Kultur

Prien: Keramikkünstler Nikolaus Steindlmüller

Veröffentlicht von Anton Hötzelsperger

Keramikkünstler Nikolaus Steindlmüller – ein Beitrag vom Kulturförderverein Prien a. Chiemsee:  –  Seit seiner 1. Japanreise Mitte der 80er brennt unser Mitglied Nikolaus Steindlmüller seine Keramik in einem holzgefeuerten Brennofen (s. Dokumentation). Einige USA-Konferenzen später hat er vor 10 Jahren einen neuen Ofen gebaut und verfolgt mit bestimmten Naturtonen, Mineralien und klassischen Glasuren/ Engoben durch die Brandführung eine vielschichtige Farbpalette, durchaus ähnlich wie in der Malerei, nur eben anders. Das brachte ihm neben der Aufnahme in die Académie Internationale de la Céramique in Genf, die Teilnahme am Dannerpreis und Ausstellung in der Pinakothek der Moderne in München, die persönliche Einladung zur Teilnahme der Ausstellung in der Galerie Handwerk zum „Immateriellen Kulturerbe Bayerns“.

Dazu berichtet der Künstler selbst   –  Der Fokus meiner holzgefeuerten Keramik hat viele Aspekte.

Sehr großen Wert lege ich auf die besondere Qualität des Tones bzw. der Tonmasse aus möglichst natürlichen Tonsorten, die ich mit Analysen und Recherche vor Ort seit Mitte der 90er-Jahre ausgesucht habe. Ich verwende gerne unbearbeitete („unprocessed“) Tone oder vermenge mehrere Sorten mit Zusätzen und Mineralien für die Masse, je nachdem welches Ergebnis der Brand an Ascheanflug (bzw. yakishime, hidasuki) bringen soll. Für die Auswahl an Ton-sorten habe ich dazu eine Massestruktur entwickelt, was ich für entscheidend halte, da sie sowohl bei der Herstellung der Masse und der Form sowie die Erscheinungsweise durch die gezielte Platzierung im Brennofen bewirken. Keramik kann man technisch auch in anderen Öfen (Gas) brennen, aber das Erscheinungsbild aus dem Anagama ist – wenn man so will – doch (Technik, Philosophie) ganz anders, das ist es auch, was mich immer wieder begeistert. Mir geht es dabei um eine eigene Farbpalette durch stimmige, tiefe oder helle Farbtöne der Masse und Glasuren/Engoben, viele Rottöne durch Eisen, schwarz-grau durch Asche und Reduktion, oliv-ocker bis schwarz-grün durch Ascheanflug, oder weiß bis grau in vielen Nuancen gefärbte Glasuren und Engoben, gelegentlich celadon bis rot (shino, hagi, nuka etc., Ton- und Mineralmischungen), durchaus ähnlich wie in der Malerei, nur eben anders. Der Aufwand für einen Brand ist enorm, vor allem zeitlich, gerade mit dem Einräumen der Stücke, was sich mühelos über Wochen hinziehen kann. Ich nehme mir dazu genug Zeit und entscheide erst dabei, was wie gebrannt, glasiert und engobiert werden soll. Mitte der 80-er hatte ich mir aus Japan die Idee eines Brennofens aus bizen (Imbe) mitgebracht, sieht sehr gut aus, hatte sich aber gut 10 Jahr später als problematisch erwiesen. Das Brennen mit Holz musste ich erst erlernen, das Heizen erwies sich als recht kompliziert, die Ausbeute war unzureichend. Heute weiß ich, dieser Ofen müsste mindestens doppelt so groß sein. Am Ende kam ich zu der Überlegung, dass dieser Ofen für meine Keramik letztlich nicht die richtige Wahl ist.

Seit Mitte der 90-er habe ich mehrere USA-Konferenzen und in der Folge namhafte Kollegen in USA besucht und angeschrieben, um mich wegen eines neuen Ofens auszutauschen. Daraus hatte ich mich zu einem neuen Brennofen entschieden, die Frage war nur, ob es ein Train Kiln oder ein Anagama wird. Ich habe mich für letzteres entschieden. Auf einem Reißbrett in der Werkstatt hatte ich div. Längs- und Querschnitte skizziert, mir cos-Kurven zeichnen (CAD) lassen, alle technische Literatur, auch Furutanis Lehrbuch (amer. Übersetzung) gelesen. Den alten Ofen hatte ich nach 25 Jahren abgetragen, alle Steine geputzt und damit den neuen Ofen ab 2015 eigenhändig fertig gestellt. Das hat sich mit dem viel einfacheren Innenraum bestens bewährt, wenn sich auch ständig neue Aufgaben stellen. Von der letzten Japanreise habe ich mir noch japanische Tonsorten (Shigaraki, Bizen, Hagi, Karatsu, Tokoname) mitgebracht und im letzten Brand mitgebrannt, die in dem neuen Ofen tatsächlich sehr gut wurden, diese Tone sind doch eine etwas andere Welt. Damit bin ich gefühlt über dem Berg, die sportlich-kulturelle Verortung mit internationalen Kollegen ist erarbeitet. Sehr erfreulich ist der aktuelle Erfolg, Aufnahme in die Academie Internationale de la Ceramique in Genf, Teilnahme am Dannerpreis und Ausstellung in der Pinakothek der Moderne in München und die persönliche Einladung zur Teilnahme der Ausstellung in der Galerie Handwerk zum „Immateriellen Kulturerbe Bayerns“.

Bericht und Foto: Kulturförderverein Prien / Künstler Nikolaus Steindlmüller

 

 

Über den Autor

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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