Land- & Forstwirtschaft

Winter beim Obst- und Gartenbauverein Prien und Umgebung

Veröffentlicht von Anton Hötzelsperger

„Was tun mit der Herbsternte während der Winterszeit und wie können die schönen Blumen vom Herbst bis zum Frühling überwintern?“ – Diesen Fragen stellte sich Felix Perl senior von Prien-Ernsdorf als Vorsitzender vom Obst-  und Gartenbauverein Prien und Umgebung – und es gab zuweilen verblüffende Antworten für einen Verein, der sich seit 1908 der Gartenkultur und Landespflege verschrieben hat. Verblüffend deswegen, weil gerade in Corona-Zeiten mit vielerlei Einschränkungen gelebt und gedacht wird und dennoch eine Vielfalt an kulinarischen Möglichkeiten aufgezeigt wird.

In den beiden letzten Sommer-, Ernte- und Vereinsjahren sorgte die Epidemie dafür, dass Versammlungen, Gartenbegehungen und Kurse ausfallen und abgesagt werden mussten, lediglich die Neubepflanzung des Weinberges konnte als Vereinsaktivität 2021 durchgeführt werden. Doch viele der derzeit 417 Mitglieder ließen sich von Corona nicht einschüchtern, schon gar nicht der Vorsitzende mit seiner Familie. Was aus dem Garten des Sommers und Herbstes im Winter auf den Tisch kommen kann, das zeigte in der guten Bauernstube die Familie mit  eingemachten Beispielen. Sauerkraut, Tomaten, Essiggurken, Paprika und auch verschiedene Obstsorten warten in ihren Gläsern auf den Verzehrtag. Gelbe Rüben (im Sand), Grün- und China-Kohl  vom Hochbeet oder Zuckerhut- und Radicchio-Salat aus Kisten, die in der Garage stehen, erweitern die Vielfalt, sorgen in den Winter hinein für aktuelle Frische und ergänzen so manches Marmeladen-Eigen-Erzeugnis vom „Saltner-Hof“.

„Kiwis, Maronis und japanische Weinbeeren dank Chiemsee-Klima“

Überraschend vielfältig sind auch die die Apfel-, Birnen und weiteren Obstsorten. „Seit 40 Jahren ist es mein Hobby, dass ich an der Südseite unseres Bauernhofes eher exotische Früchte ernten kann. So zum Beispiel asiatische Kiwis, Maroni von einem großen Baum oder japanische Weinbeeren. Sie gelingen, weil wir vom Chiemsee begünstigt ein gutes Ortsklima in Ernsdorf haben“. Das Obst wie zum Beispiel die Winteräpfel werden für den eigenen Verzehr eingelagert, was darüber hinaus geerntet wird, das wird mit der örtlichen Obstverwertungs-Genossenschaft zu Schnaps gebrannt oder anderweitig zum Versaften gebracht. Noch bis vor wenigen Monaten war Felix Perl auch Erster Vorstand der Obstverwertungsgenossenschaft Prien, dieses Amt gab er satzungsgemäß und aus Altersgründen an Christian Steinbichler weiter. Dabei gab es im übrigen eine zweite Änderung: Peter Fischer senior aus Ernsdorf gab das Amt des Aufsichtsratsvorsitzenden an Georg Fischer junior ab.

 Keine Blumenschmuck-Wettbewerbe – aber viel Blumenpracht in Gärten und auf Balkonen

Blumenschmuck-Wettbewerbe waren viele Jahre eine der wichtigsten Aktivitäten des Vereins, doch auch diese gab es in den letzten Jahren nicht mehr. Dennoch zierten auch im vergangenen Jahr die  Balkone, Häuser und Gärten von vielen Mitgliedern. Um die Farben- und Blumenpracht über den Winter zu retten, gilt es diese in temperierte Winterlager oder auf dem Dachboden zwischenzulagern. Dies gilt hauptsächlich für Geranien, aber auch für Aspragus, Lilien, Kaktus, Rosmarin oder Lorbeer. „Damit diese von Läusen verschont und richtig gepflegt werden, werden Stäbchen oder bei Frischluft im Frühjahr Knoblauch-Tee eingesetzt. Oft werden die Balkon-Blumen wie Geranien auch alle Jahre neu besorgt und die vormaligen Blumen werden im Spätherbst, meist mit Eintritt des ersten Frostes entsorgt“ – so Resi Perl.

Manche Gärtnereien bieten Winter-Einlagerungs- und Pflegedienst an

Manche Gärtnereien bieten einen Winter- und Service-Dienst an, indem sie einen eigens geeigneten Platz für frostempfindliche Pflanzen und Blumengestecke anbieten. Viele Jahre war dies auch bei der Priener Firma Rother der Fall. Wie dessen Chef Philipp Rother mitteilte, ist dies seit ein paar Jahren wegen räumlicher Änderungen nicht mehr möglich. Deshalb verweisen er und sein Team bei Anfragen an die Kollegen der Gärtnereien Maier (Eggstätt), Gruber (Halfing) und Glanz (Unterwössen).

„Garten ist ein Geschenk, aber auch viel Arbeit“

„Garten ist ein Geschenk, aber auch nicht nur ein Geschenk. Gartenarbeit ist schön, aber auch viel Arbeit“ – damit meint die große Familie Perl generationen-übergreifend und übereinstimmend, dass sich der allzeitige Einsatz lohnt. Je nach Witterung beginnen die Tätigkeiten schon zum Jahresbeginn wieder, zu den Ersten gehören das Obstbaum-Schneiden nach dem Frost, das Ziehen von Tomaten- und Paprika-Pflanzen und das Setzen von Salaten, die nach Möglichkeit erstmals an Ostern geerntet werden können. „Hoffen wir, dass wir heuer vom Hagel und sonstigem Unwetter verschont bleiben, im Vorjahr gab es zweimal Beeinträchtigungen. Wichtig aber wäre auch, dass wir wieder unsere Veranstaltungen und Zusammenkünfte und damit auch den fachlichen Austausch wie vor Corona durchführen können“ – so Felix Perl zu seinen winterlichen Natur-Betrachtungen.

Fotos: Hötzelsperger – Gut versorgt über den Winter mit Eingemachtem und Obst ist die Familie von Resi und Felix Perl, darüber freut sich auch Enkel Felix. Vielfältig sind auch die verschiedenen Apfelsorten – zusammen mit eigenen Kiwis.

Weitere Informationen: www.prien.de oder www.rimsting.de

 

Über den Autor

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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