Natur & Umwelt

Unterwössen: Zurück zum lebendigen Bach

Veröffentlicht von Anton Hötzelsperger

Wasserwirtschaftsamt Traunstein unterstützt Kommunen bei der Revitalisierung ihrer Gewässer – Gewässer-Nachbarschaftstag  in Unterwössen

In Gummistiefeln durch den Bach waten. Mit Händen vergeblich, aber unermüdlich nach Fischen haschen. Aus Steinen kleine Rinnen bauen: Kindheitserinnerungen an fröhliche Tage am und im Bach. Erinnerungen, von denen Andreas Philipp immer wieder hört, wenn er zu Gast ist in Kommunen im Amtsbezirk des Traunsteiner Wasserwirtschaftsamtes. Philipp kommt als sogenannter Gewässer-Nachbarschaftsberater und unterstützt die Gemeinden dabei, ihre Gewässer ökologisch aufzuwerten.

Gesetzgeber verpflichtet zum Unterhalt

Der Gesetzgeber verpflichtet die Kommunen in Bayern zum Unterhalt von Bächen und Gräben – den Gewässern dritter Ordnung. Rund 90.000 Kilometer Gewässer fallen auf diese Weise in die Zuständigkeit der Gemeinden. Um ihrer Aufgabe bestmöglich nachzukommen, wünschen sich viele Kommunen fachliche Beratung bei der Umsetzung von ökologischen Maßnahmen. Wie groß der Bedarf ist, zeigte sich bei einem Gewässer-Nachbarschaftstag in Unterwössen, zu dem der Nachbarschaftsberater Andreas Philipp eingeladen hatte. An ihm nahmen Vertreter verschiedener Gemeinden ebenso teil, wie Vertreter der Wasser- und Bodenverbände, des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, der unteren Naturschutzbehörde und des Wasserwirtschaftsamtes Traunstein.

Wasserrecht regelt den Unterhalt

Ein wichtiger Punkt war den Anwesenden, wie bei Schäden am Gewässerufer zu verfahren sei. Schließlich ist die Kommune für den baulichen Unterhalt des Gewässers zuständig. Bricht beispielsweise ein Gewässerufer an, müsse die Gemeinde nach allgemeiner Einschätzung handeln. Voraussetzung für jegliche Maßnahmen sei jedoch das „öffentliche Interesse“, was im Grunde genommen nur bei Gefahr für Straßen, Bebauung oder Infrastruktur bestehe. Eine Verpflichtung zur Instandsetzung in der freien Landschaft bzw. im Bereich der Land- und Forstwirtschaft gebe es hier nicht. Hier könne sich das Gewässer nach dem einfachen Grundsatz „der Bach darf das“ frei bewegen, sagt Philipp. Sicherungsmaßnahmen im Rahmen der Gewässerunterhaltung können hier den Bewirtschaftungszielen der Wassergesetze sogar entgegenstehen. Um in solchen Fällen möglichst naturverträgliche Lösungen zu realisieren, bietet das Wasserwirtschaftsamt fachliche und kostenlose Beratung an. Eine Unterstützung, die der Gemeinde durchaus auch finanzielle Vorteile bringt: Denn der Freistaat Bayern fördert die Umsetzung solcher ökologischen Unterhaltungsmaßnahmen mit bis zu 30 Prozent der Kosten. Bei ökologischen Ausbaumaßnahmen an Gewässern dritter Ordnung können Gemeinden sogar bis zu 90 % Förderung erhalten. Ein weiteres Plus: Renaturierungen an Gewässern können als Ausgleichsflächen angerechnet werden.

Der Wössener Bach: ein gelungenes Beispiel

Wie es gelingen kann, aus einem ökologisch praktisch toten Kanal einen lebendigen Bach zu gestalten, zeigt Andreas Philipp, gemeinsam mit seinem Kollegen Roland Werner, direkt vor Ort, am Wössener Bach. Dort hat das Wasserwirtschaftsamt auf einer Länge von rund 150 Metern die Holzbretter vom Grund des Baches ausgebaut und den Zulauf zur Tiroler Achen geöffnet. Das Bachbett selbst ist zu einer mäandernden Wasserrinne verengt. In ihr lässt sich das Wasser dauerhaft bündeln. Tief genug, um Lebensraum für Fische zu bieten. Um die Strömung zu lenken, ist im Bach eine schmale Insel angelegt. Kleine, aus Steinen geformte Höhlen im Wasser, sogenannte Fischunterstände, bieten Tieren Schutz. Auch große Wurzelstöcke dienen als Unterstand. An einer Uferböschung ist auf halber Höhe eine Sitzmöglichkeit entstanden. Wer möchte, kann hier rasten.

Ökologische Maßnahmen als Generationenaufgabe

Andreas Philipp steht direkt am Bach als er erklärt, wie Steine gelegt werden müssen für eine Fischaufstiegshilfe. Eine kleine Rampe, die den Tieren hilft, Höhenunterschiede im Gewässer zu überwinden. Diese Durchgängigkeit zu erreichen, gehört ebenfalls zu den Zielen auf dem Weg zum natürlichen Bach. Für Philipp eine Generationenaufgabe. „Was wollen wir hinterlassen: tote Kanäle oder lebendige Bäche?“, fragt er in die Runde. Eine rhetorische Frage, die Teilnehmer wissen es. Sie alle haben diese Kindheitserinnerungen. Erinnerungen an die Tage in Gummistiefeln, die Matschhose und die flinken Fische, die sich so gar nicht fangen ließen. Für Philipp ist wichtig: „Verbesserungen frühzeitig anzupacken wo immer möglich.“

Bericht und Foto: WWA Traunstein –  Kalt und unwirtlich ist das Wetter beim Gewässer-Nachbarschaftstag in Unterwössen. Bei einem Besuch am Wössener Bach erhalten die Teilnehmer der Veranstaltung Einblick in die praktische Arbeit des Traunsteiner Wasserwirtschaftsamtes. Der Gewässer-Nachbarschaftsberater Andreas Philipp (Mitte) erklärt Details zur ökologischen Aufwertung des Baches.

 

 

 

 

 

 

 

Redaktion

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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