Kirche

Predigt von Kardinal Reinhard Marx beim Bennofest

Anton Hötzelsperger
Veröffentlicht von Anton Hötzelsperger

Kardinal Reinhard Marx hat Christinnen und Christen dazu aufgerufen, ein „glaubwürdiges Zeugnis für die Kraft des Evangeliums“ abzulegen. Es sei der Auftrag der Kirche, durch ihr Zeugnis eine „Einladung an alle Menschen“ auszusprechen, sagte der Erzbischof von München und Freising in seiner Predigt beim Festgottesdienst zum Bennofest am Sonntag, 16. Juni, im Münchner Liebfrauendom. Zwar könnten Entwicklungen in der Gesellschaft wie „Säkularisierung, Individualismus und Egoismus“ dazu beitragen, dass „Menschen die Einladung nicht annehmen“, so der Kardinal. Doch es gehe nicht darum, die „Gründe bei anderen zu suchen“, so Marx. „Ändern können wir nur uns selbst.“

Die Kirche habe „im eigenen Haus Vieles zu tun“, erklärte der Kardinal. Den aktuellen Herausforderungen und Problemen gelte es sich zu stellen. Darüber hinaus müsse jede und jeder bei sich selbst nach Veränderungsmöglichkeiten suchen und den Glauben mit der Überzeugung verkünden, dass er „etwas Großes, Glanzvolles, etwas Schönes ist, etwas, das das Leben bereichert“. Die Kirche solle mit Werten wie „tolle Leute, inspirierende Gemeinschaft, große Botschaft“ in Verbindung gebracht werden und auf diese Weise zum Mitmachen einladen. Beim Bennofest werde in diesem Jahr der Blick besonders auf Zeuginnen und Zeugen gelenkt, die im Erzbistum gewirkt haben und wirken. Dies seien Märtyrer, Heilige, Selige, aber auch „viele Unbekannte, die wir kennen aus unserer Familiengeschichte, aus unserer Nachbarschaft, aus unseren Orten“, sagte der Erzbischof.

Der Kardinal erinnerte an das Wort Jesu aus dem Johannesevangelium „Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater außer durch mich“. Niemand käme zum „endgültigen Ziel des Lebens“ außer durch Jesus, so Marx. So wie Jesus immer wieder gefragt habe, „was willst du, was ich für dich tun kann?“, müsse die Kirche immer wieder fragen, „was ist das, was die Menschen erbitten?“. Die Frage sei nicht, was die Kirche den Menschen geben wolle, wie sie reagieren könne. Vielmehr gehe es darum, herauszufinden, was die Menschen wirklich suchten, wonach sie sich sehnten. Das Vorbild dabei sei Jesus, sagte der Kardinal. Denn: „Seine Pädagogik, seine Pastoral ist auch heute absolut aktuell und die Leitschnur unseres Handelns.“ Wenn die Kirche als Gemeinschaft immer wieder versuche, sich auf diese Weise an Jesus zu orientieren, dann „wird auch in Jahrhunderten in dieser Stadt an dieser Stelle das Evangelium verkündet – mit wie vielen auch immer, wie auch immer“, so der Kardinal. „Aber es wird weitergehen.“

Unter dem Motto „Schlüssel – Momente – Erleben“ waren die Besucher des Bennofests am Samstag, 15. Juni, und Sonntag, 16. Juni, eingeladen, rund um den Münchner Liebfrauendom und in der gesamten Stadt Schlüsselmomente im Leben des Heiligen Benno und anderer bedeutender Persönlichkeiten zu entdecken. Zu den weit über die Landeshauptstadt hinaus bekannten Münchner Persönlichkeiten, deren Wirken es beim Bennofest zu entdecken galt, zählen neben dem Heiligen Benno auch der 1987 selig gesprochene NS-Widerstandskämpfer Pater Rupert Mayer, die Selige Maria Theresia von Jesus Gerhardinger, Gründerin der Armen Schulschwestern, und Maria Ward, Gründerin des Ordens Congregatio Jesu, bekannt auch als Maria-Ward-Schwestern. Kirchliches und gesellschaftliches Engagement in der Stadt präsentierten außerdem zahlreiche kirchliche Vereine, Verbände, Organisationen sowie Ordensgemeinschaften und Pfarreien, die sich an Ständen rund um den Dom vorstellten.

Der Gedenktag des Heiligen Benno ist der 16. Juni, sein Todestag. Als Bischof von Meißen förderte der Heilige im elften Jahrhundert die Mission und bemühte sich um Vermittlung in den Konflikten seiner Zeit. Im Zuge des Investiturstreites vertrieb Kaiser Heinrich IV. Benno von seinem Bischofsstuhl und setzte einen Gegenbischof ein. Um diese Begebenheit rankt sich eine bekannte Legende: Demnach warf Benno beim Verlassen der Stadt die Domschlüssel in die Elbe; als er Jahre später nach Meißen zurückkehrte und man ihm zur Begrüßung einen Fisch servierte, fand er die Schlüssel im Bauch des Tiers wieder. Deshalb wird der Heilige meist als Bischof mit Fisch und Schlüssel dargestellt. Schon bald nach seinem Tod am 16. Juni 1106 wurde dem ehemaligen Bischof eine große Verehrung entgegengebracht, 1523 wurde er durch Papst Hadrian VI. heiliggesprochen. In den Wirren der Reformationszeit übergab 1576 der letzte katholische Bischof des alten Bistums Meißen die Reliquien des Heiligen an Herzog Albrecht V. von Bayern. Seit 1580 befinden sich die Reliquien im Münchner Liebfrauendom. So wurde aus dem sächsischen Bischof ein „bayerischer“ Heiliger. Besonders die Stadt München verehrt ihn bis heute als ihren Patron. Auch das 1921 wieder errichtete katholische Bistum Dresden-Meißen hat sich unter Bennos Schutz gestellt. (ct)

Bericht: Erzbischöfliches Ordinariat

Foto: Hötzelsperger

 

 

 

 

Über den Autor

Anton Hötzelsperger

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

Schreibe einen Kommentar

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

Beiträge und Fotos sind urheberrechtlich geschützt!