Kirche

Predigt im Wortlaut vom Gaufest in Bad Feilnbach

Anton Hötzelsperger
Veröffentlicht von Anton Hötzelsperger

Pfarrer Ernst Kögler vom Katholischen Pfarramt Herz Jesu hat für die Leser der Samerberger Nachrichten seine Predigt vom Gaufest des Gauverbandes I in Bad Feilnbach im Wortlaut zur Verfügung gestellt.

Einführung in Festgottesdienst:

Zu Tausenden seid’s Ihr heute zum Gaufest gekommen, dem 127. seiner Art, die Trachtler aus dem Gauverband I. Das ist eine Ehre und eine Freude für uns Feilnbecker.  Wir beginnen diesen großen Tag und diese Woche miteinander mit der festlichen Meßfeier, denn: An Gottes Segen ist alles gelegen.

Oder wie es auf der Vereinsfahne der d’Jenbachtaler von 1961 heißt:  „Mög‘ uns Gottes weises Walten / Heimat, Tracht‘ und Sitt erhalten“!

Der Glaube an Christus verbindet uns über alle Grenzen von Ortschaften, Völkern und Sprachen hinweg – und nicht nur Trachtler sind heute hier, damit wir alle miteinander  Gott die Ehre geben  und Gott um seinen Schutz und Segen bitten.

Ein Dank an unsere Feilnbecker Musikkapelle, die die „Feilnbacher Jubiläumsmesse“  von Alois Schmid spielt.

Nun wollen wir einen Moment stille halten. – Wir bitten Gott um Vergebung

Die Predigt:

Liebe Trachtler aus dem Gauverband I !
Liebe Schwestern und Brüder im Herrn!

Der Sämann, von dem Jesus erzählt hat, ist er selber. Er sät den Samen des Wortes Gottes aus. Es ist guter Samen. Wir können auch sagen:  Jesus selber ist dieser Same, der auf die Erde herabkommt und stirbt, um reiche Frucht zu bringen: 30fach, 60fach oder 100fach.

Aber das hängt auch von der Bodenbeschaffenheit ab, also von uns. Und die Qualität des Bodens, sagt Jesus, ist bei uns Menschen durchaus verschieden. Wollen wir steiniger Boden sein für den Samen des Wortes Gottes oder Boden, der reiche Frucht trägt?!

Guten Samen säen, das wollen wir allerdings alle. Als Priester soll ich die Wahrheit, die Liebe und das Licht Christi in die Herzen aussäen. Und Sie alle wollen guten Samen aussäen in den Lebenskreisen, die Sie um sich ziehen: in Ihren Trachtenvereinen, in Ihren Pfarreien, in Ihren Familien, in Ihrem Beruf.

Und mich persönlich macht es immer wieder stolz und es erfüllt mich mit tiefer Freude, glaubt’s ma’s, wenn ich unsere Trachtenvereine, aber auch andere Vereine sehe – und die guten Samen, die da (manchmal auch mit Mühen, jedenfalls immer mit Herzblut) ausgesät werden – quer durch alle Generationen, jung und alt, groß und klein.  Die Kinder und jungen Leute können hier gut heranwachsen und zu stabilen Persönlichkeiten werden, die unser Gemeinschaftsgefüge auch weiterhin tragen:  treu der Heimat,  treu dem guten alten Brauch, wie es bei Euch heißt.

Es ist ein Glück, eure Familien zu sehen. Sie sind das Rückgrat eurer Trachtenvereine.  Meine Leit hier wissen, wie sehr mir das am Herzen liegt.

Doch werden auf den Acker und den Boden dieser Erde auch andere Samen gesät als jene unseres Sämanns. Auch sie werden heranwachsen und Früchte tragen.

Ein Beispiel, es liegt nicht fern: An jenem denkwürdigen Freitag, dem 30. Juni, hat der Bundestag gerade noch in seiner letzten Sitzung gleich drei hochproblematische Gesetze verabschiedet (die letzten beiden – weniger bekannt – im Windschatten des ersten).  Das gibt doch sehr zu denken. Sie betreffen uns alle, sei‘s als Christen, sei’s als Staatsbürger. Vor allem das bekannteste, jenes erste Gesetz, welches gemeinhin als „Ehe für Alle“ verhandelt wird.

Und „Ehe für alle“ meint halt wirklich auch Ehe für Alle.  Wer A sagt, wird auch B sagen.  Die nächsten Schritte liegen ja schon in der Schublade!  Mit welchen Argumenten auch wollte ich jetzt noch etwa einer Dreier- oder Vierer-Konstellation, welche die Werte von Verläßlichkeit und Treue leben will, die „Ehe“ noch verweigern?  Mit welchem Recht öffnen und liberalisieren wir nur für die einen, aber nicht auch für die anderen?

Und wenn schon Ehe, dann muß ich auch eigene Kinder zugestehen. Damit stehen als nächstes etwa die Themen Fremdbesamung, Eizellspende und Leihmutterschaft an. – Mit all dem Leid im Schlepptau, das ja jetzt schon aufbricht …

Ist das alles kein Thema für die Trachtenverbände?

Menschen leben heute sehr verschieden zusammen. – Aber Familie entsteht durch die Verbindung von Mann und Frau und so können sich Kinder einstellen. Das zeigt doch ein unverstellter Blick auf die Natur des Menschen. – Das ist nicht Homophobie, sondern Biologie. Das ist nicht Diskriminierung, sondern Natur. – In der Menschenrechtserklärung der Vereinten Nationen von 1948  ist davon noch die Rede. Vater und Mutter bilden mit ihren Kindern eine Familie und damit die Keimzelle der Gesellschaft. Übrigens: Die Kinder gehören zu den Eltern – und nicht dem Staat.

Zwei bekannte, homosexuell lebende italienische Modeschöpfer trauten sich das auszusprechen:  Natürlich besteht Familie aus Vater und Mutter und deren Kinder; sie selber gäbe es sonst nämlich gar nicht.

Daß durch die Ehe für alle niemand etwas verliert, sondern alle gewinnen, scheint mir nur recht vordergründig zu stimmen. Genommen wird uns u.a. – und das ist nicht wenig! –  die Selbstverständlichkeit der natürlichen Familie (was auch erklärtes Ziel ist).

 

Auffällig auch: Wie rasch wurde die Gelegenheit genutzt und die „Ehe für Alle“ verabschiedet.  Seit 15 Jahren warten die Familien (also die übergroße Mehrheit der Bevölkerung) auf die Umsetzung eines Urteils des Bundesverfassungsgerichtes zur Familiengerechtigkeit?

Warum so lange?  Ist das Gerechtigkeit? – Haben Sie sich dagegen zur Wehr gesetzt?  Oder sind Sie einem Familienbund beigetreten?  Denn auch Familie braucht heute Lobby.

Ist das ein Thema für Ihre Trachtenverbände?

PP Franziskus spricht immer wieder davon, daß Ehe & Familie ein Kampffeld geworden sind.   „Seid nüchtern und wachsam!“, sagt der Apostel.

Darum meine Frage:  Kennen Sie Gender Mainstreaming?  Dem liegt eine neue Ideologie zugrunde, in der es nicht, wie vorgetäuscht oder verharmlost wird, im Kern um Gleichberechtigung geht, sondern unter der Hand um etwas ganz anderes:  Danach können Buben genauso gut auch als Mädchen aufwachsen und umgekehrt. Somit würde da zwischen Mann und Frau alles fließend und in Kombination entstünden dann sogar nicht nur zwei, sondern eine bunte Vielfalt an Geschlechtern.

In anderen Bundesländern müssen sich die Schulkinder schon intensiv mit all dem befassen, nicht zuletzt im Sexualkundeunterricht,  und sich daran gewöhnen. Manche Eltern würden ihre Kinder da lieber aus der Schule nehmen, wenn sie denn könnten.

Aber Gender Mainstreaming ist schon lange als Querschnittsaufgabe in der UNO, in der EU und auch in der Bundesregierung verpflichtend!  Gender, nicht Familie.   Das kostet übrigens auch viel Geld. …

Und wer sich intensiver mit der eigentlichen Gender-Thematik beschäftigt, der weiß: Letztendlich läuft es darauf hinaus, daß mit dem neuen Bewußtsein  auch die Auflösung der normalen Familie aus Vater-Mutter-Kind einhergeht[1]  zugunsten der diversen Regenbogenfamilien und sonstigen ‚familialen Strukturen‘, wie das heute so schön heißt. Und alles ist wunderbar, auch für die Kinder. Dabei belegen seriöse Studien durchaus auch anderes (was selbst konservative Medien verschweigen).

Ist das alles kein Thema für die Trachtenverbände?

Liebe Trachtler,

Unsereiner will eigentlich nur in Ruhe seinem gewohnten Leben nachgehen, sich um seine Familie kümmern,    seinen Freundeskreis pflegen, sein Brauchtum und hoffentlich auch seinen Glauben.

Diese ruhigen Zeiten sind vorbei. Ich hoffe, das wird jetzt jedem klar. „Seid nüchtern und wachsam!“    Es geht um Eure Kinder und Enkel, nicht um meine. Aber meine Aufgabe als Hirte und Sämann ist, Euch darauf aufmerksam zu machen, vielleicht sogar aufzuwecken.

Unser Trachtler-Wahlspruch hat unverhofft Sprengkraft bekommen in dieser Zeit:  Treu der Heimat, treu dem guten alten Brauch!

Bloß de Tracht umandanda-trogn und Plattln und des Dirndl drahn, des is z’wenig heit (wobei ich das ja bewundere).  Bewußtseinsbildung ist gefragt. Überzeugung und Gründe dafür.

Es ist Zeit aufzuwachen!    Es ist höchste Zeit, die Augen aufzumachen!

Gerade als Trachtler können Sie mitwirken:  In Bayern haben Sie eine wichtige Stimme.

Wer schweigt, wird nicht wahrgenommen!  und hat nichts zu sagen.

Da nützt die ganze Demokratie nichts!  Andere sind laut.   Mischen Sie sich ein!

Wirken Sie auch gesellschaftspolitisch!  Stehen Sie auf!

Erheben Sie Ihre Stimme!     Dazu segne Sie alle der dreieinige Gott.        AMEN.

[1] Vgl. etwa die Aussage: „… Das heißt also auch, Heterosexualität, Generativität und Kernfamilie zu „entnaturalisieren“ und Sexualpädagogik daraufhin zu überprüfen, inwiefern sie die Möglichkeit zur selbstbestimmten Lebensführung einschränkt, wenn durch ihre Intentionen und Maßnahmen explizit oder implizit nahe gelegt wird, heterosexuell und in Kernfamilien mit leiblichen Kindern zu leben. …“
von Prof. Dr. Uwe Sielert, Gender Mainstreaming im Kontext einer Sexualpädagogik der Vielfalt, S. 1 (abrufbar auf http://forum.sexualaufklaerung.de/index.php?docid=667). (Auf deutsch: Der den meisten noch geläufige und als natürlich empfundene Zusammenhang von Vater – Mutter – Kind(er) löst sich auf). Generativität meint die Hervorbringung der Generationenfolge. – Prof. Sielert ist anerkannte und einflußreiche Autorität auf dem Gebiet der Sexualpädagogik.

Foto: Rainer Nitzsche – Blick auf den Gottesdienstplatz

 

Über den Autor

Anton Hötzelsperger

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist und Leiter der Gäste-Information Samerberg bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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