Leitartikel

Trachtler-Wallfahrt – Bericht und Bilderbogen

Veröffentlicht von Anton Hötzelsperger

Eigentlich wäre am Sonntag, 25. Juli das heurige Gaufest des Chiemgau-Alpenverbandes für Tracht und Sitte in Reit im Winkl gewesen. Weil dieses größte Fest Chiemgauer Trachtler ebenso wie im Vorjahr in Schleching aus Pandemie-Gründen abgesagt wurde, entschied sich die Gauvorstandschaft, an diesem Traditionstag die Nachholung der ebenfalls abgesagten Bitt- und Dankwallfahrt nach Raiten zu versuchen. In verkürzter, verkleinerter und veränderter Form trafen sich nunmehr Fahnen und Abordnungen der 23 Gauvereine zusammen mit der Gaustandarte, um am Raitener Kirchbichl „Maria zu den sieben Linden“ Gottesdienst zu feiern.

Nur wenige Stunden vor Beginn verursachte ein grober nächtlicher Sturm für Schäden und Verwüstungen am Kirchplatz. Ab 5.30 Uhr in der Früh stellten Mitglieder der Raitener Dorfgemeinschaft, die seit Anbeginn der Wallfahrt im Jahr 1952 für ein gutes Gelingen sorgen, für erneute Ordnung. „Gedenken, Bitten und Danken wollen wir heute wieder, anders als früher und heuer am Namenstag des Heiligen Jakobus, dem Patron der Pilger“ – mit diesen Worten hieß Gauvorstand Michael Huber erstmals zu einem Ökumenischen Wallfahrts-Gottesdienst ein. Hierzu begrüßte er aus dem Achental den Evangelischen Pfarrer Rainer Meier und Pfarrer Martin Strasser von der Katholischen Kirche. Die ökumenische Form des Gottesdienstes nutzte Gauvorstand Huber zu einem Appell an die Kirchenverantwortlichen in Bezug auf fehlende Antworten auf Fragen zum christlichen Zusammenhalt, zum christlichen Miteinander und zum richtigen Leben im 21. Jahrhundert (worüber wir noch gesondert berichten werden). Diesem Aufruf folgte passend das von der Musikkapelle Schleching unter der Leitung von Dirigent Walter Reisenauer angestimmte Gemeinschaftslied „Wohin soll ich mich wenden?“.

Pfarrer Martin Strasser erinnerte daran, dass es die Raitener Kirche seit dem 12. Jahrhundert gibt und dass es sich bei der Trachtler-Wallfahrt im Chiemgau um ein echtes Glaubenszeugnis handelt. „Die Kraft des Glaubens kam auch jüngst bei den Hochwassern zum Tragen, als ein Baggerfahrer ohne Angst und unter Lebensgefahr ein großes Damm-Ausflugstor bearbeitete und damit viel Schäden an Menschen und Natur verhinderte“ – so Pfarrer Strasser zum Beispiel, dass Glaube Berge versetzen kann. Der Evangelischer Pfarrer Rainer Meier bat – ebenfalls mit Blick auf die jüngsten Naturkatastrophen – um mehr Barmherzigkeit und weniger Rechthaberei in der Gesellschaft als er sagte: „Jesus warnt vor der Selbstgerechtigkeit, Jeder der hilft, hat selbst was davon, sei es in der Eifel, in Berchtesgaden oder in Raiten, letztlich sind klaglose Helfer ein Segen“. Pfarrer Meier beendete seine Predigt mit den Worten: „Ihr Abordnungen seid für die gesamte, große Gemeinschaft da, Ihr bewahrt Altes und versucht Neues, in jedem Falle soll es stets ein Miteinander-Tun, ein Aufeinander-Schauen und ein Einander-Verstehen sein“.  Den Abschluss des Gottesdienstes bildeten Gebete am Kriegergrab und die Bayernhymne. Alsdann bedankte sich Gauvorstand Miche Huber bei den Musikanten, bei den Schlechinger Alphornbläsern, bei der Raitener Dorfgemeinschaft, beim GTEV „D´Gamsgebirgler“ Schleching und bei den Böllerschützen für den Ehransalut. Weiters wurde bekanntgegeben, dass in Bälde der heurige von Hans Rummelsberger aufgezeichnete Wallfahrtsgottesdienst aus You Toube zu sehen sein wird.  Im kleinen Kreise und mit gebotenem Abstand gab es beim Raitener Wirt im Freien noch ein gemütliches Beisammensein, zu dem Schlechinger Musikanten aufspielten. Eine Spendensammlung wird der  Hochwasserhilfe zugutekommen.

Fotos: Hötzelsperger – Eindrücke von der Wallfahrt der Chiemgauer Trachtler nach Raiten in der Gemeinde Schleching.

Über den Autor

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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