Corona-Krise

Und wie geht’s den Kranken?

Anton Hötzelsperger
Veröffentlicht von Anton Hötzelsperger

Aus dem Corona-Tagebuch des Journalisten Karl Stankiewitz nach einem Besuch des klinikums rechts der Isar

Seit Wochen beherrscht das Ach und Weh, aber auch die Wehrhaftigkeit von Gastwirten, Kulturträgern, Kita-Betreuern und anderen Corona-Betroffenen die Berichterstattung in München. Der Ausfall des Jubel- und Trubelfestes hat, trotz halbwegs gelungenem Ersatz, den allgemeinen Jammer auf die Spitze getrieben. Auch ich habe auf diesen Seiten eingestimmt in den Klagechor. Der hat das Schicksal der eigentlich Leidtragenden ziemlich übertönt. Deshalb mache ich mich auf den Weg ins Krankenhaus Rechts der Isar (MRI).

Den Infektiologen Dr. Chrostoh Spinner will ich fragen, wie es seinen Covid-19-Patienten geht. Infektiologen, erfuhr ich zum Vergleich mit Ärzten wie Christian Drosten, arbeiten am Menschen, Virologen im Labor. Der Zutritt gleicht dem in einen Hochsicherheitstrakt. Ich werde durch markierte Gänge geschleust wie am Flughafenschalter, muss einen langen Fragebogen ausfüllen wie beim Facharzt, bekomme eine Schutzmaske ausgehändigt, werde von auf Körpertemperatur gemessen – und dann heißt es warten. Eine Prozedur, der jeder Besuchet unterworfen ist. Derzeit.

Derzeit liegen nur noch fünf Covid-19-Patenten im MRI. Der Rückgang hat mehrere Gründe, die mir Oberarzt Spinner erläutert: “Erstens wurden zuletzt vorwiegend jüngere Leute mit schwächeren Symptomen stationär aufgenommen und bald wieder entlassen. Zweitens konnten wir mit dem Therapeutikum Remdisivir, das wir in Studien erprobten und das auch dem Präsidenten Trunp verabreicht wurde, eine Verringerung der Aufenthaltszeit um 31 Prozent erreichen. Und drittens habe ich den Eindruck, dass sich das Vorsichtsbewusstsein der deutschen Bevölkerung verstärkt hat. Drei Patienten jedoch werden intensiv behandelt und künstlich beamet, einer wegen schwerer Lungenentzündung sogar mit der Herz-Lungen-Maschine Bisher sind in dem Kliniken 27 Patienten mit Covid-Diagnose verstorben.

Auch eine noch so intensive Behandlung lässt nicht jeden Schwerkranken überleben. Bisher sind in München 225 Menschen der Seuche zum Opfer gefallen, etwas weniger als in den größeren Städten Berlin und Hamburg. An dieser Stelle sei ein Indiz angeführt dafür, dass Corona auch im Reich der Toten mitregiert: Ich wollte eine Führung im Alten Nördlichen Friedhof buchen. Von der Volkshochschule und wurde ich aufgefordert, erst alle möglichen Daten einschließlich Bankverbindung mitzuteilen. So wird halt alles immer komplizierter. Ich verzichtete auf die Friedhofsrunde.

Bilder: argum, Klinikum rechts der Isar

Über den Autor

Anton Hötzelsperger

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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