Natur & Umwelt

Streuobst 2.0 – eine alte Obstkultur wird neu gedacht

Veröffentlicht von Anton Hötzelsperger

Streuobst ist eine uralte menschliche Obstkulturform. Viele Menschen verbinden Erinnerungen damit. Die Obstwiesen wurden früher vor allem zum Zweck der Obstgewinnung angelegt und gepflegt. Mit unserem heutigen Wissen über die vielen positiven Aspekte von Streuobstwiesen für unsere Umwelt, das Klima, die Biodiversität und die regionale Bio-Obstversorgung wird das Streuobst aber nun neu gedacht. Die Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) veranstaltete am 23.02.2022 die zehnte Bio-Streuobsttagung als Online-Veranstaltung. Mit der Tagung lieferten Streuobst-Experten verschiedener Institutionen und Verbände Anregungen „zum neuen Denken“ für Streuobst und wollen so dieser Obstkulturform für die Zukunft neuen Raum zu geben.

Mit unserem heutigen Wissen über die verschiedenen Nutzungsmöglichkeiten von Streuobst, sollte die Anlage zielgerichtet erfolgen und die Sortenwahl und die Pflegemaßnahmen müssen darauf abgestimmt sein. In der Tagung wurden unterschiedlichste Anlageformen aber auch Möglichkeiten der Kooperation für die Pflege vorgestellt. Große Zustimmung erfuhr die Expertenaussage, dass die Baumqualität, Jungbaumerziehung und -pflege die Basis für langlebige, stabile und ertragreiche Streuobstbestände mit entsprechenden Biodiversitätsleistungen sind. „Neben den gängigen Zielen gibt es auch viele neue Ideen wie zum Beispiel einen Friedhof unter Streuobstbäumen. Eine neue Form der Tafelobstvermarktung von Streuobst ist dagegen `Eva und Adam´ – Streuobstraritäten mit eigenen Sorten-Steckbriefen werden in kleinen Holzkisten und exklusiven Geschenkboxen verkauft. Das Obstparadies Geng hat vorgestellt, wie man völlig ohne Pflanzenschutzmittel erfolgreich Obstbau betreiben kann“, fasst Peter Jungbeck vom LfL-Institut für Agrarökologie und Biologischen Landbau zusammen.

Eine große Hoffnung für den Bayerischen Streuobstbestand ist der Bayerische Streuobstpakt, der am 18. Oktober 2021 von der Bayerischen Staatsregierung und acht Verbänden unterzeichnet wurde. Der Pakt beinhaltet wichtige Weichenstellungen für die Zukunft des Streuobstes in Bayern, daher war er ebenfalls ein Thema der Tagung.

Unter anderem berichteten Cordula John, StMELF, München und Wolfram Güthler, StMUV zum aktuellen Stand des Pakts. Ziel ist, den derzeitigen Streuobstbestand in Bayern von rund fünf bis sechs Millionen Bäumen zu erhalten, sowie zusätzlich bis 2035 eine Million Streuobstbäume neu zu pflanzen. Das umfangreiche Maßnahmenkonzept umfasst auch die Verbesserung der Fördersituation für Streuobst in Bayern. Auch ein Vermarktungskonzept soll kommen: beteiligt am Pakt sind neben Landwirten und Baumschulen auch Obstverarbeiter. Denn die aufwändig zu bewirtschaftenden Streuobstwiesen sollen sich für die Beteiligten auch finanziell lohnen – heimischer Streuobstsaft, Most, Cider, Brand und Streuobst als Tafelobst soll in den Läden und Kantinen vermehrt sichtbar werden.

Weitere Informationen zum Streuobstpakt finden Sie unter:  https://www.stmelf.bayern.de/landwirtschaft/gartenbau/285450/index.php

Eine Zusammenfassung der Tagung erscheint demnächst unter:  https://www.lfl.bayern.de/iab/kulturlandschaft/115019/index.php

Bericht und Foto: Landesanstalt für Landwirtschaft

 

Über den Autor

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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