Kirche

Truchtlaching: “Klang-reformierte” Kirchenorgel

Veröffentlicht von Anton Hötzelsperger

So wie jeder Wein seine eigene Geschmacksnote, jede Blume ihren Duft und jede menschliche Stimme ihren eigene Klangfärbung hat, so hat auch jedes handgefertigte Instrument seinen ganz eigenen Klang. Violine ist also nicht gleich Violine und Orgel, erklärt Kirchenmusikerin Andrea Wittmann, ist nicht gleich Orgel. Da gibt es himmelweite Unterschiede, weiß die gebürtige Truchtlachingerin, die in der Gemeinde Seeon-Seebruck für Vieles „Singende und Klingende“ verantwortlich zeichnet. Seit ihrem 12ten Lebensjahr bespielt Wittmann in der Gemeinde die Orgeln, damals noch als Schülerin, seit 1997 als Kirchenmusikerin. In ihrer Funktion ist Wittmann auch für die Organisation von Wartung und Pflege der Orgeln verantwortlich und wenn sie hört, dass etwas „nicht stimmt“, dann kümmert sie sich darum. Nachdem 2020 eine aufwendige Reinigung mit Reparaturmaßnahmen an der Seeoner Mozartorgel notwendig war (wir berichteten), musste nun die Orgel der Truchtlachinger Pfarrkirche „in Angriff“ genommen werden. Lange schon stört sich die Kirchenmusikerin am Klang der Trucht‘linger Orgel. In dem spätgotischen Bau am Alzufer, der 1435 errichtet und 1956 nach Westen hin erweitert wurde, hat Orgelbauer Anton Staller in den 80er Jahren eine Orgel installiert. Als gebürtige Truchtlachingerin kennt Wittmann den Klang dieser Orgel seit der Kindheit. „Unangenehm laut, plärrend und in manchen Tonlagen beinahe schrill. Das tut fast in den Ohren weh.“, beschreibt die 48jähige das „Klangproblem“. Zur tatkräftigen und vor allem fachkundigen Unterstützung wurde Michael Gartner von der Orgelbaufirma Lindner aus Nussdorf a. Inn herangezogen. Nach eingehender Inspektion der „Orgelsituation“ waren die zu behebenden Klangunwägbarkeiten flott ausgemacht. Dabei „diagnostizierte“ Gartner Löcher im Balgsystem, also technische Mängel und Defekte an der Windversorgung der Orgelpfeifen. Das unangenehme Klangproblem konnte durch eine „Umintonation“ deutlich verbessert werden. Die schrille Klangvorstellung aus den 1980er Jahren wurde durch ein Abmildern der Spitzen im Klangbild den heutigen Hörgewohnheiten angepasst – eine Art Klangreform, könnte man sagen. Dazu musste der Orgelbauer etwa die Hälfte der circa 900 Metall- und Holz- Orgelpfeifen herausnehmen, um Eingriffe an der Kernspalte und der Stellung des Labiums der Pfeifen vornehmen zu können. Mit einem entsprechenden Werkzeug veränderte er das Lumen der Luftaustrittsspalte, wodurch sich, wie er demonstrierte, tatsächlich wie bei einer Flötenstimmung der Klang hörbar veränderte. Zudem wurde eine Generalstimmung der Orgel vorgenommen, das Stimmsystem von einer gleichstufigen zu einer wohlklingenden ungleichstufigen Temperierung verändert, sowie die Spieltraktur (Tastengang) nachreguliert und egalisiert. Wie’s klingt, wenn’s „wieder stimmt“, also auf das Ergebnis der etwa einwöchigen Arbeit, bei der Gartner und Wittmann Hand in Hand in der wunderbar kühlen Truchtlachinger Pfarrkirche arbeiteten, davon können sich die fleißigen und musikliebenden Kirchgänger Truchtlachings überzeugen.

Bericht und Bilder: Kirsten Benekam

Über den Autor

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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