Kirche

Wendelstein: Kardinal Marx besucht Deutschlands höchstgelegene Kirche

Anton Hötzelsperger
Veröffentlicht von Anton Hötzelsperger

Festgottesdienst zur Wiedereröffnung der restaurierten Wendelsteinkirche am Sonntag, 11. Juni 2017

Unzählige Winter mit Sturm, Frost und Sommer mit Dauerregen hatten in den letzten Jahren zu erheblichen Bauschäden an der Wendelsteinkirche geführt, so dass das Gotteshaus einer umfangreiche Sanierung unterzogen werden musste. Nach Abschluss der schwierigen Arbeiten feiert die zuständige Pfarrgemeinde Brannenburg am Sonntag, 11. Juni 2017 mit Prominenz und zahlreichen Ehrengästen die Wiedereröffnung der Wendelsteinkirche. Der Festgottesdienst wird dabei von keinem Geringeren als Kardinal Reinhard Marx zelebriert. Beginn ist um 11.00 Uhr. Bei schönem Wetter findet die Messe im Freien statt, bei schlechter Witterung im Wendelsteinhaus. Für die musikalische Umrahmung sorgen der Brannenburger Kirchenchor sowie Brannenburger Bläser. Wer gerne an dem feierlichen Berg-Gottesdienst mit dem Münchner Erzbischof teilnehmen möchte, kann entweder die Zahnradbahn in Brannenburg oder die Seilbahn in Bayrischzell nutzen. Fahrzeiten stündlich bzw. halbstündlich ab 9.00 Uhr. Aus den Talorten führen mehrere Wanderwege zur Bergstation. Gehzeiten zwischen zwei bis fünf Stunden.

Weitere Infos unter Tel. 08034 / 3080 oder www.wendelsteinbahn.de

Foto: Archiv der Wendelsteinbahn GmbH.

Auf rund 1.740 m ist das Wendelsteinkircherl einer extremen Witterung ausgesetzt.

In den Sommermonaten wird jeden Sonntag um 11:00 Uhr ein Gottesdienst abgehalten.

Detail-Information:

Starke Durchfeuchtung hatte Schäden im Mauerwerk, im Dachstuhl und auch an der kunstvoll gestalteten Einrichtung verursacht. Um die Kirche am Wendelstein wieder zugänglich zu machen, mussten insgesamt rund 700.000 Euro investiert werden. Unterstützt und beraten wurde die Pfarrgemeinde Brannenburg vom Erzbistum München und Freising und dem Amt für Denkmalschutz. Bei allen Erschwernissen, die eine so hochalpin gelegene und außergewöhnliche Baustelle zwangsläufig mit sich bringt, sei doch eines besonders erfreulich gewesen, so Pfarrer Helmut Kraus: Die große Spendenbereitschaft von Gläubigen und Wendelsteinfreunden, sowie auch das Engagement der Kirchenverwaltung und die Mithilfe von Ehrenamtlichen; so war auch der frühere Betriebsleiter der Wendelsteinbahn, Herr Hans Vogt, bei den Planungen dabei und brachte seine Ortkenntnis und vieles mehr in konkrete Hilfe mit ein. So erstrahlt Deutschlands höchstgelegenes Gotteshaus mit seiner außergewöhnlichen Architektur und seinen Licht- und Schatteneffekten im neuen Glanz und kann sicher in den nächsten Jahrzehnten den extremen Wetterlagen trotzen.

Wissenswert: Viele vermuten Deutschlands höchstgelegene Kirche auf der 2.962 m hohen Zugspitze. Ein Irrtum, denn im kirchenrechtlichen Sinne handelt es sich bei dem 1981 geweihten Gotteshaus lediglich um eine „Kapelle“. Als Vorlage für die bischöfliche Weihehandlung durch den damaligen Kardinal Josef Ratzinger hat nach Informationen des Erzbistums München-Freising das Benediktionale gedient, welches die Weihe einer Kapelle und eines Altares regelt. Bei einer Kirchenweihe hingegen wird die liturgische Feier gemäß den Vorgaben des Pontifikales durchgeführt. Als das Wendelsteinkircherl am 20. August 1890 von Weihbischof Antonius von Thoma der Gottesmutter Maria geweiht wurde, war dies der Fall. Somit darf das Wendelsteinkircherl unangefochten als „Deutschlands höchste Kirche“ gelten. Eine Kirche verfügt im Gegensatz zu einer Kapelle über entsprechende Pfarrrechte.

Geschichte des Wendelsteinkircherls

 Die Kirche auf dem Wendelstein ist dem so genannten Wendelsteinvater Max Kleiber, Kunstprofessor aus München und leidenschaftlicher Wendelsteinfreund, zu verdanken. Im Jahr 1887 saß er mit den Wirtsleuten des wenige Jahre zuvor eröffneten Wendelsteinhauses bei einem gemütlichen Schoppen zusammen und fragte, wie es ihnen denn hier droben gefalle. Es sei alles recht und schön, versicherte die damalige Wirtin Rosa Krimbacher, aber „dass ma halt da herobn des ganze Jahr in koa Kirchn ned kimmt“, laste schon arg auf ihrer Seele. Kleiber, der in den Jahren 1882/83 bereits maßgeblich am Bau des Wendelsteinhauses, des ersten Unterkunftshauses in den Bayerischen Alpen, beteiligt war, fackelte nicht lange. Sogleich machte er sich auf die Suche nach Mitstreitern, ließ sich von drei Brannenburger Bauern den Grund und Boden schenken und sammelte unermüdlich Spenden zur Umsetzung seines Bauvorhabens, das er eigenhändig im Neugotischen Stil plante und auch als Bauleiter umsetzte. Er ließ nichts unversucht, beeindruckte die Münchner sogar mit für damalige Zeiten völlig neuartigen Lichtspieleffekten, um sein Projekt bekannt zu machen und finanzielle Mittel zu generieren. Selbst vor dem damals in München gastierenden Buffalo Bill und seiner Truppe machte Kleiber nicht Halt und ließ sich einen Teil der Einnahmen aus der „Wildwest-Show“ für den guten Zweck schenken. In der Münchner Gesellschaft war er mit seiner Spendenliste bekannt und nicht immer beliebt. Im Inneren des Wendelsteinkircherls sind die Namen und Wappen der Spender verewigt, von denen die meiste Unterstützung kam. Die Kirchenfenster wurden von der Mayerischen Hofkunstglasanstalt und von der Zettlerischen Hofglasmalerei gestaltet. Die beiden Glocken, Ton D und Ton F, eine 43 und die andere 33 Kilo schwer, wurden gestiftet von Ferdinand von Miller, Bildhauer und Erzgießer in München. Das vergoldete Turmkreuz trug Max Kleiber 1890 selbst hinauf zu seiner Kirche; die Zahnradbahn auf den Wendelstein wurde erst 1912 gebaut.

 

Über den Autor

Anton Hötzelsperger

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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