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Veteranenjahrtag in Wildenwart

Anton Hötzelsperger
Veröffentlicht von Anton Hötzelsperger

„Vor 100 Jahren und sieben Tagen war der Erste Weltkrieg – nach vier Jahren, drei Monaten und elf Tagen – zu Ende. Im Fernsehen liefen in den letzten Wochen die Erinnerungssendungen an dieses Ereignis alle Programme rauf und runter, aber was wird von diesem intensiven Geschichtsunterricht durch die Medien bleiben? Viele unter uns haben zum ersten Mal von den Geschehnissen bei Kriegsende im November 1918 gehört oder bringen zum ersten Mal die in Wildenwart allbekannten Geschehnisse von 1918 rund um das Königspaar und die Prinzessinnen in Wildenwart, am Gschwendt oder in Laiming mit der großen Weltgeschichte in Verbindung, viele haben in den letzten Wochen zum ersten Mal den Namen des ersten bayerischen Ministerpräsidenten Kurt Eisner gehört und zum ersten Mal den Namen seines Mörders Anton Graf Arco-Valley, der auf der nahen Halbinsel Sassau daheim war“, erinnerte der Vorsitzende des Veteranen- und Kriegervereins Wildenwart Heinrich Rehberg bei seiner Ansprache zum Volkstrauertag am Wildenwarter Kriegerdenkmal an die Ereignisse vor 100 Jahren. „Das Dorf hat ein langes Gedächtnis und erinnert sich auch nach mehreren Generationen heute noch an die Gefallenen und Vermissten der beiden großen Kriege des letzten Jahrhunderts. Die Namen der Gefallenen von damals sind präsent und leben im Dorf bei ihren Söhnen, Enkeln Neffen oder Großneffen vielfach weiter, deshalb kann keiner sagen: Es ist genug getrauert, es wird kein Gedenken mehr abgehalten, lasst die Toten endlich ruhen wir wollen vergessen. Eine Kulturnation ehrt die Gefallenen des Gegners, genauso wie die eigenen. An allen Gedenktagen erinnern wir über unsere eigenen Toten hinaus auch an die Opfer anderer Völker und die der einstigen Kriegsgegner, über die Gräber hinweg sind im Tode alle gleich. Wir erinnern an sie – aber wir trauern nicht um sie, denn Trauer erfordert die persönliche Bindung“.

„Wir gedenken der Menschen, die vor über 70 Jahren in den Schrecken des Zweiten Weltkriegs ums Leben gekommen sind“, so der dritte Bürgermeister von Frasdorf Peter Freund bei der Gedenkstunde am Wildenwarter Kriegerdenkmal in Prutdorf an die Opfer der Kriege – früher und heute. „Diese Menschen wollten leben, wollten zusammen mit ihren Familien ein selbstbestimmtes Leben führen und mussten fernab von der Heimat sterben“. Mit dem 91-jährigen Ernst Rupp lebe nur noch ein einziges Mitglied des Veteranenvereins, das die Schrecken des Kriegs als aktiver Soldat erlebt habe, ihn müsse man als den letzten Zeitzeugen des Vereins betrachten. Noch nie habe es in der Mitte Europas eine so lange Friedenszeit gegeben, diesen Frieden müsse man für die kommenden Generationen erhalten.

In Prutdorf gebe es mit der Kriegergedächtniskapelle im Herzen der alten Gemeinde Wildenwart zwischen Hendenham und Siggenham, die von allen Vereinen gemeinsam genutzt wird, ein starkes Symbol für den Erhalt des fragilen Friedens. „Am 17. Mai 1928 wurde diese Kriegergedächtniskapelle hier in Prutdorf eingeweiht, in diesem Jahr feierten wir ihren 90. Geburtstag“.

Beim Gedenkgottesdienst in der Wildenwarter Christkönigskirche und beim Libera an der Kriegergedächtniskapelle gedachte Pater Joshi der Toten aller Kriege im Gebet. Zum Abschluss der Feierstunde am Kriegerdenkmal legten die beiden Bürgermeister von Frasdorf und Prien Peter Freund und Alfred Schelhas, sowie Veteranenvorstand Heinrich Rehberg Kränze für die Opfer der Kriege und Gewalt, von Flucht und Vertreibung nieder. Die Gedenkveranstaltung, umrahmt von der Blaskapelle Wildenwart unter der Leitung von Sebastian Graf, endete mit dem Kanonensalut und dem Lied vom Guten Kameraden.

Bericht und Fotos: Heinrich Rehberg

Über den Autor

Anton Hötzelsperger

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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