaudorfer Pfarrherr Fritz Bauer den Festgottesdienst zelebrierte. Beim Festzug durch Niederaudorf waren am Nachmittag 4 Musikkapellen, 15 Vereine sowie ein Festwagen des Jubelvereins dabei. Das Fest klang mit den Ehrentänzen auf der Bühne im Keindl- Anger aus.

Im Mai 1956 wurde unser Verein vom Nachbarverein „D`Luegstoana Oberaudorf gebeten, die Patenschaft bei der Fahnenweihe zu übernehmen. Mit 99 Mitgliedern, der Musikkapelle und einem Festwagen beteiligte man sich an diesem Fest. Bei der Herbstgauversammlung 1958 wurde dem Antrag von Vorstand Martin Stelzer des Niederaudorfer Trachtenvereins auf die Ausrichtung des Gaufestes 1959 zugestimmt. Es fand am 11. und 12. Juli statt. Mit einem Standkonzert der Musikkapelle Niederaudorf wurde das Fest eröffnet und es folgte ein großer Heimatabend im Festzelt am Kogler- Anger. Am Festsonntag bildete der Empfang der Vereine, Kirchenzug und Festgottesdienst am „Schießhüttl“, Totenehrung am neuen Friedhof und Festansprachen das Vormittagsprogramm. Der Festzug wurde am Nachmittag von 44 Vereinen und 14 Musikkapellen sowie drei Festwägen formiert. Auch dieses Fest klang wieder mit Ehrentänzen aus.

Der Trachtenverein nahm im Laufe der Jahre die Wiederkehr der Vereinsgründung als Anlass zu Festen. Das 40. Gründungsfest konnte der Verein mit Valentin Sappl als Vorstand am 29. und 10. Mai 1961 feiern. Im Jahr 1963 wurde die mit großem Aufwand renovierte Fahne in der Bergkirche Wall geweiht. Ein weiteres Fest wurde 1971 das 50. Gründungsfest gefeiert, wozu wieder Heimatabend, Festgottesdienst und Festzug zum Programm gehörten. Beim Vereinsabend aus Anlass des 55- jährigen Bestehens 1976 wurde die Patenschaft bei der Fahnenweihe des GTEV „Riesenkopf“ Degerndorf übernommen. Ein besonderes Fest organisierte Vorstand Georg Gstatter 1982, wo bei einer Festwoche zum Einen das 60- jährige Bestehen des Vereins und zum Anderen die Fahnenweihe auf dem Programm stand. Die Degerndorfer Trachtler standen und bei der Fahnenweihe als Paten zur Seite,

Fahnenmutter war Leni Fürbeck und Fahnenbraut war Reinhild Gruber. Ein Trachtenpaar vor dem Brünnstein und der Bergkirche Wall ziert die eine Seite der neuen Vereinsfahne. Unter dem Wahlspruch „Treu dem guten alten Brauch“ ist noch der Schutzpatron abgebildet. Die Heraldik- Seite der Fahne zeigt die Dorfkirche und das Niederaudorfer Gemeindewappen. Im Mai 1991 erinnerte man sich mit Hans Schweighofer an der Spitze im kleinen Rahmen der 70- jährigen Wiederkehr der Vereinsgründung. Über die Jahre hinweg wurden auch weitere Feste und Jubiläen gefeiert. Im Jahr 2006 organisierte Peter Seebacher das 85- jährige Bestehen des Vereins, dass zusammen mit der Fahnenweihe der Feuerwehr Niederaudorf bei einer Festwoche gefeiert wurde. Das 90- jährige und 95- jährige Bestehen wurde im kleinen Rahmen mit den Patenvereinen mit einem Festgottesdienst im Klostergarten und einem kleinen Festzug durch Reisach gefeiert. Im Anschluss wurde noch im gemütlichen Rahmen im Klosterhof weitergefeiert.

Wir alle hoffen, dass wir bald wieder zusammen Feste feiern und unsere Tracht anziehen können.  Bleibts gsund und auf a baldigs Wiedersehn

Sebastian Buchauer, Schriftführer GTEV D´Brünnstoana Niederaudorf

Fotos: GTEV  D´Brünnstoana Niederaudorf

 

Über den Autor

Anton Hötzelsperger

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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