Natur & Umwelt

Überwintern auf Acker und Wiese

Veröffentlicht von Anton Hötzelsperger

Winter bedeutet für Tiere kaum Nahrung, kurze Tage und kalte Nächte. Wer nicht in den Süden gezogen ist, muss Strategien entwickeln, um die kalte Jahreszeit zu überstehen. Auch wenn im Winter weniger Tiere zu beobachten sind und Insekten scheinbar verschwunden sind, geht das Leben auf Wiesen und Äckern weiter – oft im Verborgenen. Besonders jetzt sind ungemähte Wegränder, Altgrasstreifen, Blühflächen oder auch Hecken wichtige Lebensräume. Sie bieten Unterschlupf für den ungestörten Winterschlaf oder einen sicheren Ort für die Verpuppung. Tiere finden dort Nahrung in Form von Samen und Beeren oder einen Ort zum Ausruhen vor der Kälte. Landwirte säen auf ihren Äckern Blühflächen an, legen Hecken an oder pflegen bestehende Hecken als wichtigen Lebensraum. Die Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) zeigt, welche Maßnahmen an welchen Standorten am besten nützen und welche Tiere profitieren.

Auf Blühflächen finden Vögel und Niederwild im Winter Nahrung sowie Unterschlupf. Trockene Pflanzen formen Nischen, die Rebhühnern und Feldhasen unter der Schneedecke Schutz vor der Witterung bieten. Amphibien und Reptilien ziehen sich in frostsichere Winterquartiere wie Hecken oder Lesesteinhaufen zurück. Viele Insekten überstehen die kalte Jahreszeit als Ei, Larve oder Puppe unter der Erde oder in abgestorbenen Pflanzenstängeln und Halmen. Der Zitronenfalter überlebt den Winter als Schmetterling in Kältestarre und kann so bei den ersten Sonnenstrahlen im Frühjahr gleich wieder durchstarten. Entscheidend für die Überwinterung für alle diese Tiere sind ungestörte Plätze, die uns oft „unordentlich“ erscheinen. Im eigenen Garten hilft schon eine ungestörte wilde Ecke, um die Tiere in der kalten Jahreszeit zu unterstützen. Bei Spaziergängen oder der Freizeit in der Natur hilft etwas Rücksicht.

Die Ämter für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) bieten in ganz Bayern Informationen und Beratung für landwirtschaftliche Flächen an. Die Wildlebensraumberatung hat das Ziel, Lebensräume zu verbessern und zu vernetzen. Die individuelle Beratung von Landwirten schafft Strukturen wie Blühflächen, Streuobstbäume, Hecken oder Säume. In diesen können die heimischen Wildtiere gut über den Winter kommen.

In den sogenannten Maßnahmensteckbriefen verknüpft die LfL die Ansprüche von Tierarten an ihren Lebensraum mit agrarökologischen Maßnahmen, die größtenteils gefördert sind. Sabine Heinz (LfL) hat die Steckbriefe als wissenschaftliche Koordinatorin der Wildlebensraumberatung mit entwickelt. Sie erklärt: „Mehrjährige Strukturen, die über den Winter stehen bleiben, sichern das Überleben von Wildtieren und Insekten sowie deren Nachkommen. Die Kombination von Lebensräumen, einem Blütenangebot in der Wiese und ungemähte Böschungen zum Überwintern unterstützten Schmetterlinge wie das Schachbrett effektiv. Die von Landwirten geschaffenen Strukturen erfüllen die besonderen Ansprüche von Tierarten an ihren Lebensraum in der kargen Jahreszeit.“

Landwirte können sich an ihrem örtlichen Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten zu Wildlebensräumen beraten lassen. Unterstützen Sie heimische Wildtiere beim Überwintern und schaffen Sie gezielt „unordentliche“ ungestörte Rückzugsorte.

Weitere Informationen unter:

https://www.lfl.bayern.de/wildlebensraum

https://www.lfl.bayern.de/iab/kulturlandschaft/030762/index.php

https://www.lfl.bayern.de/iab/kulturlandschaft/103504/index.php

https://www.lfl.bayern.de/iab/kulturlandschaft/169269/index.php

 

 

Über den Autor

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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