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Trotz Corona bringt Keniaprojekt der Landfrauen viel auf den Weg

Im Rahmen der Sonderinitiative „Eine Welt ohne Hunger“ des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) engagiert sich die Landfrauengruppe im Bayerischen Bauernverband seit 2017 in drei Bezirken Westkenias. Die bayerischen Bäuerinnen geben dabei ihr Wissen und praktisches Know-how an die westafrikanischen Bäuerinnen weiter. Vergangenes Jahr hat das BMZ das Entwicklungsprojekt bis März 2022 verlängert. „Für uns bayerische Landfrauen ist es selbstverständlich, dass wir uns international für die Verbesserung der Ernährungssicherheit einsetzen“, sagt Anneliese Göller.

Einsatz von energiesparenden Öfen

Zwar hat die Corona-Pandemie im vergangenen Jahr für Einschränkungen gesorgt. Dennoch konnten die Projektverantwortlichen in den letzten Monaten über 40 Schulungen in den westkenianischen Bezirken organisieren.

Bei welchen praktischen Alltagsproblemen leistet das Projekt Unterstützung? „In erster Linie sind das die vielen und schweren körperlichen Arbeiten im Haushalt und auf dem Feld. Allein die Versorgung mit frischem Wasser und Feuerholz zum Kochen dauert oft Stunden. Hier wollen wir das Leben der Frauen erleichtern“, sagt Angelika Eberl, Projektleiterin der BBV-Landfrauen Internationale Zusammenarbeit GmbH (BBV-LIZ). Mit einer für die Teilnehmerinnen kostenlosen Schulung über ressourcenschonende Technik in der Küche konnten rund 60 Landfrauen von den Vorteilen neuer energiesparender Öfen überzeugt werden. Bis zu 60 Prozent Feuerholz lässt sich damit sparen – gut für den Geldbeutel und gut für die Umwelt. „Der Unterricht war ein Mix aus Theorie und Praxis. Gemeinsam wurde ein gesundes und ausgewogenes Essen mit lokalen Lebensmitteln auf den modernen Öfen zubereitet. Damit konnten wir den Frauen die Scheu vor der neuen Technik nehmen“, sagt Eberl. „Und besonders freut es uns, dass die geschulten Kenianerinnen ihre neu erworbenen Kenntnisse mit großer Begeisterung in selbstorganisierten Veranstaltungen an Landfrauen weitergeben.“

Perspektive für die eigene Geschäftsidee

Unter Beachtung der geltenden Corona-Vorschriften konnten auch weitere Schulungen durchgeführt werden, zum Beispiel Unternehmenstrainings. „Weil Weiterbildung bislang Männern vorbehalten war bzw. ist, die Landfrauen meist kein regelmäßiges Einkommen haben und auch keinen Zugang zu Krediten erhalten, möchten wir den Frauen mit maßgeschneiderten Schulungen mehr Sicherheit und Selbstvertrauen geben. Denn die Landfrauen sind in der Familie dafür verantwortlich, etwa Schulgebühren und Schuluniformen sowie Bücher für ihre Kinder zu bezahlen“, sagt Angelika Eberl. Viele der kenianischen Landfrauen stehen vor der Herausforderung, ein Unternehmen zu gründen und dieses professionell zu führen, oft fehlt es an einer klugen Geschäftsidee. „Die meisten der Frauen betreiben zwar ein Geschäft, aber sie erkennen darin nicht die Möglichkeit, Einkommen zu erzielen, sondern geben ihre Produkte meist gegen Naturalien oder kostenlos ab, anstatt Überschüsse zu verkaufen.“

Die Trainings bieten den Frauen eine Perspektive, zuhause zu bleiben und nicht in die Ballungszentren abwandern zu müssen. „Sie finden Freude an ihrer Arbeit, mit der sie ihren Lebensunterhalt zumindest teilweise sichern können“, so Eberl. Inzwischen wurden mehr als 300 Bäuerinnen auf die Höfe von WoFaAK-Landfrauen zu einem Unternehmenstraining eingeladen, wo sie lernten, ihren wirtschaftlichen Status quo zu analysieren. „Den meisten Frauen war nicht bewusst, wie wichtig es ist, den Gewinn zu ermitteln, den sie mit ihren Geschäftsaktivitäten erzielen können. Sie saugten das Wissen über die Wahl, Gründung und Aufrechterhaltung eines profitablen Unternehmens regelrecht auf“, sagt Eberl. „Diese Teilnehmerinnen gingen alle hochmotiviert nach Hause, um das Erlernte zügig umzusetzen. Und wenn am Schluss eine Teilnehmerin im Bewertungsbogen schreibt: ‚WoFaAK is very caring‘ (WoFaAK ist sehr fürsorglich), dann waren die Trainings erfolgreich und haben die Frauen ein gutes Stück vorwärts gebracht“, sagte Angelika Eberl.

Erster Landfrauenverband in Kenia

Bereits im Herbst 2017 konnte ein erster Meilenstein im Kenia-Projekt der bayerischen Landfrauen gesetzt werden: die Gründung der „Women Farmer Association of Kenya“ (WoFaAK), des ersten Landfrauenverbandes in Kenia. „Allerdings braucht ein Dachverband zahlreiche, aktive und zufriedene Mitglieder, um gut arbeiten zu können. Deshalb haben wir die Vorsitzenden aller 75 Mitgliedsgruppen zu einem Training über die Bildung von Netzwerken, das Lösen von Konflikten und erfolgreiche Kommunikation eingeladen“, berichtet Landesbäuerin Anneliese Göller vom weiteren Aufbau des Verbandes. „Daphne Muchai, die Gründerin der WoFaAK, führte die Weiterbildung durch und begeisterte die Frauen mit ihrem Wissen, ihrem Mut und ihrem Engagement. Ihr Vorbild gibt den Frauen Selbstvertrauen, vermittelt ihnen, dass sie gleichberechtigt sind, nicht ohne darauf hinzuweisen, dass die weibliche Selbstermächtigung Irritationen auslösen kann – in der Familie und in der Gesellschaft. Deshalb ist eine gute offene Kommunikation so wichtig und zielführend.“

In den nächsten Monaten sollen die Schulungen fortgesetzt werden. Ein besonderes Anliegen ist der Kurs über die Vermeidung von häuslicher Gewalt. „Vielen Frauen ist überhaupt nicht bewusst, dass sie Rechte haben und diese auch einfordern können. Damit wollen wir vor allem jungen Mädchen und Frauen Mut machen zu mehr Selbstbestimmung“, sagt Angelika Eberl. Zudem soll es ein Angebot für junge Frauen geben, sich zu Führungskräften in der Landfrauenarbeit ausbilden zu lassen, damit der Landfrauenverband generationenübergreifend erfolgreich bestehen und arbeiten kann.

Landesbäuerin Anneliese Göller hofft auf die Zeit nach der Corona-Pandemie und freut sich auf die persönliche Begegnung mit den kenianischen Landfrauen: „Wir hoffen inständig, bald wieder unseren persönlichen Austausch durchführen zu können, getreu unserem Motto: Ein Beruf – zwei Welten.“

Weitere Daten und Fakten zum Kenia-Projekt erhalten Sie unter www.bbv-liz.de.

Bericht: Bayerischer Bauernverband – Bildrechte: BBV LIZ

Über den Autor

Anton Hötzelsperger

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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