Leitartikel

Traumhaft: Leonhardiritt in Breitbrunn

Veröffentlicht von Anton Hötzelsperger

Nach längerer coronabedingter Abstinenz zeigte sich Petrus wohlwollend und bescherte den Rosserern in Breitbrunn einen schon fast kitschig-schönen Herbsttag. Trotz aller Euphorie hatte sich der Veranstalter an sein strenges, vom Landratsamt auferlegtes Hygienekonzept gehalten.

Die Organisation hatte die designierte Vorsitzende der Breitbrunner Rosserer, Daniela Heß, in die bewährten Hände von Amtsvorgänger Sepp Obermeier gelegt. Generalstabsmäßig setzte sich der Pferde- und Festwagentross pünktlich vom Bauhof in Bewegung und schlängelte sich bei blauem Himmel und lauen Temperaturen in Richtung Ortsende. Hunderte von Besuchern hatten sich eingefunden, um gepflegtes Brauchtum mitzuerleben.  Mit von der Partie waren an die 120 Rösser mit ihren Besitzern, kleine Ponygespanne sowie ein Dutzend prächtig dekorierter Festwägen. Angeführt wurde der Zug von einem Reiter mit der Vereinsstandarte, sechsspännig die Kutsche der Geistlichkeit, den örtlichen Honoratioren, der Chieminger Blaskapelle sowie Wägen mit den Breitbrunner Röckefrauen und Trachtenkindern. Ebenfalls eingereiht hatten sich Festwägen mit Nachbildungen der Breitbrunner Pfarrkirche St. Johannes sowie der Gollenshausener Kirche Hl. Simon und Juda. Mächtig ins Zeug legte sich unter anderem auch der heimische Gartenbauverein mit seinem üppig geschmückten Erntedankwagen.  Beeindruckend war die Darstellung des Heiligen Christophorus auf dem Motivwagen der Rosserer. Er zeigte ihn als Riesen mit Stab und einem Kind auf seinen Schultern durchs Wasser waten. Als Schutzpatron der Kinder und Kraftfahrer verfolgte dieser den Leitspruch „St. Christophorus mag uns bewahren, bei allem umeinanderfahren“.

Christophorus hieß vor seiner Taufe Offerus, war von gewaltiger Größe und furchtbarem Angesicht, er maß zwölf Ellen (1 Elle entspricht zirka 75 Zentimeter) in der Höhe. In späterer Volkstradition wurde er zum Patron – unter anderem – der Fuhrleute, Schiffer, Flößer, Reisenden, Kraftfahrer und der Kinder. Auf Grund seiner Körpergröße und Leibesstärke übernahm er die Aufgabe, Leute, welche über einen nahen aber tiefen Fluss setzen müssten und oft der Gefahr des Ertrinkens ausgesetzt wären, hinüberzutragen. Da rief ihn auch einmal ein Kind, er solle es hinübertragen. Aber das Kind wurde in der Mitte des Flusses so schwer, dass Christophorus sagte: »Mir ist’s, als läge die Welt auf mir.« »Mehr als die Welt,« sprach das Kind, »denn du trägst den, der Himmel und Erde erschaffen hat.« Es war das Christuskind, welches dann den von der Schwere niedergedrückten Kopf im Wasser taufte und Christophorus nannte, weil er Christum getragen hatte.

Jede Menge Reitergruppen, vom Warmblüter über das Pony bis zum Kaltblüter, sowie zahlreiche Fußgänger begleiteten den Umzug, der entlang von hunderten Besuchern in Richtung Martel-Mayer-Leit´n zog. Ein kleiner Feldaltar auf der Anhöhe am Ortsende von Breitbrunn, mit Blickrichtung auf die Mühlner Bucht, zeigte den zahlreichen Teilnehmern „Gottes Schöpfung in voller Pracht“. Die Geistlichkeit, Pfarrer Andreas Przybylski, hatte zu alledem passende Worte in seiner Predigt gewählt. So münzte er unter anderem die 3-G-Regeln auf die Rosserer um, indem er meinte, sie könnten auch für „gestriegelt, gesattelt und geritten“ angewandt werden. Die musikalisch Umrahmung übernahm die Chieminger Blaskakpelle und der Gesangsverein unterstützte die mitsingenden Gläubigen. Nach der Überreichung der Ehrengabe setzte sich der Tross wieder in Bewegung, um beim Rückzug am Leonhard-Bildstock den Segen für Ross und Reiter zu erhalten. Seinen Ausklang fand der Ritt auf dem Vorplatz der Vereinshalle bei schmackhafter Brotzeit und süffigen Getränken sowie Kaffee und Kuchen zu den Klängen der Chieminger Blaskapelle.

Bericht und Bilder: Karl Wastl

Mit der Darstellung eines Heiligen auf ihrem Motivwagen setzen die Rosserer ihre Tradition fort. Dieses Jahr wurde der Heilige Christophorus als Riese mit Stab und einem Kind auf seinen Schultern durchs Wasser watend dargestellt.

Der Gartenbauverein zeigt auch in diesem Jahr wieder, was für Früchte die Mutter Natur hergibt.

An der Martel-Mayer-Leit´n sehen wir Helmut Meidert mit seiner sechspännigen Kutsche wartend auf die Geistlichkeit. Im Hintergrund sehen wir die Mühlner Bucht und die Bergkette.

(Optional) Das Gespann mit zwei wunderschönen Pferden nahm ebenfalls am Leonhardi-Ritt teil.

 

 

Über den Autor

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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