Kultur

Verschollene Bronze-Funde erstmals im Prientalmuseum Hohenaschau zu sehen

Im Prientalmuseum auf Schloss Hohenaschau präsentiert der Heimat- und Geschichtsverein Aschau i.Chiemgau (HGV) jetzt den eindrucksvollen Hortfund von Aschau-Weidachwies aus der späten Bronzezeit (1300-1000 v.Chr.) erstmals in seinem vollen Umfang. Er wurde 1922 auf dem Grundstück des Barons v. Friesen in Aschau entdeckt.

Die Sicheln, Beile und Schmuckstücke mit immerhin 4,3 kg Gesamtgewicht sind heute über mehrere museale Sammlungen verteilt. Erst 2007 stellte sich heraus, dass damals Baron v. Friesen fünf Fundstücke für sich behalten hatte. Nach seinem Tod übergab sie sein Sohn dem Heimat- und Geschichtsverein Aschau. Nun sind sie im Prientalmuseum erstmals der Öffentlichkeit zugänglich. Dr. Cordula Nagler-Zanier, Archäologin aus Aschau, hat die Stücke wissenschaftlich untersucht. Darunter befindet sich auch eine Sichel vom “Typ Weidachwies”, einer eigenen Sichelvariante, die nach dem Fundort benannt wurde. Mühsam trug sie alle Informationen aus den verschiedenen Sammlungen und Depots zu den restlichen Hortstücken zusammen und veröffentlichte sie im “Bericht der Bayerischen Bodendenkmalpflege” 51 (2010) für die Fachwelt und der HGV gab dazu ein Sammelblatt (Nr. 3/April 2011, Sammelblätter “Kultur- und Heimatgeschichte” (geschichtsverein-aschau.de) heraus.

Wieder in den Fokus der Öffentlichkeit kam die Bronzezeit in Aschau durch neue spektakuläre Gold- und Grabfunde, entdeckt von Sebastian Aringer in Zusammenarbeit mit dem Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege und die Darstellung der Vor- und Frühgeschichte des Prientals auf den neuen Tafeln der Römerregion Chiemsee, die seit kurzem in Aschau aufgestellt sind.

Bei den Recherchen zu den geplanten Themenwanderungen zur Römer- und Bronzezeit in Aschau stieß die Historikerin Martina Stoib wieder auf die Originalfunde im vereinseigenen Archiv. Das hat der HGV zum Anlass genommen, den Hortfund von Aschau-Weidachwies in einer neuen Vitrine mit den bisher noch nie ausgestellten Originalfundstücken aus dem Nachlass des Finders erstmals vollständig zu rekonstruieren. Dr. Nagler-Zanier konzipierte mit viel ehrenamtlichem Engagement die Texttafel und die Fundvitrine.

Die rasche Umsetzung des Projekts wurde möglich durch die großzügige finanzielle Unterstützung der Gemeinde Aschau. In Zusammenarbeit konnten die Bronzen ihrem Dornröschenschlaf im Archiv des HGV entrissen werden und der breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Weitere spannende Informationen zur Vorgeschichte im Priental gibt es auch bei den für den Sommer geplanten Themenwanderungen zur Bronze- und Römerzeit in Aschau im Zuge des Projekts Römerregion Chiemsee.

Termine zum neuen Führungsangebot gibt es in der Tourist Info Aschau i.Chiemgau, Tel. 08052/90490 bzw. unter www.aschau.de . Das Prientalmuseum im Schloss Hohenaschau ist ein sehr passender Ort für die Originalbronzen, wird von Forschern doch auf dem Burgberg am Ende der Bronzezeit ein Zentrum der Bronzeherstellung vermutet. Und so findet die Bronzeherstellung vor über 3000 Jahren im Museum ihren Platz neben der neuzeitlichen Eisenherstellung – eine lange Metallurgietradition. Das Prientalmuseum ist während der Öffnungszeiten vom Burgladerl und Schloss Hohenaschau kostenlos für Besucher geöffnet.

Mehr Infos unter www.aschau.de/schlosshohenaschau.

Öffnungszeiten Burgladerl von Mai bis Oktober:

  • Dienstag & Donnerstag von 13.00 Uhr bis 16.00 Uhr
  • Mittwoch & Freitag von 09.30 Uhr bis 12.30 Uhr
  • Sonn- und Feiertage 13.00 Uhr bis 16.00 Uhr

Text: Martina Stoib M.A. – Bildrechte: Martina Stoib / Herbert Reiter / Prof. Mehler

Über den Autor

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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