Brauchtum

Werkstattbesuch bei Hirschhornschnitzer Siegfried Stuhlmüller in Riedering

Heimat- und traditionsverbunden kann man in verschiedener Weise sein. Eine ganz besondere und schon 40 Jahre lange währende Art dieser Verbundenheit pflegt Siegfried Stuhlmüller aus Riedering. Dieser machte sein Hobby, das Hirschhornschnitzen, mit großem Erfolg zum Beruf. Damit bereitete der aktive Blasmusikant bisher vielen Leuten eine große Freude und er ging auch weit auf Reisen. Bei einem Besuch in seiner Werkstatt gewährte uns Siegi Stuhlmüller einen Einblick in seine eher ungewöhnliche Handwerker-Karriere.

Begonnen hat der Kontakt mit Horn-Materialien und Geweihen bei einem Besuch des in Bernau a. Chiemsee tätigen Hirschhornschnitzers Sepp Schreiner. Daraus hat sich ein Schnupperbesuch ergeben und diesem folgte bis heute eine Schnitzerleidenschaft, die vor 30 Jahren dazu führte, dass das Hobby zum Beruf wurde. Markenzeichen des handwerklichen Künstlers sind lebensechte und eindrucksvolle Tiermotive, ganz fein geschnitzte Edelweiße sowie Ohrringe, Halsketten und Hutschmuck. Größere Werkstatt-Ergebnisse sind Geweih-Rosetten, Zierknöpfe für Hosenträger und Joppen oder Trachtenmesser mit Hirschhorngriff. Die Materialien sind unterschiedlich: Geweihe von Rothirsch, Dammhirsch, Elch-, Reh- oder Steinbockgeweihe sowie Knochen oder Elfenbein. Dazu sagt Stuhlmüller: „Die speziellen und ganz harten Knochen benötigen eine außergewöhnliche Bearbeitung. Schneiden, Fräsen, Leimen und Bohren als feinste Arbeiten erfordern äußerste Konzentration. Doch wenn ein Schmuck- oder Trachtenstück wieder fertig ist, dann macht es mich zufrieden und stolz, weil es für den Auftraggeber bestimmt eine Freude sein wird“.

Trotz Corona: immer wieder Sonderaufträge, auch für die Kirche

Coronabedingt fielen natürlich auch manche Aufträge aus, denn die Anlässe, mit einem schmucken Trachtengewand auf eine Hochzeit oder auf ein Fest zu gehen, waren arg geschrumpft. Umso mehr freute sich Stuhlmüller, wenn anspruchsvolle und individuelle Sonderwünsche, nicht nur aus den Reihen von Trachtlern, Musikanten und Liebhabern kommen. Auch vonseiten der Kirche hat Stuhlmüller schon Aufträge bekommen und   Schmuckraritäten wie Kelche als persönliche Geschenke zur Priesterweihe hergestellt. Ein weiterer kirchlicher Sonderauftrag war eine aus einer großen Elch-Schaufel geschnitzte Taube (symbolisiert den heiligen Geist) für eine Prunk-Monstranz, die dann nach Rom kam. Ein sechsarmiger Geweih-Kerzenleuchter aus Elfenbein kam vor vielen Jahren zur Reparatur nach Riedering. Dieses Prachtstück kam dann in das Jagdzimmer von Schloss Nymphenburg. Zuletzt war ein geschnitztes russisches Familienwappen eine Herausforderung, die gemeistert wurde.

Nach der Werkstatt ging es oft auf Messen und zu Ausstellungen

Stetig gestiegen ist in den letzten Jahren die Anzahl der Trachtenmärkte im Chiemgau und den Nachbarsregionen. Dabei kam Siegfried Stuhlmüller bestens mit den Trägern von Trachten in Kontakt. Darüber hinaus war er auch gefragt bei Messen außerhalb Bayerns. So war er viele Jahre auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin in der dortigen Bayernhalle und schon mehrmals auf der Internationalen Jagdmesse in Dortmund vertreten. In der Landeshauptstadt München waren unter anderem die Münchner Galerie der Internationalen Künstler, die Auer Dult, das Stadtgründungsfest, der Christkindlmarkt oder die Oide Wiesn auf dem Oktoberfest für ihn und für seine Frau Maria guter Grund, mit einem eigenen Stand präsent zu sein.

Weitere Informationen: Siegfried Stuhlmüller, Hirschhornschnitzerei in Riedering, Telefon 08036-7794 – www.hornschnitzerei-stuhlmueller.de.

Text und Fotos: Hötzelsperger

Beitrag entstand in Kooperation mit dem Wendelstein Anzeiger – www.wendelstein-anzeiger.de

Über den Autor

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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