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Seit zehn Jahren ein Vorbild: Mehrgenerationenhaus Flintsbach

Alle wissen es: der demografische Wandel ist im vollen Gange. Unsere Gesellschaft wird zunehmend älter. Was es da vor allem braucht, sind Möglichkeiten, Senioren und Angehörigen auch in Zukunft ein Leben in friedvollem Miteinander und Würde zu ermöglichen. Doch noch immer fehlt es oft an Unterstützung und Einrichtungen, mit denen dies umgesetzt werden kann.

In Flintsbach ist das anders. Dort ist das Mehrgenerationenhaus eine Vorzeige-Einrichtung, in der bereits seit zehn Jahren Alt und Jung erfolgreich zusammengeführt werden. Stefan Lederwascher, erster Bürgermeister der Gemeinde, sagt: „Mit dem Projekt Mehrgenerationenhaus sind die modernen Vorstellungen einer Symbiose von ambulanter Krankenpflege, Seniorenarbeit, Tagespflege, Seniorensport, Seniorencafé, auch in Verbindung mit Kindergarten und Kinderkrippe, erfolgreich gelungen.“ Besonders freut den Rathauschef, dass das Haus, in dieser Form das erste im Landkreis Rosenheim, für viele andere Gemeinden Vorbild und Grundlage für eigene Planungen ist.

Dabei hätte es auch ganz anders kommen können, damals, 2009, als die ortsansässigen Klosterschwestern ihr Haus, in dem ein Altenheim und ein Kindergarten untergebracht waren, verkaufen wollten. Mit ein Grund für den Verkauf war die Tatsache, dass eine wichtige Person, Kloster- und Krankenschwester Theresia, einen Unfall erlitten hatte und für die Betreuung des Altenheims ausfiel. Es ist dem damaligen Bürgermeister und späterem Landrat Wolfgang Berthaler sowie seinem Mitstreiter Hans Weiß zu verdanken, dass heute anstatt des Mehrgenerationenhauses mit seinem großen Garten nicht eine dichtgedrängte Wohnbebauung steht.

Bei der Jubiläumsfeier in diesem Oktober blickte Hans Weiß dann auch für Wolfgang Berthaler auf diese Zeit zurück, der sein Kommen aus gesundheitlichen Gründen leider kurzfristig absagen musste. „Die Marienschwestern vom Karmel“, sagt Weiß, „finanzieren sich selbst, bekommen keinerlei kirchliche Zuschüsse.“ Verständlich, so Weiß weiter, dass sie darauf angewiesen waren, mit dem Verkauf einen möglichst großen Erlös zu erzielen, um die Zukunft der Gemeinschaft zu sichern. Die Gemeinde wiederum wurde von der Entwicklung zu einem Zeitpunkt erwischt, als man gerade sehr viel Geld für die Bahnunterführungen, eine Bahnbrücke und für die Sanierung der „Alten Post“ ausgegeben hatte. Eigentlich nicht viel Spielraum für Ausgaben, auf der anderen Seite die Tatsache, dass sich finanziell potente Bauträger beim Orden sozusagen die Klinke in die Hand gaben. Ein Glücksfall, dass Hans Weiß das Kloster schon länger unterstützt und beraten hatte und im Orden als Vertrauensperson galt. Er konnte die Provinzoberin dafür gewinnen, auf mögliche Mehreinnahmen zu verzichten, zu Gunsten des Fortbestandes des Hauses als soziale Einrichtung. „Das Ganze“, erzählt Weiß, „stand trotzdem so Spitz auf Knopf, dass wir am Ende doch gescheitert wären, wäre es Bürgermeister Wolfgang Berthaler nicht gelungen, buchstäblich binnen vier Stunden eine Finanzierung auf die Beine zu stellen“.

Doch ohne die Mitarbeitenden wäre das Haus nie so erfolgreich geworden, ergänzt Hans Weiß. Allen voran Monika Kaiser-Fehling, die als geschäftsführende Pflegedienstleitung das Haus mit aus der Taufe hob und viele innovative Ideen umsetzte.

Die zum Festakt als Ehrengast geladene Präsidentin des Bayerischen Landtages, Ilse Aigner, bezeichnete in ihrer Ansprache das Mehrgenerationenhaus „als einen Leuchtturm, der ein warmes Licht gibt, nicht nur für die Gemeinden Flintsbach und Brannenburg. Es ist vielmehr ein Beispielsprojekt, das weit in die Region und darüber hinaus strahlt“. Ein besonderes Glück ist, dass in dem Haus auch das Christliche Sozialwerk Degerndorf-Brannenburg-Flintsbach seine Bleibe gefunden hat. Diese Einrichtung feierte in diesem Jahr bereits ihr 65-jähriges Bestehen: Am ersten Januar 1956 war in Degerndorf vom damaligen Pfarrer Sebastian Aicher ein Hauskrankenpflegeverein gegründet worden aus dem sich das jetzige Sozialwerk als interkommunale Einrichtung entwickelte.

„Sozialwerk und Mehrgenerationenhaus zusammen“, sagte Landtagspräsidentin Aigner, „ermöglichen heute Bürgern aus den Gemeinden Brannenburg und Flintsbach, trotz Pflegebedürftigkeit ein Leben zuhause zu führen und damit ein Leben in Selbstbestimmung. Welche Hilfe und Erleichterung das für die Angehörigen bedeute, kann eigentlich nur der ermessen, der selbst einen Pflegefall zu betreuen hat und für diesen Liebesdienst vierundzwanzig Stunden am Tag eingespannt ist und das Woche für Woche, Jahraus und Jahrein.“

Text: af

Beitrag entstand in Kooperation mit dem Wendelstein Anzeiger – www.wendelstein-anzeiger.de

Über den Autor

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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