Kirche

Predigt im Wortlaut vom Gaufest in Bad Feilnbach

Pfarrer Ernst Kögler vom Katholischen Pfarramt Herz Jesu hat für die Leser der Samerberger Nachrichten seine Predigt vom Gaufest des Gauverbandes I in Bad Feilnbach im Wortlaut zur Verfügung gestellt.

Einführung in Festgottesdienst:

Zu Tausenden seid’s Ihr heute zum Gaufest gekommen, dem 127. seiner Art, die Trachtler aus dem Gauverband I. Das ist eine Ehre und eine Freude für uns Feilnbecker.  Wir beginnen diesen großen Tag und diese Woche miteinander mit der festlichen Meßfeier, denn: An Gottes Segen ist alles gelegen.

Oder wie es auf der Vereinsfahne der d’Jenbachtaler von 1961 heißt:  „Mög‘ uns Gottes weises Walten / Heimat, Tracht‘ und Sitt erhalten“!

Der Glaube an Christus verbindet uns über alle Grenzen von Ortschaften, Völkern und Sprachen hinweg – und nicht nur Trachtler sind heute hier, damit wir alle miteinander  Gott die Ehre geben  und Gott um seinen Schutz und Segen bitten.

Ein Dank an unsere Feilnbecker Musikkapelle, die die „Feilnbacher Jubiläumsmesse“  von Alois Schmid spielt.

Nun wollen wir einen Moment stille halten. – Wir bitten Gott um Vergebung

Die Predigt:

Liebe Trachtler aus dem Gauverband I !
Liebe Schwestern und Brüder im Herrn!

Der Sämann, von dem Jesus erzählt hat, ist er selber. Er sät den Samen des Wortes Gottes aus. Es ist guter Samen. Wir können auch sagen:  Jesus selber ist dieser Same, der auf die Erde herabkommt und stirbt, um reiche Frucht zu bringen: 30fach, 60fach oder 100fach.

Aber das hängt auch von der Bodenbeschaffenheit ab, also von uns. Und die Qualität des Bodens, sagt Jesus, ist bei uns Menschen durchaus verschieden. Wollen wir steiniger Boden sein für den Samen des Wortes Gottes oder Boden, der reiche Frucht trägt?!

Guten Samen säen, das wollen wir allerdings alle. Als Priester soll ich die Wahrheit, die Liebe und das Licht Christi in die Herzen aussäen. Und Sie alle wollen guten Samen aussäen in den Lebenskreisen, die Sie um sich ziehen: in Ihren Trachtenvereinen, in Ihren Pfarreien, in Ihren Familien, in Ihrem Beruf.

Und mich persönlich macht es immer wieder stolz und es erfüllt mich mit tiefer Freude, glaubt’s ma’s, wenn ich unsere Trachtenvereine, aber auch andere Vereine sehe – und die guten Samen, die da (manchmal auch mit Mühen, jedenfalls immer mit Herzblut) ausgesät werden – quer durch alle Generationen, jung und alt, groß und klein.  Die Kinder und jungen Leute können hier gut heranwachsen und zu stabilen Persönlichkeiten werden, die unser Gemeinschaftsgefüge auch weiterhin tragen:  treu der Heimat,  treu dem guten alten Brauch, wie es bei Euch heißt.

Es ist ein Glück, eure Familien zu sehen. Sie sind das Rückgrat eurer Trachtenvereine.  Meine Leit hier wissen, wie sehr mir das am Herzen liegt.

Doch werden auf den Acker und den Boden dieser Erde auch andere Samen gesät als jene unseres Sämanns. Auch sie werden heranwachsen und Früchte tragen.

Ein Beispiel, es liegt nicht fern: An jenem denkwürdigen Freitag, dem 30. Juni, hat der Bundestag gerade noch in seiner letzten Sitzung gleich drei hochproblematische Gesetze verabschiedet (die letzten beiden – weniger bekannt – im Windschatten des ersten).  Das gibt doch sehr zu denken. Sie betreffen uns alle, sei‘s als Christen, sei’s als Staatsbürger. Vor allem das bekannteste, jenes erste Gesetz, welches gemeinhin als „Ehe für Alle“ verhandelt wird.

Und „Ehe für alle“ meint halt wirklich auch Ehe für Alle.  Wer A sagt, wird auch B sagen.  Die nächsten Schritte liegen ja schon in der Schublade!  Mit welchen Argumenten auch wollte ich jetzt noch etwa einer Dreier- oder Vierer-Konstellation, welche die Werte von Verläßlichkeit und Treue leben will, die „Ehe“ noch verweigern?  Mit welchem Recht öffnen und liberalisieren wir nur für die einen, aber nicht auch für die anderen?

Und wenn schon Ehe, dann muß ich auch eigene Kinder zugestehen. Damit stehen als nächstes etwa die Themen Fremdbesamung, Eizellspende und Leihmutterschaft an. – Mit all dem Leid im Schlepptau, das ja jetzt schon aufbricht …

Ist das alles kein Thema für die Trachtenverbände?

Menschen leben heute sehr verschieden zusammen. – Aber Familie entsteht durch die Verbindung von Mann und Frau und so können sich Kinder einstellen. Das zeigt doch ein unverstellter Blick auf die Natur des Menschen. – Das ist nicht Homophobie, sondern Biologie. Das ist nicht Diskriminierung, sondern Natur. – In der Menschenrechtserklärung der Vereinten Nationen von 1948  ist davon noch die Rede. Vater und Mutter bilden mit ihren Kindern eine Familie und damit die Keimzelle der Gesellschaft. Übrigens: Die Kinder gehören zu den Eltern – und nicht dem Staat.

Zwei bekannte, homosexuell lebende italienische Modeschöpfer trauten sich das auszusprechen:  Natürlich besteht Familie aus Vater und Mutter und deren Kinder; sie selber gäbe es sonst nämlich gar nicht.

Daß durch die Ehe für alle niemand etwas verliert, sondern alle gewinnen, scheint mir nur recht vordergründig zu stimmen. Genommen wird uns u.a. – und das ist nicht wenig! –  die Selbstverständlichkeit der natürlichen Familie (was auch erklärtes Ziel ist).

 

Auffällig auch: Wie rasch wurde die Gelegenheit genutzt und die „Ehe für Alle“ verabschiedet.  Seit 15 Jahren warten die Familien (also die übergroße Mehrheit der Bevölkerung) auf die Umsetzung eines Urteils des Bundesverfassungsgerichtes zur Familiengerechtigkeit?

Warum so lange?  Ist das Gerechtigkeit? – Haben Sie sich dagegen zur Wehr gesetzt?  Oder sind Sie einem Familienbund beigetreten?  Denn auch Familie braucht heute Lobby.

Ist das ein Thema für Ihre Trachtenverbände?

PP Franziskus spricht immer wieder davon, daß Ehe & Familie ein Kampffeld geworden sind.   „Seid nüchtern und wachsam!“, sagt der Apostel.

Darum meine Frage:  Kennen Sie Gender Mainstreaming?  Dem liegt eine neue Ideologie zugrunde, in der es nicht, wie vorgetäuscht oder verharmlost wird, im Kern um Gleichberechtigung geht, sondern unter der Hand um etwas ganz anderes:  Danach können Buben genauso gut auch als Mädchen aufwachsen und umgekehrt. Somit würde da zwischen Mann und Frau alles fließend und in Kombination entstünden dann sogar nicht nur zwei, sondern eine bunte Vielfalt an Geschlechtern.

In anderen Bundesländern müssen sich die Schulkinder schon intensiv mit all dem befassen, nicht zuletzt im Sexualkundeunterricht,  und sich daran gewöhnen. Manche Eltern würden ihre Kinder da lieber aus der Schule nehmen, wenn sie denn könnten.

Aber Gender Mainstreaming ist schon lange als Querschnittsaufgabe in der UNO, in der EU und auch in der Bundesregierung verpflichtend!  Gender, nicht Familie.   Das kostet übrigens auch viel Geld. …

Und wer sich intensiver mit der eigentlichen Gender-Thematik beschäftigt, der weiß: Letztendlich läuft es darauf hinaus, daß mit dem neuen Bewußtsein  auch die Auflösung der normalen Familie aus Vater-Mutter-Kind einhergeht[1]  zugunsten der diversen Regenbogenfamilien und sonstigen ‚familialen Strukturen‘, wie das heute so schön heißt. Und alles ist wunderbar, auch für die Kinder. Dabei belegen seriöse Studien durchaus auch anderes (was selbst konservative Medien verschweigen).

Ist das alles kein Thema für die Trachtenverbände?

Liebe Trachtler,

Unsereiner will eigentlich nur in Ruhe seinem gewohnten Leben nachgehen, sich um seine Familie kümmern,    seinen Freundeskreis pflegen, sein Brauchtum und hoffentlich auch seinen Glauben.

Diese ruhigen Zeiten sind vorbei. Ich hoffe, das wird jetzt jedem klar. „Seid nüchtern und wachsam!“    Es geht um Eure Kinder und Enkel, nicht um meine. Aber meine Aufgabe als Hirte und Sämann ist, Euch darauf aufmerksam zu machen, vielleicht sogar aufzuwecken.

Unser Trachtler-Wahlspruch hat unverhofft Sprengkraft bekommen in dieser Zeit:  Treu der Heimat, treu dem guten alten Brauch!

Bloß de Tracht umandanda-trogn und Plattln und des Dirndl drahn, des is z’wenig heit (wobei ich das ja bewundere).  Bewußtseinsbildung ist gefragt. Überzeugung und Gründe dafür.

Es ist Zeit aufzuwachen!    Es ist höchste Zeit, die Augen aufzumachen!

Gerade als Trachtler können Sie mitwirken:  In Bayern haben Sie eine wichtige Stimme.

Wer schweigt, wird nicht wahrgenommen!  und hat nichts zu sagen.

Da nützt die ganze Demokratie nichts!  Andere sind laut.   Mischen Sie sich ein!

Wirken Sie auch gesellschaftspolitisch!  Stehen Sie auf!

Erheben Sie Ihre Stimme!     Dazu segne Sie alle der dreieinige Gott.        AMEN.

[1] Vgl. etwa die Aussage: „… Das heißt also auch, Heterosexualität, Generativität und Kernfamilie zu „entnaturalisieren“ und Sexualpädagogik daraufhin zu überprüfen, inwiefern sie die Möglichkeit zur selbstbestimmten Lebensführung einschränkt, wenn durch ihre Intentionen und Maßnahmen explizit oder implizit nahe gelegt wird, heterosexuell und in Kernfamilien mit leiblichen Kindern zu leben. …“
von Prof. Dr. Uwe Sielert, Gender Mainstreaming im Kontext einer Sexualpädagogik der Vielfalt, S. 1 (abrufbar auf http://forum.sexualaufklaerung.de/index.php?docid=667). (Auf deutsch: Der den meisten noch geläufige und als natürlich empfundene Zusammenhang von Vater – Mutter – Kind(er) löst sich auf). Generativität meint die Hervorbringung der Generationenfolge. – Prof. Sielert ist anerkannte und einflußreiche Autorität auf dem Gebiet der Sexualpädagogik.

Foto: Rainer Nitzsche – Blick auf den Gottesdienstplatz

 

12 Kommentare

  • So einen Pfarrer, so eine Predigt würde ich mir auch in Atzing wünschen.
    Auch in der Kirchenzeitung gehört diese Predigt.
    Ehe für alle, Gender Mainstream, Gentechnik usw.,
    das geht uns alle an.

  • Ein mutiges Wort, heutzutage. Auch für einen Kirchenmann. Es ist zu hoffen dass es auf fruchtbaren Boden gefallen ist. Wie auch immer: Respekt dem Pfarrer und Dank den Samerberger Nachrichten, die ich dadurch entdeckt habe. Es lohnt sich offensichtlich, künftig beide öfter zu besuchen, das Blatt und die Kirch in Feilnbach.

  • Pfarrer Ernst Kögler macht hier leider das Gegenteil von dem, was er als Seelsorger tun sollte: Er polarisiert, er stellt Behauptungen in den Raum und er redet den Leuten tatsächlich ein, ihnen würde was weggenommen. Ich bin entsetzt, wenn Ein Gottesdienst zu so eine Hetzrede missbraucht wird. Er verliert kein Wort darüber, dass sich auch die Kirche an Homosexuellen schuldig gemacht hat und immer noch macht, kein Wort über das namenlose Leid, das Menschen – auch durch die Schuld der Kirchen – zu ertragen haben, die Menschen gleichen Geschlechts lieben. Als Gegendarstellung mein leicht veränderter Gastbreitrag als Theologe im Leo Magazin für August 2017:

    Seit der Bundestag und dann auch der Bundesrat die „Ehe für alle“ beschlossen hat, laufen die „üblichen Verdächtigen“ wieder Sturm. Teilweise wähnen sie den Untergang des Abendlandes nahe, teilweise sehen sie darin einen entscheidenden Schritt zur Auflösung aller sittlich-moralischen Werte und Normen. „Die üblichen Verdächtigen“ das sind zuerst viele, ja vielleicht die meisten der römisch-katholischen Bischöfe, viele (keineswegs alle!) ihrer Priester und Laien, dann auch bestimmte Kreise in den evangelischen Landeskirchen und die meisten evangelikal geprägten Freikirchen.
    Vorab: Ich schreibe hier als Theologe und als schwuler Mann, der 17 Jahre in einer eingetragenen Lebenspartnerschaft gelebt hat, die letzten Jahre auch in einer amtlich eingetragenen Lebenspartnerschaft, bis dass der Tod uns geschieden hat – und nein! Mein Lebenspartner ist nicht an Aids gestorben, er war nicht mal HIV +.
    Ich kann heute den Unterschied zu einer Ehe rein emotional nicht mehr nachvollziehen. Wäre mein verstorbener Mann eine Frau gewesen, oder wäre ich eine Frau, kein Mensch würde daran zweifeln, dass unser gemeinsames Leben eine Ehe war – auch ohne ein einziges Kind. So aber war sie nach außen „nur“ eine eingetragene Lebenspartnerschaft, also eine Lebensgemeinschaft zweiter Klasse. Das ist zweifelsohne eine Diskriminierung. Darin enthalten ist eine weitere Diskriminierung bei der Angabe des Familienstandes. Ich durfte in der Zeit nicht schreiben „verheiratet“ und auch nicht „ledig“, sondern „ELP“ für eingetragene Lebenspartnerschaft und ich darf bis heute nicht in offiziellen Dokumenten angeben „verwitwet“, sondern muss „ELPV“ angeben. Damit bin ich aber automatisch gezwungen, meine sexuelle Orientierung zu offenbaren. Das ist definitiv diskriminierend und unter Umständen auch von Nachteil.
    Doch nun zum Theologischen:
    Die römische Kirche sieht die Ehe als Lebensgemeinschaft von Mann und Frau und weist ihr den Status eines Sakramentes zu, also eines „wirkmächtigen Zeichens“, in dem Christus an seiner Kirche bzw. Gott an der Menschheit handelt. Der Gedanke ist sehr alt, die dogmatische „Zementierung“ fand allerdings relativ spät statt, beim Konzil von Trient (1545-1563), das erst die 7-Zahl der Sakramente der röm. Kirche endgültig festgelegt hat. Luther hingegen sieht in der Ehe „ein weltlich Ding“, dem von der Kirche zusätzlich der Segen Gottes zugesprochen wird. Das erklärt schon mal, warum sich die evangelischen Kirchen in ihrer Mehrheit leichter tun mit der „Ehe für alle“ als die römisch-katholische Kirche. Wobei in beiden Lagern die Gegner der „Ehe für alle“ mangelnde Offenheit zur Zeugung neuen Lebens zu Felde führen – ganz abgesehen von den biblizistisch und fundamentalistisch gedeuteten Stellen im A.T. und N.T., die sich – ich sage scheinbar – gegen homosexuelles Verhalten richten. Wäre die Möglichkeit zur Zeugung neunen Lebens jemals tatsächlich das aller entscheidendste Moment gewesen, dann hätte man niemals 70-Jährige zum Traualtar zulassen dürfen. Hat man aber immer. Was die die biblischen Aussagen gegen Homosexualität angeht, sollte man doch berücksichtigen, was die jeweiligen Verfasser gemeint haben und in welche Situation hinein sie geschrieben sind. Und meine Gegenfrage an die Bibelfundamentalisten: Warum hält man genau hier eisern an einer wörtlichen Interpretation fest, während man sich über andere Stellen im A.T. wie im N.T. immer großzügig hinweggesetzt hat?
    Wenn Menschen sich liebend annehmen und liebend in die Welt hineinwirken – und dies auch noch im christlichen Glauben tun – dann ist das immer ein „wirkmächtiges Zeichen“ – ein Sakrament – für die Welt und das strahlt aus. Vielleicht sollten die Kirchen ihren Sakramentenbegriff, der zuletzt in der Reformation bzw. in der Gegenreformation definiert wurde, mal wieder zur Disposition stellen.
    Prof. Dr. Andreas Krebs, Inhaber des Lehrstuhls für alt-katholische Theologie an der Universität Bonn, spricht inzwischen vom „Sakrament der Lebensgemeinschaft“. Ein vernünftiger Ansatz meines Erachtens, der vor allem von Demut geprägt ist – von Demut gegenüber einem Gott, dem ganz bestimmt keine Institution der Welt vorschreiben kann, welche „wirkmächtigen Zeichen“ der Liebe er setzt.

    Peter Priller, Dipl. Theol. – Univ.
    München / Bad Tölz

    • Sehr geehrter Herr Peter Priller,

      ich kann nicht verstehen, dass Sie als Theologe das Wort Gottes grad so hindrehen, wie Sie es brauchen. Damit sind Sie auch nicht besser als die Kirchen. Diesen enormen Abfall von den Naturgesetzen, die meiner Ansicht nach fest in der Schöpfung verankert sind und somit von unserem Gott zum besten für uns Menschen erdacht sind, kann man überall beobachten.
      Ich gebe zu, ich hätte da auch manches gerne zu meinen Gunsten ausgelegt, aber das hilft ja nichts, am Ende kommt es ja auf den Willen Gottes an und nicht auf unseren.

      Mit freundlichen Grüßen
      Michael Ramsl

  • Das ist keine christliche Predigt. Das ist Wahlkampf von rechtsaußen, der das Evangelium verbiegt und missbraucht. Da kann man sich als Christ nur schämen und um Verzeihung bitten bei denen, die ‚mal wieder als Sündenböcke herhalten müssen und verunglimpft werden. Gott sei Dank ist Gottes Herz größer als das versteinerte von Pfr Kögler und man kann nur beten, dass der dreieine Gott auch ihm ein Herz aus Fleisch schenken wird.

  • Ganz bitter, dass ein Mensch in einer Vorbildfunktion mal wieder jedes Klischee über „bayrische Dörfer“ bestätigen muss. Mit christlicher Nächstenliebe hat das nichts zu tun – ich frage mich, ob dieser Pfarrer je versucht hat, sich emotional in eine Person hineinzuversetzen, deren innere Ausrichtung (sei es transidentitär, homosexuell o.ä.) regelmäßig dazu führen wird, dass sie sich aus der Gemeinschaft ausgeschlossen fühlt. In dem Beispiel nicht nur aus der Dorfgemeinschaft, sondern auch aus der, die eigentlich alle Menschen unabhängig ihrer Couleur in Liebe vereinen soll – der Gemeinde.

  • Genau solche Aussagen und Haltungen gegenüber Schwulen, wie sie von Pfarrer Ernst Kögler und der Kirche vertreten werden, haben letztendlich dazu geführt, dass ich (als schwuler Mann) bereits 1994 aus der katholischen Kirche ausgetreten bin.
    Meine Entscheidung fiel mir damals leicht. Es war eine einfache, logische Überlegung: Die Kirche akzeptiert meine sexuelle Prägung nicht und lehnt mich damit als Person ab. Warum also sollte ich dann weiterhin Mitglied in einem „Verein“ sein, der mich ablehnt? Und ausserdem auch noch Beiträge in Form von Kirchensteuer zahlen?
    Eine Vereinigung, die offensichtlich meine Werte von einem freien und selbstbestimmten Leben einschränkt, verdient meine Zuwendung (und mein Geld) nicht.
    Was würde wohl Jesus zu so einer ablehnenden Haltung sagen? Ist die in seinem Sinn? Einer seiner größten Werte war die bedingungslose Nächstenliebe, die er so gelebt hat, dass er z.B. Huren, Aussätzigen und Verbrechern seine Hand reichte. Er akzeptierte diese Menschen, die von der Gesellschaft abgelehnt wurden und schenkte ihnen seine bedingungslose Liebe.
    Jesus war der Sohn Gottes. Und ich gehe davon aus, dass er seine Werte von seinem Vater vermittelt bekam, von Gott.
    Eine bedingungslose Nächstenliebe grenzt per se nicht aus. Was für Huren, Aussätzige und Verbrecher gilt, sollte demnach auch für Homosexuelle gelten. Andernfalls müsste man von eingeschränkter Nächstenliebe sprechen, an Bedingungen geknüpft.
    Homosexualität ist weder anerzogen noch antrainiert. Ich sage, sie ist gottgegeben. Wenn sie nun verurteilt und diffamiert wird, ist das von Menschen gemacht, die damit ihre letztlich eigenen Ziele verfolgen. Wie immer diese auch gelagert sein mögen.
    Hierzu ein Gedankenspiel:
    Was wäre wenn sich alle Homosexuellen dieser Welt entschliessen würden, aus der Kirche auszutreten, weil sie dort nicht erwünscht sind?
    Wieviele Milliarden Euro an Kirchensteuer würde der Kirche dann wohl entgehen?
    Laut einer Veröffentlichung auf der Webseite katholisch.de beträgt die Anzahl der Katholiken weltweit 1,22 Milliarden (2012). Rechnen wir einmal dass davon 5% homosexuell sind, so kommen wir auf eine Zahl von 61 Millionen Mitglieder. Wenn davon jeder nur 100 Euro jährlich an Kirchensteuer zahlt, summiert sich das auf 1.6 Milliarden Euro weniger Einnahmen jährlich. Eine stolze Summe, die sehr vorsichtig gerechnet ist und noch Raum nach oben lässt.
    Was würde die Kirche wohl dazu sagen? Dankend darauf verzichten? Ich nehme einmal an, eher nicht.
    Stattdessen wird schön weiter diffamiert, wir lehnen euch ab, aber euer Geld kassieren wir gerne ein. Was ist denn das für eine Haltung? Christlich im Sinne von Jesus?
    „Wer von euch ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein.“ Pfarrer Kögler hätte mal Steine an den Trachtenverein verteilen sollen – und einen für sich selbst behalten. Es wäre interessant gewesen zu beobachten, wieviele seiner Schäfchen wohl als erste geworfen hätten.
    Allzugern würde ich herausfinden, was die eigentliche Motivation von Pfarrer Kögler ist, so eine diskriminierende und verhetzende Rede zu halten.
    Homosexuelle, die nun durch das neue Gesetz die gleichen Rechte (und Pflichten) wie heterosexuelle Menschen erhalten, nehmen niemandem etwas weg. Im Gegenteil, sie übernehmen Verantwortung (auch im rechtlichen Sinne) für einen geliebten Menschen.

  • Sehr interessante Meinungsäußerungen von den Mitkommentatoren. Beginnend bei dem der sich übers Hetzen beklagt aber gleichzeitig von den „üblichen Verdächtigen“ schwadroniert und zur dezenten Verstärkung seiner „Argumente“ gleich mit Titel firmiert, bis zu denen die aus der Haltung der Kirche zur Familie ein Unerwünschtsein der Homosexuellen konstruieren. Alles legitime Meinungsäußerungen dir trotzdem meilenweit am Thema vorbei gehen und eines eben nicht zeigen: Jene Toleranz die sie selbst für sich beanspruchen.

    • Warum fehlende Toleranz? Es spricht ihm doch keiner das Recht ab, so zu denken, wie er es für richtig hält, noch das zu äußern? Solange er „bei sich“ bleibt. Es verwehrt sich aber jeder zu recht gegen seine Anmaßung andere Glaubensäußerungen als falsch zu bezeichnen. Wie wenn er, der Mensch nur im Geringsten wüsste, was wahr ist. Der einzige, der weiß, was in dieser Thematik „falsch“ und „richtig“ ist, der ist unser aller Herrgott. Und zumindest mein fester Glaube ist, dass sich der in keiner Weise an dem stört, was den Feilnbecker Dorfpfarrer gar so entsetzt.

  • Ja mei, wenn ma a Kuah vom Radlfahrn predign lasst, was soll da scho rauskemma? Es gibt halt Hirne und Herzen in denen hat nicht mehr Platz als „Vater-Mutter-Kind“. Wenn sich die von der nunmehr auch staatlich sanktionierten Möglichkeit, andere Lebensformen mit sich und dem Herrgott zu vereinbaren in ihrem Selbstverständnis gefährdet sehen, dann sollten sie vielleicht lieber ihr eigenes Selbstverständnis hinterfragen, aber nicht das der anderen. Der, auf den es wirklich ankommt, ist gottseidank nicht so vernagelt, der ist nicht nur Gott für die Großherzigen, sondern auch für die Engstirnigen.

  • Nachdem ich nach langer Zeit diese Seite wieder aufgerufen und entdeckt habe, daß kürzlich eine kontroverse Kommentierung eingesetzt hat, sollte ich wohl in der gebotenen Kürze auf einige Aspekte eingehen:

    Priestersein hat mehrere Dimensionen und erschöpft sich nicht in Seelsorge. In der Predigt ging es konkret um die sog. „Ehe für alle“ und die natürliche Familie sowie um die Gender-Theorie.
    Zu Polarisierung: Daß es zu diesen Themen unter den Gottesdienstbesuchern und späteren Lesern dieser Predigt verschiedene Auffassungen gibt, davon war und ist auszugehen. Aber die habe nicht ich erzeugt.
    Behauptungen sind an sich nicht schlecht. Die Frage ist, ob sie zutreffen. Eine viel wiederholte (= eingeredete?) Behauptung ist z.B. auch „Niemand verliert etwas durch die Ehe für alle, alle gewinnen“ (Christine Lüders). Die Gültigkeit dieser Behauptung zweifle ich allerdings an und habe dazu sogar ein Beispiel genannt.

    Auch wenn man heute mit der Vokabel „Hetzrede“ schnell bei der Hand ist, heißt das nicht, daß das Wort von der Hetze auch immer richtig angewandt wird. Nicht nur ich kann in der ganzen Predigt keine Aufforderung finden, irgendwelche Menschen gegen andere aufzustacheln, so wie ein Jäger seine Hunde auf Enten hetzen mag. Es wurde auch nichts dergleichen bekannt, daß jemand die Predigt so aufgefaßt hätte. – Es ging in der Predigt auch gar nicht um bzw. gegen Menschen, sondern um bzw. gegen Ideen bzw. Meinungen von Menschen (gerade weil diese natürlich lebensrelevant sind). Diese Unterscheidung ist wesentlich – und die Auseinandersetzung um Anschauungen ist doch gegenseitig! Auseinandersetzung um Meinungen ist keine Hetze gegen Personen – zumal meiner Beobachtung nach diesbezügliche Positionierungen nicht entlang der sexuellen Ausrichtung erfolgen (auch dazu ein Beispiel in der Predigt).
    Entsprechend bezieht sich Toleranz auf Personen, nicht auf deren Anschauungen. Ich habe diesen Menschen zu dulden, zu ertragen = tolerieren, aber nicht seine Auffassung zu teilen. Auch das wird seit vielen Jahren durcheinandergebracht.
    In diesem Zusammenhang noch: Unbedingte Menschenwürde eignet jedem Menschen infolge seines Geschaffenseins durch den absoluten Gott. Sie bezieht sich auf den Menschen, rechtfertigt freilich nicht jede seiner Anschauungen und Handlungen. Vielmehr eben wird sie auch weder durch Lüge oder Irrtum noch durch Schuld aufgehoben! Davon lebt ein jeder von uns. Jede Person ist von Gott unbedingt angenommen, nicht wegen seiner gerechten Werke oder trotz seiner Sünden, sondern vor alledem!! Das hebt aber doch gut und böse, wahr und falsch nicht auf (da brauch‘ ich gar nicht weit schaun, da genügt ein Blick auf mich). „Auch ich verurteile dich nicht. Geh und sündige von jetzt an nicht mehr!“ (Joh 8,11)
    Und wir? „Seid vollkommen und heilig wie euer Vater im Himmel, der es regnen läßt über Gerechte und Ungerechte!“ Gar nicht so einfach.

    Zum Gesetz: In der Tat stimme ich mit der Einschätzung von Heiko Maas (SPD) überein: Es hätte einer Grundgesetzänderung bedurft. Der Bundestag kann das nicht in einfachgesetzlicher Entscheidung verändern. Im BGB ist im Zusammenhang von Ehe und Familie auch von Mann und Frau bzw. Vater und Mutter die Rede. Das ist auch selbstverständlicher Deutungshorizont des GG. – Nebenbei bemerkt wird in die Diskussion nun auch die Überlegung eingetragen, die Ehe als staatliches (!) Institut generell aufzuheben.
    Im übrigen: Über dem ersten Gesetz sollte nicht vergessen werden der Hinweis auf die beiden anderen Gesetze, die im Windschatten der Aufmerksamkeit gegenüber dem ersten in Kraft gesetzt wurden! Wichtig war mir insbesondere, die Zuhörer auf Gender Mainstreaming aufmerksam zu machen.

    Zu Verständnis und Empathie: echtes Nachfühlen halte ich für schwerlich möglich, weil niemand in die Haut eines anderen schlüpfen kann, jeder in seiner eigenen steckt. Wohl aber kann man über entsprechende, mehr oder weniger ähnliche eigene Erfahrungen einen Vergleich anstellen und sich doch irgendwie einfühlen. Insofern kann ich manches schon verstehen. – Würde das bedeuten, daß ich auch in die Beurteilung von Ansichten z.B. mit einstimme?
    Ob ich hartherzig bin, können andere (z.B. aus meinen Pfarreien) vielleicht besser beurteilen als ich.

    Ich stimme zu: Man würde die Wirkung der „Homo-Ehe“ durchaus überschätzen, allein darin den „Untergang des Abendlandes“ oder die „Auflösung der Moral“ zu sehen.
    Richtig ist auch: Vieles blieb ungesagt (u.a., daß Homosexuellen viel Leid und Unrecht angetan wurde). Leider bin ich immer noch nicht auf den Trichter gekommen, wie man in kaum mehr als 10 Minuten alles Notwendige differenziert genug sagen kann, zumal auf freiem Feld. Es kann immer nur eine Auswahl sein. Ich muß auch gestehen: Daß ich Unrecht verurteile, setze ich als selbstverständlich voraus; daß ich darum weiß, erst recht. Muß man das wirklich immer betonen? Zumal: Es hätte doch an der Schilderung von Konsequenzen der sog. „Ehe für alle“ nichts geändert und auch nichts daran, wie Ehe und Familie zusammenhängt, wenngleich man auch darüber Bücher schreiben könnte.
    Und do ham’as scho: Jetzt ist es doch trotz der gebotenen Kürze länglich geworden.

    • Sehr geehrter Herr Hochwürden Pfarrer Ernst Kögler,

      Ich habe Sie persönlich in Bad Feilnbach am 127. Gaufest sprechen hören und muss Ihren Mut und Ihre politische Klarsicht nur bewundern! Weiter so ! Als Vater von drei Söhnen und in glücklicher Ehe mit meiner Ehefrau hätten wir uns keine bessere Predigt wünschen können. Ich hoffe Sie geben nicht Kleinbei und zeigen im „Ludwig-Thomaschen-Sinne“ auch weiterhin politische Unzulänglichkeiten auf.

      Gott zum Gruße

      Clemens Gruber

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