Kultur

Theater Rosenheim spielt „Die Schwedenplag“

Anton Hötzelsperger
Veröffentlicht von Anton Hötzelsperger

Vom 29. Juni bis 4. August läuft im Freilichttheater beim Ludwigsplatz in Rosenheim das Theater „Die Schwedenplag“ mit dem Regisseur Horst Rankl. Das Stück ist ein historisches Spiel aus der Geschichte des churfürstlichen Marktes zu Rosenheim am Inn in der 2. Hälfte des Dreißigjährigen Krieges 1632 – 1648 und wurde von Carl Oskar Renner und Horst Rankl geschrieben. Insgesamt gibt es 11 Vorstellungen, Beginn ist jeweils um 20 Uhr. Karten gibt es im Vorverkauf im Städtischen Museum, Tel. 08031/365-8751.

Vor Spielbeginn jeder Aufführung bietet die Rosenheimer Stadtführerzunft immer eine Führung an. Dabei werden interessante Personen und Gebäude aus der Zeit der Theatergeschichte vorgestellt. Anmeldung über den Kartenverkauf im Städt. Museum. Treffpunkt der Führung ist der Nepomukbrunnen am Max- Josefs-Platz, jeweils 18.45 Uhr am Tag der Aufführung. Unkostenbeitrag 2€ pro Person.

Inhaltsangabe Die Schwedenplag 2018

Vorgeschichte

Am 23. Mai des Jahres 1618 ereignet sich der Fenstersturz zu Prag. Die Auseinandersetzung zwischen den evangelischen Ständen Böhmens und dem katholischen Kaiserreich wird offenkundig. Es ist der Beginn des Dreißigjährigen Krieges. 2018 jährt sich dieses Ereignis zum 400. Mal.

Die Welt gerät aus den Fugen. Ein vorgeschobener Glaubenskrieg bestimmt das Geschehen der folgenden Jahrzehnte. Doch hinter der angeblichen Verteidigung des alten katholischen Glaubens gegen den aufstrebenden Protestantismus verbergen sich Hausmachtpolitik von Kaiser und Fürstentum. Das Eingreifen der Dänen und Schweden in den Verlauf des Krieges beschleunigt dessen Eskalation. Feldherrn wie Tilly, Wallenstein oder Gustav Adolf lassen das Vaterland in grausamen Schlachten in Schutt und Asche versinken. Insbesondere im Norden und Osten des Deutschen Reichs wütet der Krieg in den ersten Jahren unerbittlich. Die nahezu totale Vernichtung Magdeburgs ist ein schreckliches Beispiel.

Mitten im Krieg, am 30.4.1632, wird der bayerische Feldherr Tilly, der die Katholische Liga anführt, in der Schlacht bei Rain am Lech tödlich verwundet und nur ein halbes Jahr später, am 16.11.1632, verliert auch der schwedische König Gustav Adolf in der Schlacht bei Lützen sein Leben.

Nun ziehen die verschiedenen Truppenteile ohne straffe Führung, teils sogar als ungeordnete und zügellose Kriegshorden, durch das Land. Nur Wallenstein führt noch eine geordnete Armee, die er aus eigenen Mitteln bezahlt und dem Kaiser zur Verfügung stellt. Doch Wallensteins Sympathien für das Protestantische, sein unermesslicher Reichtum sowie sein harscher Umgang mit Gleichgesinnten schüren Hass und Neid unter den Fürsten. Selbst Kaiser Ferdinand wird wegen Wallensteins Verhalten mehr und mehr misstrauisch. Wallenstein wird ermordet – letztlich auch mit Billigung des Kaisers. Zu allem Überfluss tritt nun auch Frankreich in die unmittelbaren Kriegshandlungen ein.

Zwar nimmt zu dieser Zeit die Kampftätigkeit ab, doch die Hauptbeschäftigung der Soldateska wird nun das Beutemachen. Die schlechte Verpflegung und der ausbleibende Sold zwingen deshalb die Truppen ständig in neue Gebiete vorzudringen. Und  so verlagert sich das Geschehen in den Süden des Deutschen Reiches und somit auch in unsere oberbayerische Heimat. Es folgt die grausamere und elendere, die unerträglichere Hälfte des Dreißigjährigen Krieges.

Der Verlauf in Rosenheim – Zusammenfassung

So wird in dieser bitterbösen Zeit auch der Markt Rosenheim nicht verschont. Seine Bürgerschaft erlebt große Not und Pein. Nicht nur fremde Soldaten wie Franzosen, Krowoten, Böhmaken oder gar Schweden sind es, die Angst machen, nein, auch die eigenen sind dabei. Hinzu kommen churfürstliche Anordnungen und Befehle aus München, die den Rosenheimern missfallen. Der mehrmalige Abriss der Innbrücke,  der drohende Verlust der Wasserzufuhr oder die ständig hohen Kontributionen bestimmen den Lauf der Marktgeschichte. Kein Wunder, dass die Bürger und Bauern am Inn aufbegehren und nach Recht und Ordnung rufen.

Trotz aller Widrigkeiten lassen sich die Rosenheimer aber nicht entmutigen. Sie kämpfen tapfer gegen die Beschwernisse für ihren Markt und um ihre Rechte. Sie versuchen das Beste aus den andauernden Widerwärtigkeiten zu machen.

Und ein Arzt zeigt große Sympathien für das geschundene Rosenheimer Volk: Es ist der „Medicus für Zergliederung von Leichen, auch für Stein-, Bruch- und Staroperationen“, der doctor medicinae Tobias Geiger. Bemerkenswert ist, dass er sich mit Churfürst Maximilian I. anlegt und darum einer Tortur unterzogen werden soll. Ausgerechnet jener Dr. Geiger, der auch als Leibarzt seiner churfürstlichen Gnaden viele Jahre zuvor ergeben diente.

Auch die unverhofft grassierende Pest kann den Willen zum Überleben nicht beeinträchtigen.  Und dann gibt es die geplagten Ratsherren, die streitbaren Nachbarn, und manch lustige Episode  lenkt ab von den täglichen Nöten und Sorgen, die ein Krieg mit sich bringt. Selbst die Liebe kommt in diesen Zeiten nicht zu kurz.

Und was sonst noch alles geschah, in der zweiten Hälfte des langen Krieges, zeigt das Spiel. Es berichtet, wie sich das Schicksal des Marktes oft gewendet hat im Lauf der Geschichte, so als sei es ein Strohhalm im Sturm der Gezeiten.

Spielzeiten

  Tag    Datum       Spiel Beginn
Freitag 29.06.2018  Premiere 20.00 Uhr
Mittwoch 04.07.2018   2. Spiel 20.00 Uhr
Sonntag 08.07.2018   3. Spiel 20.00 Uhr
Donnerstag 12.07.2018   4. Spiel 20.00 Uhr
Sonntag 22.07.2018   5. Spiel 20.00 Uhr
Mittwoch 25.07.2018   6. Spiel 20.00 Uhr
Freitag 27.07.2018   7. Spiel 20.00 Uhr
Samstag 28.07.2018   8. Spiel 20.00 Uhr
Mittwoch 01.08.2018   9. Spiel 20.00 Uhr
Freitag 03.08.2018 10. Spiel 20.00 Uhr
Samstag 04.08.2018 11. Spiel 20.00 Uhr

Bericht: Horst Rankl
Fotos: Walter Weinzierl aus dem Jahr 1997

Über den Autor

Anton Hötzelsperger

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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