Brauchtum

Preisverleihung zu Dialektpflege in Bayern

Wia ma da Schnab´l g´wachs´n is  – Der Dialekt in Bayern ist vom Aussterben bedroht! So der gemeinsame Tenor bei der Jahrestagung des Sachgebiets Brauchtum, Laienspiel und Mundart vom Bayerischen Trachtenverband. Zur Tagung im Februar 2019, die in Laufen stattfand, war auch die Jugendvorstandschaft der Bayerischen Trachtenjugend geladen.

Gemeinsam diskutierte man über die Erhaltung des bayerischen Dialekts und stellte schnell fest, dass vor allem auch bei der Jugend und in den Schulen die Dialektsprecher stark abnehmen. Schnell war man sich einig, Schülerinnen und Schüler sowie die Lehrkräfte in Bayern für die Liebe zum Dialekt zu motivieren. Man fasste den Entschluss, einen bayernweiten Mundartwettbewerb unter dem Motto „Wia ma da Schnab´l g´wachs´n is“ auszuschreiben. Für die Teilnahme sollten alle Schularten in Bayern angesprochen werden. Die Aufgaben der Ausschreibung sollte das Sachgebiet Brauchtum, Laienspiel und Mundart übernehmen und die Bayerische Trachtenjugend erklärte sich bereit, weitere Bündnispartner zu suchen sowie den Kontakt mit dem Kultusministerium herzustellen. Als Partner im Wertebündnis Bayern engagierte sich die Bayerische Trachtenjugend schon mehrfach im Projekt MundARTWERTvoll mit dem Bayernbund. Keine Frage also, dass auch hier die Kontakte erneut geknüpft wurden. Ebenso positiv war die Resonanz im Kultusministerium. Nach einem persönlichen Termin unseres Landesjugendvertreters war auch dort die Zusammenarbeit besiegelt. Die Ausschreibung konnte dank dieser Zusammenarbeit schnell und unkompliziert an alle Schulen verteilt werden.

So begann das Projekt mit dem Beginn des Schuljahres 2019/2020.

Für die Schülerinnen und Schüler gab es keine Einschränkungen was die Kreativität oder den Inhalt betraf. Jeder konnte sich so vielfältig wie möglich mit dem Thema Dialekt befassen. Lediglich Rahmenbedingungen und Umfang wurden vorgegeben. Die Einsendungen sollten dann bis zu den Osterferien 2020 erfolgen. Leider kam jedoch mit der Corona Pandemie eine völlig neue und unerwartete Herausforderung dazu. Aufgrund der Situation konnten viele Schulen ihre Projekte nicht rechtzeitig fertig stellen und baten daher um Aufschub.

Nach Gesprächen zwischen den Partnern war man sich einig, all denen, die schon Arbeit in ihr Projekt gesteckt hatten auch die Chance zu geben, teilzunehmen. So wurde der Projektzeitraum kurzerhand bis zum 31. Dezember 2020 verlängert. Pünktlich zu diesem Termin konnten dann von der Geschäftsstelle der Bayerischen Trachtenjugend in Holzhausen zahlreiche Einsendungen in Empfang genommen werden. Es lag eigentlich dann nur noch an der Sichtung und Prämierung der Projekte, was sich dann allerdings als die größte Herausforderung herausstellte. Durch die stetig anhaltende Pandemie-Situation war es den Projektpartnern unmöglich, ein Treffen zu vereinbaren, um die Preisträger zu küren. Erst als sich im Mai die Situation besserte, konnte ein Treffen der Jury zur Bewertung der Einreichungen organisiert werden.

Gemeinsam mit Marianne Heidenthaler vom Sachgebiet Brauchtum, Laienspiel und Mundart, Ingrid Ritt von der Stiftung Wertebündnis Bayern und der Landesjugendvorstandschaft des Bayerischen Trachtenverbandes wurden viele Stunden investiert, um unter den hervorragenden Beiträgen die Besten zu ermitteln. Rechtzeitig vor dem Schuljahresende 2020/2021 konnten somit endlich die Preisträger informiert werden.

Die 2.Klasse der Grundschule in Konzell konnte sich somit mit ihrem Beitrag mein Bayerisches Lieblingswort und dem umgedichteten Lied „Was brauch ma mia in unsra Konzella Schui“ – angelehnt an das Lied „Was braucht ma auf an Dorf“ über einen Aufenthalt von 2 Tagen mit Freizeitprogramm im Jugendbildungshaus der Bayerischen Trachtenjugend in Holzhausen freuen.

Den 2.Platz belegte die 7.Jahrgangsstufe des Ernst-Mach-Gymnasiums Haar mit einem Sagenbuch. Ein gebundenes Exemplar von Sagen zu „der Gorillaberg“, „der Teufelsritt“ oder „der Isarriss“ und einigen mehr. Die Sagen wurden im Anschluss an das Schriftstück auch als Text im Dialekt eingesprochen. Besonders hervorzuheben ist hier, dass nicht alle Schülerinnen und Schüler aus Bayern kamen. So ist es dazu gekommen, dass eine Sage in plattdeutsch und steirisch vertont wurde. Die 7.Klasse kann sich nun im nächsten Jahr auf einen Aufenthalt in Holzhausen über 3 Tage erfreuen.

Der beste Beitrag kam dann aus der Gregor-von-Scherr-Realschule, Staatliche Realschule in Neunburg vorm Wald. Dort waren sich die Schülerinnen und Schüler der 9d beim Bearbeiten Goethes Erlkönig sicher, dass ein Bayer das ganz anders sehen würde. Kurzerhand entstand dann der Gedanke, Goethes Erlkönig aus Sicht eines Oberpfälzers zu schaffen. In zahlreichen Deutschstunden wurde das Gedicht umgeschrieben und im Anschluss daran eingesprochen. Ebenso wurden 3-dimensionale Bilder zum Gedicht im Kunstunterricht erstellt, welche schon Anklang in einer Kunstausstellung in Neunburg vorm Wald gefunden haben. Die Klasse hat sich somit ihren Aufenthalt bei der Trachtenjugend in Holzhausen über eine ganze Woche erstklassig verdient.

Neben diesen 3 Hauptpreisen stand aber für die Jury noch fest, dass es kurzerhand 2 Sonderpreise geben soll.

So kann sich nun die Cäcilien-Förderschule aus Fürstenfeldbruck über einen der beiden Sonderpreise freuen. Mit ihrem Beitrag haben die Kinder mit Förderbedarf Sprache wichtige Personen ihrer Schule zu bayerischen Wörtern befragt und daraus einen hervorragenden Radiobeitrag geschnitten. Die Klasse wird dafür mit einem Ausflug belohnt.

Den 2. Sonderpreis sicherten sich drei Mädchen aus der Berufsschule Miesbach. Veronika Ettenreich und Theresa Gailler reichten ein Heimatgedicht über den Tegernsee und Lea Kaffl ein Lied „Wia as leben so is…“ ein. Eine besondere Verbundenheit zur Heimat und zur Tradition in ausgesprochen tiefer Auseinandersetzung mit der Mundart überzeugte die Jury zu Verleihung des zweiten Sonderpreises. Die drei Mädchen dürfen sich über einen Einkaufsgutschein über jeweils 50 € erfreuen.

Wir danken allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern, allen Lehrkräften und Schulen, allen Unterstützern und allen am Wettbewerb Beteiligten für die spürbar große Begeisterung beim Wettbewerb Nestgeflüster.

Bericht und Fotos: Armin Schmid, Bayerische Trachtenjugend

Über den Autor

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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