Kirche

Samerberger nehmen Abschied von Sebastian Auer

Anton Hötzelsperger
Veröffentlicht von Anton Hötzelsperger

Im Alter von 95 Jahren verstarb Sebastian Auer (Heisn Wast) aus Staben in der Gemeinde Samerberg. Welch großer Wertschätzung sich der Verstorbene erfreute und wie hoch gerade seine Verdienste für das heimatliche Brauchtum waren zeigten die Nachrufe bei der Trauerfeier, die in der Kirche St. Ägidius und Nikolaus in Grainbach coronabedingt nur im engsten Familienkreis abgehalten werden konnte.

„Dein Humor bleibt unvergessen!“ – mit diesem Satz brachte Diakon Günter Schmitzberger zum Ausdruck, dass Sebastian Auer in seiner geselligen und leutseligen Art über seine Familie sowie über seinen Hof und seine Alm hinaus bekannt und geschätzt war.  „Sein Zusammenstehen mit seiner bereits vor ihm heimgegangenen Frau Maria hat ihn gewiss auch die vielen Schicksalsschläge ertragen lassen, gemeinsam mit allen Angehörigen haben sie das Sterben von drei Töchtern als Babys und einen schweren Unfall von Sohn Wasti im Jahr 1979 ertragen“ – so der Diakon, der noch den tiefen Glauben des Verstorbenen erwähnte und von seinem letzten Besuch erzählte als Sebastian Auer sagte: „Mit dem Herrgott im Rücken ist es immer am Besten“.

Ganze 25 Jahre (1966 bis 1991) war der „Heisn Wast“ Erster Vorstand beim Trachtenverein Hochries-Samerberg in Grainbach. Unter seiner Federführung wurden der 60., 70. Und 80. Vereins-Geburtstag groß gefeiert. Erster Vorstand Peter Sattlberger erinnerte in seinem Nachruf an die außerordentliche trachtlerische Lebensleistung vom Wast,  der sich gleich nach dem Zweiten Weltkrieg als Erster Vorplattler beim Wiederaufbau des Vereins beteiligte und er ergänzte: „Der Wast hatte ein Talent für Unterhaltung und lustige Geselligkeit, über 70 Jahre war er Mitglied bei uns und er war nicht nur bei unserem Verein bei Jung und Alt, sondern auch innerhalb der Gebietsgemeinschaft Simssee und beim Gauverband I geschätzt“. Der Gauverband I ehrte Sebastian Auer gleich mehrmals, einmal mit dem Goldenen Gau-Ehrenzeichen und zweimal mit dem sehr seltenen Gau-Ehren-Krug. Der Trachtenverein Grainbach würdigte Auers Einsatz für Tracht und Heimat mit der raren Ernennung zum Ehren-Vorstand des Vereins. Auch beim Trachtenverein „Almenrausch“ Rossholzen war der Wast Mitglied, für über 40 Jahre Vereinstreue dankte in seinem Nachruf Vorstand Martin Schober. Die Trachtenvereine Grainbach und Roßholzen hielten mit ihren Fahnenabordnungen einen ganzen nachmittag vor der Aussegnungshalle im Grainbacher Friedhof Ehren- und Totenwache, da ein gemeinschaftlicher Kirchgang von den Vereinen mit ihren Mitgliedern nicht möglich war.

Jahrzehntelang großartiger und einzigartiger Theaterspieler

Als in Grainbach nach dem Krieg das Theaterspielen wieder aufkam, da war Sebastian Auer mit dabei. Für die Theatergruppe des Trachtenvereins erinnerte Peter Wiesholzer, der 15 Jahre lang mit Auer gemeinsam  auf der Bühne stand, daran, dass Ende der 40er und Anfang der 50er Jahre bei Wildererstückl im Hampa-Saal bis zu 500 Besucher von Ort waren. „Der Stellenwert des Theaters war groß und der Wast ging mit den Theaterern sogar auf Tournee nach Frasdorf, Aschau und Umgebung“. Wie Wiesholzer weiter informierte, hatte beim Wast in den 70er Jahren der Komödienstadel angefragt, aber die landwirtschaftliche und berufliche Pflicht hatten diesen Wechsel nicht erlaubt. Unvergessen sind seine Auftritte mit spontanen Einsätzen und mit seinem Grundsatz: „A guada Spieler bracht ned so streng nachm Text arbeiten, wichtig is grod, dass de Leut nix gspannan!“.

Michael Irger, Vorstand vom Veteranenverein Törwang-Grainbach, erinnerte daran, dass der Wast im Sommer 1943 mit 18 Jahren in den Krieg musste, dreimal verwundet wurde, dafür das Verwundeten-Abzeichen bekam und trotz eines Granatsplitters, der sein ganzes Leben wirkte, stets ein feiner Kerl und humorvolles Mitglied blieb. Vier Bläser aus den Reihen der Samerberger Musikkapelle spielten ihm zu militärischen Ehren das Lied vom „Guten Kameraden“.

Fotos: Hötzelsperger – 1. Porträt Sebastian Auer – 2. Toten- und Ehrenwache der Trachtenvereine von Grainbach und Rossholzen bei der Aussegnungshalle im Friedhof von Grainbach. 3. Sebastian Auer auch noch im hohen Alter dabei bei Veranstaltungen des Grainbacher Trachtenvereins.

 

 

Über den Autor

Anton Hötzelsperger

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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