Freizeit

Wanderung zur Wimbachgrieshütte

Ein Schloss? Da werden viele Kinder erst einmal hellhörig. Allerdings handelt es sich hier nicht um ein Schloss im herkömmlichen Sinn mit spitzen Türmchen und wehrhaften Mauern, sondern um eine romantisch gelegene Berghütte. Trotzdem hat auch der Nachwuchs seinen Spaß, denn der Wanderklassiker dorthin ist leicht, wird also nicht zur Plage und bietet schon zu Beginn ein abenteuerliches Schmankerl. Die enge Wimbachklamm mit ihrem Getöse wird sicher bei jedem Kinderherzen Begeisterung hervorrufen, bei den Kleineren hin und wieder vielleicht etwas Herzklopfen. Das anschließende Wimbachtal ist ein besonderes Juwel von außerordentlicher Schönheit. Eingerahmt von König Watzmann im Osten, dem Hochkalter im Westen, dem Steinernen Meer im Süden und der Wimbachklamm im Norden bietet das wilde, urwüchsige Tal dem Wanderer ein unvergleichliches Naturschauspiel. Das gesamte Tal durchzieht ein mehr oder weniger breiter, mehr als zehn Kilometer langer Schuttstrom, der ihm auch den Namen „Wimbachgries“ gegeben hat. Dieser mächtige Strom aus Geröll und Gestein zieht von den Palfelhörnern im Steinernen Meer herunter und fließt stetig, aber unmerklich durch die Klamm ins Tal, eine seltene geologische Besonderheit! Bei starken Regenfällen lässt sich die Fließbewegung sogar manchmal mit dem bloßem Auge beobachten. Mit Kindern endet unsere abwechslungsreiche Wanderung beim Wimbachschloss, denn der Weiterweg bis zur Wimbachgrieshütte ist für sie etwas lang.

Anfahrt
Die Anfahrt mit dem Kfz erfolgt über die A 8 (München – Salzburg) bis Ausfahrt Bad Reichenhall und über die B 20 und die B 305 zur Wimbachbrücke (Großparkplatz mit Parkscheinautomat). Alternativ wählen wir die Ausfahrt Traunstein / Siegsdorf und fahren auf der B 305 (Deutsche Alpenstraße) über Inzell, Schneizlreuth und Schwarzbachwacht nach Ramsau / Wimbachbrücke (625 m, GPS-Wegpunkt N47 36.156 E12 55.420). Es lohnt sich, früh aufzustehen, da der Parkplatz oft überfüllt ist.
Öffentliche Verkehrsmittel: Bis nach Berchtesgaden können wir mit der Bahn fahren. Vom Bahnhof aus fährt ein Bus bis zur Haltestelle Wimbachbrücke.

Aufstieg
Am geräumigen Parkplatz folgen wir dem Weg zur Klamm. Zuerst einmal spazieren wir auf einer Asphaltstraße zwischen Almwiesen bergauf. Die Wimbachklamm bildet den Eingang des Wimbachtales, den wir nach 20 Minuten erreichen. Hier können wir uns entscheiden, ob wir links die Klamm (gebührenpflichtig) durchqueren oder diese über einen normalen Wanderweg umgehen. Für Familien mit Kinderwagen ist die Klamm nicht geeignet. Hinter der Schlucht kommen beide Wege nach 20 Minuten wieder zusammen.
Die Schlucht mit ihren steilen Wänden auf beiden Seiten führt über Holz- und Metallstege mit einigen Treppen, immer entlang an den rauschenden Wassermassen des Wimbachs. Übrigens kommt das Trinkwasser für Berchtesgaden von hier. Nach der Klamm zieht der gut ausgebaute Wanderweg ohne wesentliche Steigung in das Tal hinein. Zwischen den Felswänden von Watzmann und Hochkalter bleiben wir immer am rechten Ufer des Wimbachs, der aber nach und nach versickert und unterirdisch verläuft. Ist dieser völlig verschwunden, dann bietet sich uns die Möglichkeit, völlig ungefährlich das breite, geröllbedeckte Gries zu betreten und einen Blick auf die Palfelhörner am weit entfernten Talschluss zu werfen. Einige Brotzeitbänke und -tische am Wegrand geben uns mehrmals Gelegenheit zur Pause. In den letzten 30 Minuten vor dem Wimbachschloss (937 m) steigt der Weg sanft an, ist aber auch weiterhin für Kinderwagen geeignet. Dann stehen wir auch schon – nach einer Gesamtgehzeit von 90 Minuten – vor der Hütte mit seiner gemütlichen Sonnenterrasse.
Das ehemalige Jagdschlösschen der Fürstpröpste von Berchtesgaden wurde nach der Säkularisation von König Maximilian II. und Prinzregent Luitpold von Bayern genutzt. Das kleine Juwel steht unter Denkmalschutz. Es wurde nach deren Regentschaft zu einer kleinen Berggaststätte umgebaut. Hier bietet sich die Gelegenheit zu einer größeren Pause. Unter den Sonnenschirmen werden außer der Hüttenspezialität Wild natürlich auch andere (nur regionale) Speisen wie die vegane Ingwer-Karottensuppe oder der traumhafte Käsekuchen zubereitet. Selbstverständlich bieten die sympathischen Wirtsleute auch kleine Kinderportionen an. Platz zum Spielen gibt es hier in der Umgebung der Hütte genügend. Auch ein Spielplatz für die Kleinsten fehlt nicht.
Wenn wir dem Wegweiser weiter in Richtung Süden folgen, befinden wir uns nach wenigen Minuten an einer der breitesten Stellen des Wimbachgrieses – hier dehnt sich das Schuttfeld auf rund 1,5 Kilometer aus. Fotofreunde finden dort schöne Motive, denn hier bauen sich die steilen Feldwände von Watzmann und Hochkalter besonders eindrucksvoll auf.

Wimbachgrieshütte
Der weitere Weg zur Wimbachgrieshütte (1327 m) würde einfach nochmals eineinhalb Stunden dauern und eine Kondition für 400 Höhenmeter erfordern. Auch dort können wir essen und trinken, und es gibt eine Übernachtungsmöglichkeit. Der Verlauf zu ihr ist im Grunde unschwierig und sanft ansteigend. Für geologisch Interessierte sowie Natur- und Fotofreunde ist er sicher hochinteressant, aber für Kinder etwas zu eintönig. Deshalb ist für Familien mit Kindern am Wimbachschloss Endstation.
Abstieg
Sowohl vom Wimbachschloss als auch von der Wimbachgrieshütte wandern wir auf dem gleichen Weg wieder zurück. Bei der Abzweigung kurz vor der Klamm folgen wir allerdings dem linken Weg, da die Schlucht selbst nur einseitig begangen werden darf.

Der Wimbach Wollstadl
Zwischen dem Parkplatz und dem Eingang zur Wimbachklamm passieren wir grüne Wiesenhänge, auf denen über dreißig Schafe weiden. Dies ist das Wimbachlehen, ein Schafzuchtbetrieb, wo die beiden ältesten noch vorhandenen bayerischen Schafrassen weiden. Bock Flori mit seinem Harem bildet die Gruppe der Steinschafe, deren Rasse aus dem gesamten Alpengebiet stammt. Die zweite Gruppe bilden Waldschafe, die ursprünglich in den Mittelgebirgsregionen beheimatet sind. Passend dazu werden auf dem Wollstadl entsprechende Waren zum Kauf angeboten. Aus erster Hand gibt es hier Lamm-, Schaf-, Ziegen- und Wildfelle, dazu diverse Strickwaren und Plüschtiere sowie Kräuter- und Kirschkernkissen.

Schwierigkeit:

leicht! Forststraße, zur Wimbchgrieshütte einfacher Wanderweg. Klamm gesichert, aber bei Nässe Rutschgefahr (die Klamm kann rechts umgangen werden)
Gehzeit: zum Wimbachschloss 1 Std. 45 Min., Abstieg 1 Std. 30 Min., zur Wimbachgrieshütte zusätzlich 1 Stunde
Höhenunterschied: 320 hm, zur Wimbachgrieshütte zusätzlich 400 hm, hächster Punkt 1327 m
Bis zum Wimbachschloss mit Kinderwagen erreichbar (nicht über die Klamm)

Aus dem Wanderführer „Familienwandern – Bayerische Alpen und Tirol”, erschienen im Rosenheimer Verlagshaus. Erhältlich im Buchhandel sowie im Internet:
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Fotos:
Nr. 340: Die wilde Wimbachklamm ist immer gut gesichert.
Nr. 365: Hier lässt es sich aushalten: Das Wimbachschloss ist ein kleines Juwel!
Nr. 371: Einige Minuten hinter dem Wimbachschloss steht dieser Wegweiser, im Hintergrund der Hochkalterstock.
Nr. 401: Das Wimbachgries fließt, wenn auch mit bloßem Auge nicht sichtbar.

Über den Autor

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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