Leitartikel

Priener Pfarrkirche hat seit 25 Jahren Woehl-Orgel

Veröffentlicht von Anton Hötzelsperger

25 Jahre nachdem die Priener Pfarrkirche „Maria Himmelfahrt“ eine neue Orgel an Kirchweih erhielt, bekam sie  im Oktober Besuch von Monika Sommer von der Orgelbaufirma Gerald Woehl aus Marburg.  Für Wartungsarbeiten zum Abschluss der diesjährigen aufwendigen Orgelrevision, bei der die Orgel eine neue elektronische Setzeranlage erhielt, kam sie für ein paar Tage nach Prien, um noch Nachjustierungen an der Spieltraktur und Arbeiten an einzelnen Pfeifen auszuführen.  Dabei bekam Frau Sommer auch selbst Besuch von zwei Priener Orgel-Weggefährten: Michael Anner senior und Kirchenmusiker Bartholomäus Prankl – zusammen hielten sie Rückschau auf ein besonderes Kunstwerk in der Priener Pfarrkirche.

Michael Anner, selbst über 50 Jahre Mitglied des Kirchenchores der Pfarrei „Maria Himmelfahrt“, erinnert sich gerne an die Entstehungsgeschichte der Woehl-Orgel, war er doch 1. Vorsitzender des Orgelbau-Fördervereins. „Als damals mit Josef Preis als Pfarrer und mit Rainer Schütz als Kirchenmusiker die Kirchenverwaltung entschied, einen Orgelbau-Förderverein ins Leben zu rufen, da schlug mich Dr. Friedrich von Daumiller von der Kirchenverwaltung als Vorsitzenden vor und plötzlich war ich es auch“ – so Michael Anner, der 1992 bei der Gründung Mitglied des Priener Marktgemeinderates war und der sich weiter wie folgt erinnert: „42 Personen waren gleich zu Beginn Mitglied des Vereins, mein Stellvertreter war Klaus Obermüller, Schatzmeisterin wurde Sonja Kommissari, Hans Schuderer übernahm das Amt des Schriftführers und als Beisitzer machten Pfarrer Josef Preis, Franz Bruckmaier, Johanna Löw, Heiner Sedlmeir und Sepp Linhuber mit“. Für die Realisierung des über 1,2 Millionen D-Mark teuren Projekts war es notwendig, Kräfte und Spendenbereitschaften über Prien und über die Kreise der regelmäßigen Kirchgänger hinaus zu finden. „Als ich am ersten Tag meiner Bitt-Gespräche von der Sparkasse Rosenheim gleich die Zusage für einen ansehnlichen Betrag bekam, wurde mir schon wohler, denn das anspruchsvolle Projekt war ja nicht ganz unumstritten wegen der Kosten. Zur weiteren Aufstockung des Spendenkontos gab der Kirchenchor Konzerte und veranstaltete eine große „Orgel-Sause“, es wurde eine Haussammlung gestartet und es gab viele Einzel-Gespräche. „Letztlich konnte unser Verein 340.000 D-Mark zur Finanzierung beisteuern“ – so Michael Anner, der seinen eigenen 50. Geburtstag im Zeichen der Sammlung stellte und dabei 10.000 D-Mark beisteuern konnte.

Organist Prankl: „Priener Kirchenorgel inspirierte mich schon damals“

„Ohne diese faszinierende Orgel in Prien wäre ich vielleicht  kein Organist und kein Berufskirchenmusiker geworden“ – mit diesen Worten erinnert sich Bartholomäus Prankl an die Zeit als er an der Woehl-Orgel seinen ersten Unterricht erhielt und mit 14 Jahren seinen ersten Gottesdienst spielte  und er fügt hinzu: „Das Besondere der großen Orgel mit 50 Registern ist ihre enorme Vielseitigkeit und die klangliche Qualität der Stimmen im relativ kleinen historischen Gehäuse von 1738 – kein Register ist zu viel und keines ist zu wenig. Praktisch jede Stilistik ist darstellbar und die Orgel inspiriert in besonderem Maße auch zur Improvisation.“  Diesem Lob stimmt Monika Sommer zu, auch sie würdigt die Qualität der Orgel in der Kombination bei der Betrachtung der engen Platzverhältnisse. „Jeder Millimeter war überlegt und ist genutzt, der Auf- und Einbau war eine enorme Herausforderung, aber führte letztlich zu einem einzigartigen und handwerklich gelungenen Kunstwerk“ – so die Orgelbauerin. Michael Anner bestätigt dies durch seine Erfahrungen als Sänger und er schwärmt: „Habe viele Kirchen und Orgeln kennengelernt sowie vielen kirchenmusikalischen Veranstaltungen beigewohnt, die Priener Orgel ist für mich die Schönste, unter anderem auch wegen der weichen Töne. Das bestätigen auch Orgel-Sachverständige sowie die Tatsache, dass renommierte Orgelspieler gerne nach Prien kommen“.

„Orgel ist Königin der Instrumente zur Ehre Gottes“

Zu den Erinnerungen an den Bau, an die Finanzierung und an die Einweihung der Woehl-Orgel 1995 gehört auch, dass damals das barocke Gehäuse von Jakob Thalmayr aus Weisham in gekonnter Weise renoviert und die ursprüngliche Farbigkeit von 1738 wiederhergestellt wurde. Die Einweihung erfolgte durch Weihbischof Franz Schwarzenböck, er lobte dabei die Personen, die das ganze Jahr hindurch mit der Kirchenmusik zum Lob Gottes anstimmen. Für Pfarrer Josef Preis, der 1988 den Dienst als Pfarrer in Prien antrat  ist eine Orgel die Königin unter den Instrumenten – und doch nur Dienerin vor Gott, er schrieb in der damaligen Festschrift: „Möge die neue Orgel vielen Menschen das Herz erfreuen und ihnen ein Weg zu Innerlichkeit und Gottesbegegnung sein“. Starke Unterstützung erhielt die Pfarrgemeinde damals von der politischen Gemeinde und vom damaligen Bürgermeister Lorenz Kollmannsberger, er bezeichnete die Einweihung der neuen Orgel als einen Freudentag für die gesamte Marktgemeinde und auch als ein historisches Ereignis. Kirchenpfleger war damals Sepp Stöttner, er hielt in der genannten Festschrift fest: „Schon in den Jahren 1983/1984 war der Tenor: wir brauchen eine neue Orgel. Die Pfarrkirche war aber in dieser Zeit eine durchgehende Baustelle. Dacheindeckung Presbyterium, Außenanstrich, Deckengemälde, Innenrestaurierung, Emporen-Unterbau sowie Kirchenheizung und Pflaster – all diese Arbeiten standen an. Nach vielen Gutachten und Besichtigungen entschloss sich die Kirchenverwaltung 1991 für einen Neubau. Besichtigungsfahrten führten unter anderem zum Orgelbauer Woehl nach Marburg, nach Vaduz und nach Friedrichshafen“. Der Kirchenverwaltung gehörten damals an: Vorstand Pfarrer Josef Preis, Kirchenpfleger Sepp Stöttner, Dr. Fritz von Daumiller, Franz Kopp, Franz Moritz, Klaus Obermüller, Andreas Grutsch, Kaspar Steindlmüller, Ferdinand Thoma und Leonhard Summerer. Der damalige Kirchenmusiker Rainer Schütz beschrieb seine Dankbarkeit in der Festschrift wie folgt: „Ich freue mich, dass unsere neue Orgel mit dem Herrlichen unserer Pfarrkirche eine so vollkommene Einheit bildet, sowohl in optischer als auch in klanglicher Hinsicht. Ich wünsche, dass die neue Orgel über Generationen hinweg zum Lob Gottes und zur Freude der Menschen erklingt. Vielleicht kann sie auch Menschen, die nicht so sehr in der Kirche verwurzelt sind, zu einem Besuch und zum Verweilen in unserer Pfarrkirche bewegen“. Rainer Schütz, der 1982 nach Prien kam, weiß auch zu berichten, dass die neue Priener Orgel zeitweise für Studenten der Musikhochschule bei der Universität Mozarteum in Salzburg als Examen-Instrument Verwendung fand, was die überregionale Bedeutung der Orgel zeigte.

Jubiläums-Jahr von Corona-Beschränkungen betroffen

Aufgrund der Corona-Pandemie können die Priener Kirchenmusiktage, die normalerweise alle zwei Jahre stattfinden und heuer unter dem Motto „25 Jahre Woehl-Orgel Prien“ gestanden hätten, nicht durchgeführt werden und wurden auf 2021 verschoben. Aufgrund des staatlichen-Veeranstaltungsverbots im November mussten auch die beiden Konzerte mit „Chor- und Orgelmusik von der Gregorianik bis zur Gegenwart“ sowie alle Orgelführungen kurzfristig abgesagt werden. Die Veranstaltungen werden zu einem späteren Zeitpunkt nachgeholt. Aktuelle Informationen finden sich im Internet unter: www.kirchenmusik-prien.de

Foto/s: Hötzelsperger – 1. Von links:  Michael Anner – Monika Sommer – Bartholomäus Prankl

 

Über den Autor

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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