Kultur

Zum Jahreswechsel: Vereinigung der Freunde von Herrenchiemsee

Anton Hötzelsperger
Veröffentlicht von Anton Hötzelsperger

Die Vereinigung der Freunde von Herrenchiemsee e.V. informiert zum Jahreswechsel:

Liebe Mitglieder und Freunde unserer Vereinigung, 2020 war für unsere Vereinigung ein Jahr der besonderen Art. Es begann recht hoffnungsvoll am 5. Januar mit einem Flötenkonzert in der Pfarrkirche St. Maria auf der Herreninsel, das unser Mitglied Sebastian Weyerer auf der Orgel wie immer gekonnt begleitete. Nach den Faschingsferien brach Corona mit allen Beschränkungen über uns herein. Dem ersten Lockdown im Frühjahr fiel unsere für den 21. März geplante jährliche Mitgliederver­sammlung zum Opfer. Die ab Herbst wieder steigenden Inzidenzzahlen führten dazu, dass wir eine für Oktober angedachte Studienfahrt nach Salzburg mit besonders interessanten Besichtigungsobjekten streichen mussten. Führungen im Chorherrenstift sind seit März von Seiten der Schlösserverwaltung untersagt. Trotzdem wird 2020 als erfolgreiches Jahr in die Geschichte unserer Vereinigung eingehen: die von uns angestoßenen Baumaßnahmen im ehemaligen Inseldom wurden durch die Pandemie in keiner Weise beeinträchtigt und konnten planmäßig fortgeführt werden, so dass wir im Frühjahr 2021, sofern Corona dies zulässt, mit der Wiederöffnung des ehrwürdigen Bauwerks rechnen können! Wir dürfen aus einer „Hintergrundinformation zur Baumaßnahme“, die das staatliche Bauamt Rosenheim am Bauzaun im Westen des Gebäudes angebracht hat, zitieren:
„Im Zuge der Säkularisation wurde der ehemalige Inseldom auf Herrenchiemsee in eine Brauerei umgebaut, deren Betrieb 1917 eingestellt wurde. Seitdem ist das Gebäude ungenutzt und in baulich unverändertem Zustand. In dieser Form dürfte es sich um ein einzigartiges Gebäude handeln, das als Zeugnis des Chiemseebistums und der Klosterzeit, aber auch der Säkularisation, der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden soll. Ohne größere Eingriffe oder Veränderungen, als sprechendes Museum mit einziartigem Charakter, aber einer fast schon ruinenartigen Mischung aus barocker Pracht und früher Brauereinutzung, mit Fragmenten aus der Blütezeit des Doms und bedeutenden archäologischen Befunden. Brüche und Wunden des Bauwerks werden offen sichtbar. Ein wichtiges Zeitdokument bayerischer und deutscher Geschichte. Ziel der Baumaßnahme ist es, den ehemaligen Inseldom für Führungen in kleinen Gruppen, jeweils von Mai bis Oktober, zugänglich zu machen. Das Raumprogramm umfasst ca. 1.700 qm. Von insgesamt 12 Räumen/Bereichen sind neun im Rahmen von Führungen begehbar, zwei teilweise begehbar, und ein Raum einsehbar. Nach den uns erteilten Auskünften sind im Erdgeschoss die Stahlstege, durch die vor allem die mittelalterlichen Bodenfunde gesichert und geschont werden, großenteils bereits eingebaut. Ein Personen-Aufzug in Stahlkonstruktion und eine diesen umgebende Wendeltreppe ist in der ehemaligen Brauereidarre installiert. Die Deckenmalereien und Stuckzierarbeiten aus der Barockzeit, auch die weiteren teilweise stark verschmutzten Oberflächen aus der Barockzeit wurden gereinigt und restauratorisch gesichert…….“ Gegenwärtig wird noch am Einbau einer automatischen Belüftung, an der Elektroinstallation und am Brandschutz gearbeitet. Es wird sicher ein spannendes Ereignis  für uns, wenn wir im nächsten Jahr zum ersten Mal das neu gestaltete Innere des ehemaligen Inseldoms erleben dürfen!

Am 2. Juli dieses Jahres verstarb unser Hausarchäologe Leitender Sammlungsdirektor a.D. Dr. Hermann Dannheimer im Alter von 90 Jahren. Wir verdanken ihm viele interessante Erkenntnisse über die frühe Klostergeschichte von Herrenchiemsee. Die Fertigstellung seines letzten großen Werkes „KLOSTER UND STIFT HERRENCHIEMSEE Archäologie und Geschichte“ kann er nun nicht mehr erleben. Zwei Bände des insgesamt drei Bände umfassenden Gesamtwerks sind nunmehr druckreif, am dritten sind noch redaktionelle Arbeiten erforderlich, die die beiden engsten Mitarbeiterinnen Dannheimers, Frau Dr. Gabriele Sorge und Frau Dr. Güde Bemmann, durchführen. Der Druck und die Herausgabe des Werkes obliegt der Kommission für bayerische Landesgeschichte bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften. Mit dem Vorsitzenden der Kommission , Prof. Dr. Ferdinand Kramer, stehen wir in Verbindung.

Unser drittes großes Ziel ist es, Herrenchiemsee als demokratischen Erinnerungsort und als Symbolort des Förderalimus in Bevölkerung und Politik zu verankern. Dies kann nur in enger Zusammenarbeit mit den Behörden des Freistaats Bayern, insbesondere mit der Schlösserverwaltung gelingen. Als Unterstützer unseres Anliegens konnten wir die Landeszentrale für politische Bildungsarbeit gewinnen. Wir haben im abgelaufenen Jahr die  Texte der Audioguides, die wir im Herbst 2018 der Schlösserverwaltung zur Verfügung stellten,
auf französisch und italienisch übersetzen lassen.

Zum Schluss dürfen wir auf unseren Inseldom zurückkommen:wir möchten Sie schon heute auf das Innere dieses geschichtsträchtigen Gebäudes einstimmen, das wir im Jahr 2021, so hoffen wir zuversichtlich und in freudiger Erwartung, wieder betreten und besichtigen können. Wir wünschen ein  glückliches, erfolgreiches Neues Jahr mit einem baldigen Ende der Pandemie, damit wir uns gesund auf unserer Herreninsel wiedersehen!

Dr. Friedrich v. Daumiller, 1.Vorsitzender                        Dr. Wolfgang Berka, 2.Vorsitzender

Archiv-Foto: Hötzelsperger – Blick in Innenhof Altes Schloss Herrenchiemsee anl. 2011 der 50-Jahr-Feier der Vereinigung der Freunde Herrenchiemsee

Über den Autor

Anton Hötzelsperger

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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