Kirche

Wildenwarter Königs-Mantel-Freuden

Anton Hötzelsperger
Veröffentlicht von Anton Hötzelsperger

In Wildenwart in der Gemeinde Frasdorf im Chiemgau gibt es viele Erinnerungen und Zeugnisse zum Hause Wittelsbach. Das Königsschloss und die Kirche „Christkönig“ gehören dazu – und das aus guten und schönen Gründen.

1934, also vor 85 Jahren wurde die Kirche von Wildenwart in schwierigen Wirtschaftszeiten und mit Unterstützung eines eigenen Kirchenbauvereins erbaut. Im Altarbild wurde bereits festgehalten, dass die Kirche auch zu Ehren des Bayerischen Königshauses erstellt wurde, denn in der Mitte des Altarbildes wurde das Königspaar Ludwig III.  und seine Ehefrau Maria Theresia malerisch und mit dem wahren „König“ dargestellt. Damit aber nicht genug: aufgrund der Nähe von Wittelsbacher-Schloss und Wildenwarter Kirche gab es Anfang der 50er Jahre eine bemerkenswerte Spende. 1951 kam Johann Strobl als junger Geistlicher und Expositus in die Pfarrgemeinde. Mit ihm kam der Wunsch nach eigenen kirchlichen Festtagen, unter anderem für einen Fronleichnamsumzug. Dieses Anliegen weckte auch die Aufmerksamkeit des Königshauses, das im Schloss residierte. Prinzessin Helmtrud von Bayern, die viele Jahre bis zu ihrem Tod 1977 in Wildenwart lebte und auf persönlichen Wunsch auch auf dem Wildenwarter Friedhof ihre letzte Ruhestätte fand, war mitentscheidend, als für Wildenwart ein erster Fronleichnams-Zug angedacht war. Dazu meldete sich dann das Königshaus und bot an, einen silberbestickten Mantel vom Georgs-Ritter-Orden, den König-Ludwig-III unter anderem bei seinen Krönungsfeierlichkeiten trug, für kirchliche Zwecke in Wildenwart zu stiften. Der ganz besondere, einzigartige und wertvolle Seiden-Samt des Mantels wurde natürlich herzlichst angenommen. Seither wird der sogenannte „Rauchmantel“ bei ganz besonderen kirchlichen Anlässen von den jeweiligen Priestern genutzt. Das Marien-Blau des Mantels zeigt sich auch im „Himmel“, der beim Fronleichnam getragen wird. Auch dessen Stoff stammt aus den wertvollen Spenden der Wittelsbacher Familie von Wildenwart. Für Mesnerin Rita Stoib, die bei allen Gottesdiensten um die richtige Gewandung des oder der Geistlichen bemüht ist, ist natürlich stolz und sie sagt: „Irgendwie kribbelt es bei mir immer, wenn ich das Königliche Gewand hervor hole und in Händen halte, es ist halt etwas Besonderes für uns Wildenwarter“. Die Wildenwarter feiern im übrigen am Sonntag, 24. November ihr Patrozinium, das Fest „Christkönig“.

Fotos: Hötzelsperger – Eindrücke mit Königs-Mantel mit Georg Kronast (li.) und mit Mesnerin Rita Stoib mit dem Krönungsschleier

Über den Autor

Anton Hötzelsperger

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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