Natur & Umwelt

Schafbeweidung als Pflegekonzept in Berchtesgaden

Der Markt Berchtesgaden, die untere Naturschurschutzbehörde am Landratsamt und der Landschaftspflegeverband Biosphärenregion Berchtesgadener Land e.V. haben ein Pflegekonzept für die Grünflächen im Ortsgebiet erarbeitet. Ein Teil des Konzeptes ist die Schafbeweidung auf der Bruderhausleite hinter dem Schülerforschungszentrum.

In diesem Sommer wurde die Bruderhausleite, eine steile Grünfläche hinter dem Schülerforschungszentrum, zum ersten Mal seit Jahren wieder mit Schafen beweidet. Die Fläche ist im Eigentum der Bruderhausstiftung, die das unterhalb gelegene Altenheim betreibt, und wird vom Markt Berchtesgaden betreut. Im letzten Winter ist der Markt auf den Landschaftspflegeverband zugegangen mit dem Ziel, eine ökologische Aufwertung der Fläche zu erreichen. Biodiversitätsberater Henrik Klar vom Landratsamt und Pascal Marin vom Landschaftspflegeverband haben daraufhin ein Beweidungs- und Entwicklungskonzept erstellt. Die Beweidung mit Brillenschafen durch Schäfer Matthias Aschauer wurde vom Markt organisiert.

Schafspelz als Pflanzen-Taxi

In früheren Jahrzehnten gehörten Schafe fast überall zum Landschaftsbild. Insbesondere Grenzertragsflächen, wie trockene Steilhänge, wurden häufig mit den robusten Tieren beweidet. Auf diesen Flächen hat sich eine herausragende Artenvielfalt entwickelt. Durch anhaften von Samen am Schafspelz sind die Schafe auch eine Art „Taxi“ für ausbreitungsschwache Pflanzen, die auf diese Weise verschiedene Flächen erreichen. Aber nicht nur Pflanzen, auch seltene Heuschrecken, Schmetterlinge und zahlreiche andere Insekten profitieren von dieser Art der Nutzung. Aufgrund des hohen Aufwandes und der geringen Wirtschaftlichkeit liegen solche Flächen heute vielfach brach. Stattdessen haben sich Gebüsche und Wälder mit deutlich geringerer Artenvielfalt entwickelt. Im Gegensatz zu Rindern oder Pferden, sind Schafe nicht so wählerisch bei Ihrer Kost. Sie fressen darum Flächen weitgehend vollständig ab, wovon besonders krautige Blühpflanzen profitieren. In den vergangenen Jahren wurde die Bruderhausleite gemulcht: Das heißt, dass das Schnittgut nach der Mahd auf der Fläche belassen wurde. Dadurch bildet sich zunehmend ein dichter „Filz“ aus, der nur von wenigen Pflanzen, vor allem häufige Gräser, durchdrungen werden kann. Eine Mahd mit Abfuhr des Mähgutes wäre auf der steilen und schwer zugänglichen Leite nur unter großem Aufwand möglich. Die Beweidung mit Schafen stellt darum eine einfache und sehr effektive Pflege der Fläche dar, von der die Biodiversität im Ortsgebiet von Berchtesgaden profitiert.

Positives Fazit nach dem ersten Weidesommer

Bereits nach dem ersten Weidesommer konnte eine positive Entwicklung festgestellt werden. Der Streufilz der Vorjahre ist fast verschwunden und krautige Blühpflanzen haben sichtbar zugenommen. Zudem konnten zahlreiche Exemplare der seltenen „Weißen Heideschnecke“, entdeckt werden. In den kommenden Jahren soll gemeinsam mit dem Schülerforschungszentrum die Strukturvielfalt auf der Fläche durch Entwicklung kleiner Gebüsche und Pflanzung von Obstbäumen erhöht werden. So soll die Fläche dauerhaft zu einer Insel der Artenvielfalt im Herzen der Marktgemeinde werden, auf der lebendige Kulturlandschaftspflege sichtbar wird.

Text: Landratsamt Berchtesgaden – Foto: Matthias Aschauer

Bildunterschrift: Die Brillenschafe auf der Bruderhausleite.

Über den Autor

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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