Die äußerst familienfreundliche Wanderung führt durch das romantische Langenau-Tal zur Langenau-Alm und wenige Minuten darauf zur malerisch gelegenen Bayralm. Im Volksmund wird sie auch »Boareibl« genannt, und in der oberbayerischen Volksmusikgeschichte wurde sie verewigt durch den Boareibl-Jodler. Sie liegt inmitten einer großen Wiesenmulde und ist umgeben von den Gipfeln des Bayerischen Schinders und den Blaubergen. Bei der kleinen, urigen Alm nahe der österreichischen Grenze erfrischen wir uns mit Getränken aus der Brunnenkühlung und erhalten einfache Brotzeiten, Kuchen und Kaffee.

Mit zwei Stunden Aufstieg zählt diese Wanderung nicht gerade zu den kürzesten Touren dieses Wanderführers. Doch sollten wir uns davon nicht irritieren lassen, denn es ist nur ein geringer Höhenaufstieg von 300 Metern zu bewältigen. Bezogen auf die Länge des Wanderweges von über neun Kilometern wird es also nie steil. Da wir außerdem auf einem breiten, gut ausgebauten Forstweg wandern, ist der Weg auch für Kinder und Senioren bestens geeignet. Selbst Radler treffen wir hier an, die aufgrund der geringen Steigung die Strecke oft mit einem normalen Alltagsfahrrad befahren. Übrigens ist diese Route für viele Mountainbiker der Auftakt zu einer mehrtägigen Alpenüberquerung vom Tegernsee bis nach Südtirol. Aus diesem Grund werden wir immer wieder einmal von Mountainbikern überholt. Zum Abschluss der Wanderung haben wir direkt an unserem Ausgangspunkt mit dem Berggasthof Schwaiger Alm eine weitere tolle Einkehrmöglichkeit.

Anfahrt

Von der Autobahn A 8 München–Salzburg her kommend, fahren wir über Tegernsee nach Kreuth und weiter in Richtung Wildbad-Kreuth. Ungefähr einen Kilometer nach Kreuth finden wir die Bushaltstelle in einer langgezogenen Rechtskurve. Hier biegen wir links ab und fahren nach der Weißachbrücke links 300 Meter zu einer Gabelung, halten uns dort rechts und sind nach weiteren 200 Metern am Wanderparkplatz Schwaiger Alm (GPS-Wegpunkt N47 37.603 E11 45.156).

Auf- und Abstieg

Ab der Schwaiger Alm, die wir erst einmal »links liegen lassen« und uns für die Rückkehr vormerken, ist der Weg eigentlich nicht zu verfehlen, denn wir bleiben immer auf der Forststraße. Es gibt nur wenige Gabelungen, und an diesen ist der Weg zur Alm immer gut beschildert. Den Trubel bei der Schwaiger Alm lassen wir also hinter uns und wandern gemächlich auf der Forststraße mäßig ansteigend nach Osten. Nach einer guten Stunde, in der wir entlang des Sagenbaches mehr spazieren als bergwandern, machen die Bäume und Büsche am Wegesrand Platz für eine größere Lichtung. Hier bildet der malerisch gelegene Talgrund der Langenaualmen (960 m) mit seinen weiten, blumenreichen Wiesen den ersten landschaftlichen Höhepunkt unserer Tour. Nun wandern wir weiter taleinwärts und wie bisher sanft ansteigend durch das Almgebiet, passieren zwei Diensthütten und betreten dann wieder einen Wald. Erst jetzt wird der Weg etwas steiler und wir nähern uns dem Scheitelpunkt unseres Weges, da es anschließend wieder kurz bergab geht. Der Sattel bildet übrigens eine Wasserscheide: Hinter uns fließen die Bergbäche zum Tegernsee, vor uns der Bayrbach in Richtung Inntal. Wir passieren nochmals eine Diensthütte und sehen nach wenigen Metern inmitten ausgedehnter Almwiesen eine kleine, verträumte Almhütte unter uns liegen – die Boareibl Alm, unser heutiges Wanderziel (1040 m).

Der Rückweg erfolgt auf dem Aufstiegsweg.

  • Einkehr: Bayralm (Alm), geöffnet täglich von Anfang Juni bis Ende September.
  • Kontakt: nur über die Touristinfo Tegernsee

Die Kreuze in der Langen Au

In der Langen Au, wie die Langenau auch genannt wird, kommen wir noch vor der Langenaualm an zwei Kreuzen vorbei, mit denen es eine besondere Bewandtnis hat. Als erstes fällt uns am Wegesrand das »Schwarze Kreuz« auf. Laut Kreuzinschrift wurde es in Gedenken an einen 1928 von einem Wilderer erschossenen Jäger errichtet. Anderen Überlieferungen nach hatte der Abt vom Kloster Tegernsee in seinem Jagdfieber durch ein Versehen einen seiner Klosterbrüder erschossen. Zum Gedenken an dieses schreckliche Unglück wurde ein Gedenkkreuz aufgestellt. An einem der Jahrestage des Unfalls knieten die Klosterbrüder betend vor dem Kreuz, als plötzlich ein Blitz in das Kreuz einschlug und es pechschwarz färbte. Kurz darauf kommen wir dort, wo rechts der Weg zur Bayrbachalm und Gufferthütte abzweigt, an dem »Steinernen Kreuz« vorbei. Dieses erinnert an eine Tragödie, die sich im Juni 1701 ereignete. Hier erschoss ein Wilderer den Tegernseer Jäger Georg Feller vom Schmidhof in Point.

Informationen kompakt:

  • Dauer: knapp 4 Std.
  • Höhenunterschied: 300 hm
  • Schwierigkeit: leicht (breite, flache Forststraße), für Kinderwagen grundsätzlich geeignet, aber mit 2 Std. ein langer Anstieg

Aus dem Wanderführer „Familienwandern – Bayerische Alpen und Tirol”, erschienen im Rosenheimer Verlagshaus (Amazon: https://amzn.to/2E6I7O9).

Text und Bilder: Reinhard Rolle

Über den Autor

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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