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Tag der offenen Tür beim Ökumenischen Sozialdienst Priental

Seit über einem Jahr hat die Tagespflegestätte in Aschau ihre Türen bereits für ihre ersten Gäste geöffnet, doch erst jetzt ist es coronabedingt möglich, die neu gebaute Einrichtung der Öffentlichkeit zu präsentieren. Der Vorsitzende des Ökumenischen Sozialdienstes Priental (ÖSP) Lorenz Ablinger und Pflegedienstleiterin Melanie Kirchlechner freuen sich, dass der Betrieb im Haus in aller Ruhe anlaufen konnte. Die Zahl der Tagesgäste und das eingesetzte Personal des ÖSP hatten Zeit sich aneinander zu gewöhnen und die notwendigen Arbeitsabläufe zu entwickeln und aufeinander abzustimmen, so dass die besten Voraussetzungen für ein gutes Miteinander entstanden.

Die Tagespflegestätte ist für den Ökumenischen Sozialdienst ein ergänzender Baustein zum bisherigen Angebot und zur weiter bestehenden ambulanten Pflege zu Hause. Das Betreuungsangebot der Tagespflegestätte kann von betreungs-/pflegebedürftigen Menschen im Einzugsgebiet Aschau – Frasdorf – Sachrang – Wildenwart genutzt werden. Frauen und Männer haben von Montag bis Freitag die Möglichkeit in der Tagespflegestätte eine professionelle Betreuung und individuelle Angebote über den ganzen Tag zu genießen.

Beim TAG DER OFFENEN TÜR am Samstag, 16. Oktober können sich die Bürger und Bürgerinnen aus Aschau und der Region von 9.30 Uhr bis 14 Uhr über die Tagespflegeeinrichtung in der Schützenstraße 14 in Aschau informieren.

Nach einer umfangreichen und langen Suche nach einem geeigneten Bauplatz im gesamten Einsatzbereich des ÖSP zwischen Sachrang im Süden, Aschau, Frasdorf und Wildenwart im Norden fand sich das Grundstück an der Schützenstraße in Aschau in unmittelbarer Nachbarschaft der beiden Kindergärten und der künftigen Sporthalle. Auf einem Areal von rund 3200 Quadratmetern entstand eine solitäre Tagespflegestätte, die einzigartig im südöstlichen Landkreis ist.

Rund 320 Quadratmeter umfasst das neue Haus, alle Räumlichkeiten sind barrierefrei zu erreichen. Es gibt keine Schwellen und damit Hindernisse für Rollatoren oder Rollstühle. Über einen Empfangsraum betritt man das Gebäude, von hier geht es weiter in die Räume für die 20 Gäste und das Büro der Mitarbeiterinnen. Die Außentüren sind mit einer Weglaufsicherung versehen. Große helle Räume im Erdgeschoss des Gebäudes laden die Gäste zum Verweilen ein, sei es im Aufenthaltsraum oder in den drei Multifunktionsräumen. Diese drei Zimmer bieten Raum für Vieles, sei es für notwendige Einzelbetreuungen wie Ergotherapie, sei es als Gruppenräume für Gymnastik- und Seniorensportangebote, sei es für Feinmotorik- und Gedächtnisübungen oder sei es ganz einfach als Rückzugsraum für ein Mittagsschläfchen – alles ist hier möglich.

„Wir wollen, dass unseren Gästen ihre Alltagsfähigkeiten möglichst lange erhalten bleiben“, so Melanie Kirchlechner. „Der Tagesablauf wird durch gemeinsame Mahlzeiten, wechselnde Freizeitangebote, Bewegung, kognitives Training, sowie Musik und Angebote für die Sinne strukturiert. Ein eigener Fahrdienst holt die Tagesgäste morgens zuhause ab und bringt sie abends wieder zurück“.

Der Aufenthaltsraum bietet Platz für alle Gäste, dem Besucher fallen sofort die hellen fröhlichen Farben der Tische und Stühle, das große Aquarium und die liebevolle Dekoration auf. Hier treffen sich alle zur Brotzeit, zu Kaffee und Kuchen und zum gemeinsamen Mittagessen, das in der voll ausgestatteten Küche für therapeutisches Kochen in unmittelbarer Nachbarschaft täglich frisch zubereitet wird. Therapeutisches Kochen, das von Betreuungsfachkräften begleitet wird, kann derzeit coronabedingt nicht stattfinden. Ein Pflegebad, eine Pflegedusche und drei Toilettenanlagen sind für die täglichen Bedürfnisse vorgesehen. Das Haus wird mit Gas beheizt; in der Planungs- und Bauphase war eine gemeinsame Heizung mit den Kindertagesstätten und der neuen Sporthalle vorgesehen, entsprechende Anschlüsse werden für eine mögliche Nachrüstung vorgehalten.

Im ersten Stock sind Büroräume für den ÖSP, das notwendige Archiv und ein Aufenthalts- und Ruheraum für das Personal vorhanden. Für nicht ortsansässige Pflegekräfte stehen zwei Mietwohnungen zur Verfügung.

Eine großzügige Veranda schafft den Übergang zwischen dem Aufenthaltraum und dem Garten. Auf rund 3000 Quadratmetern stehen den Gästen viele Beschäftigungsmöglichkeiten zur Verfügung, sei es als Gärtner bei der Betreuung der Hochbeete, bei der Pflege der Streuobstwiese, der Roseninsel und der Ziersträucher oder lediglich als Spaziergänger auf dem Endlosweg und auf dem „Barfuß-Weg der Sinne“: das Gelände bietet die Möglichkeit Natur zu erleben. Der gesamte Bereich ist mit einem Zaun eingefriedet, dieser wird mit Rank- und Kletterpflanzen begrünt und damit ins Gelände eingepasst.

„Die Gesamtkosten für das Vorhaben betrugen rund 1,85 Millionen Euro“, berichtet der Vorsitzende des ÖSP Lorenz Ablinger, „der Verein erhielt dazu 55000 Euro vom Deutschen Hilfswerk für die Innenausstattung und 75000 Euro vom Freistaat Bayern für die demenzsensible Einrichtung. Der Rest von 1,72 Millionen Euro wurde vollständig vom Ökumenischen Sozialdienst Priental aufgebracht. Dazu wurden die Rücklagen des Vereins, bestehend aus Spenden und Zuwendungen der letzten Jahre verwendet, Fremdmittel oder Kredite wurden nicht in Anspruch genommen“.

Seit der Gründung des ÖSP im Jahre 1975 haben es sich die etwa 60 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen zur Aufgabe gemacht, Menschen zu unterstützen, die wegen körperlichen oder geistigen Behinderungen, Krankheiten oder die am Ende ihres Lebens Hilfe und/oder Pflege benötigen.

In Vor-Corona-Zeiten wurden im Jahre 2018 von den Schwestern 85 Personen in häuslicher Krankenpflege versorgt, 13 Patienten mit dementieller Erkrankung fanden in den Memory-Gruppen Abwechslung und Förderung. Untersuchungen deutschlandweit ergaben, dass rund zwei Drittel der Pflegebedürftigen von ihren Angehörigen zuhause betreut werden. Fast jeder fünfte dieser Betreuenden ist ganztags oder in Teilzeit beschäftigt. „Deshalb wollen wir die Angehörigen von pflegebedürftigen Menschen entlasten. Einer drohenden psychischen und/oder physischen Überlastung der Pflegenden kann so entgegen gewirkt werden“, so Melanie Kirchlechner. „Eine stationäre Heimunterbringung verzögert sich oder kann sogar verhindert werden. Neben individueller pflegerischer Hilfe soll ein ganzheitliches Betreuungsangebot vorhandene Interessen und Fähigkeiten erhalten, sowie Fertigkeiten des täglichen Lebens trainieren, um damit die Möglichkeit des Verbleibens in gewohnter häuslicher Umgebung zu sichern. Daneben dienen natürlich Wohlfühl- und Ruhebereiche der Entspannung und Erholung, in der Gruppe erleben die Tagesgäste Geselligkeit und Gemeinschaft und sichern soziale Kontakte“.

„Die Pflegekassen stellen entsprechend dem erteilten Pflegegrad des Patienten ein monatliches Budget für die teilstationäre Pflege zur Verfügung. Um dem Patienten möglichst viele Aufenthalte in unserer Tagessstätte ermöglichen zu können, wollen wir versuchen, die Kosten, die der einzelne Tagesgast selbst zu tragen hat ,so niedrig wie möglich zu halten“, so Lorenz Ablinger.

Bericht und Fotos: Heinrich Rehberg

Über den Autor

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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