25 Jahre ehrenamtlicher Wetterbeobachter. Simon Bauer (91) aus Stein – an der Straße S2093 auf halbem Weg zwischen Aschau und Sachrang – erhielt für seine langjährige Tätigkeit im Aschauer Rathaus die Wetterdienstplakette mit einer Urkunde – unterschrieben vom Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer – aus den Händen von Detlef Aßmann, Leiter der regionalen Messnetzgruppe des Deutschen Wetterdienstes (DWD) in München. „Wetterbeobachter ist ein Ehrenamt, das in der Gemeinde keiner so richtig mitbekommt“, so Aßmann, „für uns beim DWD sind diese ehrenamtlichen Wetterbeobachter jedoch verlässliche Kollegen und unverzichtbarer Bestandteil des Netzes zur Wetterbeobachtung“. 25-jährige Jubiläen seien dabei nicht an der Tagesordnung, kämen aber durchaus vor. Es sei nicht jedermanns Sache um sechs Uhr früh die erste Messung zu machen und spät abends die letzte, Sommer wie Winter und 365 Tage im Jahr. Die Familie müsse dabei mitmachen, sonst ließen sich so viele Aufgaben nicht über Jahre ausführen. In den vergangenen Jahren habe Simon Bauer grob geschätzt 9000 Einzeltätigkeiten wahrgenommen, habe Niederschläge und Schneehöhen gemessen, habe Sonnenstunden gezählt, Windstärken und Gewitter aufgezeichnet. Dabei gebe es noch Abstufungen in der Intensität des Ereignisses: vom Regen Stufe eins bis zum Regen der Stufe drei. Alle Ergebnisse schickte er fein säuberlich zur Zentralstelle nach München, wo sie für die große Wetterkarte verwendet wurden. Mit dieser Arbeit leistete er einen wichtigen Beitrag zur Verbesserung der Wettervorhersage und Klimaüberwachung. Letztendlich profitierten alle Bürger in Deutschland davon, denn die Auswirkungen des Wetters betreffen jeden einzelnen. In den letzten Jahren sei die Arbeit durch die Automatisierung der Stationen und die direkte Anbindung an die Zentrale Stelle etwas einfacher geworden, doch manche Messungen müssten immer noch von Hand durchgeführt werden. „Der beste Computer kann schließlich kein Loch in den Schnee graben, um die Schneehöhe zu ermitteln“.

Die Wetterstation im Priental besteht seit 1917, erster Beobachter war der Förster in Grattenbach. Nach mehrfachem Wechsel zwischen Grattenbach und Stein kam die Station 1946 endgültig nach Stein und ist seitdem beim Deutschen Wetterdienst für ihre Extremmeldungen bekannt. „In Stein messen wir den meisten Regen, die Schneehöhen sind ebenfalls immer höher, als sonst irgendwo in der Region“ Simon Stein erzählte ein paar interessante Daten aus seiner langen Erfahrung: „in den vergangenen 25 Jahren, seitdem ich messe, hatten wir insgesamt 52251 Liter Regen, das sind durchschnittlich 2090 Liter pro Jahr. Den meisten Regen gab es in Stein 1965 mit 3014 Litern im ganzen Jahr, die geringsten Niederschläge hatten wir 1934 mit 1455 Litern. Im März 2002 hatten wir 2652 Liter der trockenste Monat war einmal im November – da hat es überhaupt nicht geregnet. Wenn es richtig regnet fallen an einem Tag bis zu 176 Liter vom Himmel. Wenn es schneit – und in Stein schneit es immer mehr als sonst irgendwo – kommen weit über sechs Meter Schnee zusammen, es kommt vor, dass an einem einzigen Tag 64 Zentimeter Schnee fallen, der Rekord war im Jahr 2009, da waren es 186 Zentimeter. Durchschnittlich haben wir an 150 Tagen eine geschlossenen Schneedecke rund ums Haus“.

Der DWD betreibt in ganz Deutschland ein flächendeckendes Mess- und Beobachtungsnetz mit knapp 2000 Messstellen. Dazu gehören rund 180 hauptamtliche Wetterwarten und Wetterstationen, die rund um die Uhr mit DWD-Personal besetzt sind. Etwa 1800 weitere Messstellen werden ehrenamtlich betreut. „Zu den Voraussetzungen für diese verantwortungsvolle Tätigkeit gehören nicht nur Einsatzbereitschaft und die erforderliche Zeit, sondern auch ein geeignetes Grundstück, auf dem die Messgeräte des DWD aufgestellt werden können“, so Detlef Aßmann. „Kosten entstehen ehrenamtlichen Betreibern weder durch den Aufbau noch durch den Betrieb der Station“.

Bericht und Fotos: Heinrich Rehberg

Über den Autor

Anton Hötzelsperger

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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