Landwirtschaft

Sommer-Linde von Munzing musste gefällt werden

Anton Hötzelsperger
Veröffentlicht von Anton Hötzelsperger

Die Marktgemeinde Prien ist um einen landschaftsprägenden Baum und beliebten Treffpunkt entlang von schönen Wanderwegen ärmer. Die 1888 gepflanzte Hof-Linde des Dorfes Munzing musste auf Anordnung des Landratsamtes Rosenheim gefällt werden. Grund war ein größerer Astbruch vor einigen Wochen (wir berichteten), bei dem eine zufällig vorbeireitende Reitergruppe mit viel Glück unverletzt blieb. Die nunmehrige Fällung nahm der Munzinger-Bauer Thomas Mayer in aller Frühe zusammen mit Klaus Aiblinger, einem Bediensteten bei den Bayerischen Staatsforsten vor.

25 Meter hoch war die morsch gewordene Linde. Mit einem Seil in gut 50 Meter Entfernung an einem 70-PS-starken Bulldog wurde der Baum schon vor dem Anschnitt gesichert. Vom Anschnitt genau 15 Minuten dauerte es, bis die Linde zu Boden krachte. „Alles genau nach Plan verlaufen“ – so das frohe Resümee der Holzfacharbeiter und der mit Abstand beobachtenden Familienmitglieder. Wie notwendig die Fällung war, zeigte sich unmittelbar nach der Fällung – die Mitte des Baumes mit 1,95 Meter Durchmesser war total verfault. Beim näheren Bearbeiten stellte Klaus Aiblinger fest, dass auch die größeren Äste in der Mitte verfault waren und damit ein hohes Risiko für den Baumfortbestand darstellten.

Damit bestätigten sich die Feststellungen des Landratsamtes Rosenheim, das im Ergebnis der Untersuchungen Folgendes feststellte: „Der gebrochene Ast war am Ansatz zum Stamm zu 2/3 Durchmesser von einer Weißfäule zersetzt. Am Stammkopf, da wo die Krone ansetzt, sitzt ein etwa 0,4 m großes Fruchtkörpergebilde des sogenannten  Schuppigen Porlings. Dieser stammbürtige holzzersetzende Pilz verursacht simultane Weißfäule und ist schadensursächlich für den Bruch. Die stammnahe Lage dieses Pilzes macht leider jede sinnvolle baumpflegerische Rettungsmaßnahme unmöglich. Ein Bruchversagen weiterer Kronenteile ist jederzeit möglich. Durch die exponierte Lage des Baumes an einer frequentierten Wegkreuzung herrscht Gefahr im Verzug. Es wird deshalb dringend empfohlen, Ihrer Sicherungspflicht nach zu kommen und diese Linde umgehend fällen zu lassen! Eine Ersatzpflanzung im Herbst an derselben Stelle ist möglich, da der schuppige Porling nicht zu den wurzelbürtigen Pilzen zählt.“

 Mit traurigen Augen beobachtete die gesamte Munzinger-Familie die Baum-Fällung, war doch die Linde für die ganze Familie seit Generationen ein markanter Treffpunkt, den  man aus vier Himmelsrichtungen ansteuern konnte. Auch Dr. Herbert Reuther von Prien erinnert sich, dass sein kürzlich verstorbener Vater Dr. Fritz Reuther vor vielen Jahren im Rahmen der Priener Kräuterwanderungen die Munzinger-Linde mit seinen Wandergästen ansteuerte und dass der Platz unter der Linde ein vorzüglicher Platz war, um die heimische Fauna und Flora zu erläutern. Das  Holz der Linde will Bauer Thomas Mayer in erster Linie zu Brennholz verhäckseln, den Stamm wird er vorerst noch im Ganzen lassen. „Lindenholz hat nicht den besten Brennwert, aber es eignet sich bestens zum Schnitzen“, so Thomas Mayer, der sich nach dem Aufräumen des schweren Geästs durch seinen Schwager Wast Summer mit Hilfe eines Rückewagens und vor allem beim Forstarbeiter Klaus Aiblinger für die saubere und sichere Arbeit mit einer Brozeit bedankte. An die Stelle des bisherigen Baumes soll in geringer Entfernung ein neuer Hofbaum vom Munzinger-Bauern gepflanzt werden. Das Wegkreuz, das unterhalb des bisherigen Baumes war, wird wieder aufgestellt werden. Damit wird der Platz auf den Wanderwegen zwischen Zacking, Siggenheim, Atzing und Munzing wieder zu einem einladenden Treffpunkt werden.

Fotos: Hötzelsperger – Eindrücke von der Fällung der kranken Sommer-Linde von Prien-Munzing.

Über den Autor

Anton Hötzelsperger

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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