Leitartikel

Pittenhart zeigt sich als Teil der „Römerregion Chiemsee“

Veröffentlicht von Anton Hötzelsperger

Ein Beitrag von Dr. Inge Graichen – Römischer Weihestein und Skulpturen der Öffentlichkeit übergeben

Zur „Römerregion Chiemsee“ haben sich elf um den Chiemsee gelegene Gemeinden aus den LEADER-Regionen Chiemgauer Seenplatte und Chiemgauer Alpen zusammengetan, um Besuchern und Einheimischen ihre römische Vergangenheit lebendig und attraktiv zu zeigen. Mit Hilfe einer LEADER-Förderung von 60 Prozent der Netto-Kosten wurden die verschiedensten Römerstationen umgesetzt.

Römischer Weihestein und Skulpturen in Pittenhart

Kürzlich wurde der Pittenharter Beitrag zum Gesamtprojekt „Römerregion Chiemsee“ an der Kirche im Ortszentrum im Beisein von Pittenharter Gemeinderäten, weiteren an der Umsetzung des Projekts Beteiligten und Bürgermeistern der anderen Römerregion-Gemeinden der Öffentlichkeit übergeben. Am Platz neben der Pittenharter Kirche steht nun in Nachbildung der an der Pittenharter Kirchenmauer gefundene Römerstein, ergänzt durch die als lebensgroße Metallskulptur ausgebildete Silhouette des römischen Benefiziariers, der diesen Weihestein für Jupiter und den keltisch-römischen Gott Bedaius gestiftet hatte, in Begleitung seiner Frau, und eine erklärende Informationstafel.

Sepp Reithmeier, Bürgermeister von Pittenhart, und Pittenharts Ortsheimatpfleger Sebastian Guggenhuber erklärten, dass Pittenhart aufgrund zahlreicher Funde aus der Römerzeit zur „Römerregion Chiemsee“ gerechnet werden muss. Insbesondere auf dem Höhenberg und in seiner Nähe wurden Funde aus keltischer und römischer Zeit gemacht, die auf einen Kultplatz verweisen. Reithmeier ist auch Vorsitzender der LEADER-Region Chiemgauer-Seenplatte und betonte, dass das Gesamtprojekt „Römerregion Chiemsee“ mit elf teilnehmenden Gemeinden das Ziel des europäischen LEADER-Programms perfekt umsetze, Verbindungen zwischen Akteuren zu schaffen.

Für Projektmanagerin Annette Marquard-Mois kam das in der Vielfältigkeit des Gesamtprojekts „Römerregion Chiemsee“ und dem Zusammenwirken einer Vielzahl von Beteiligten bei der Umsetzung in den Gemeinden zum Ausdruck. „Von den Wissenschaftlern über die Kommunalpolitiker und Ortsheimatpfleger bis zu den Touristikern und den Handwerkern haben wirklich alle an einem Strang gezogen.“

Römischer Weihestein aus dem dritten Jahrhundert

Zu der Inschrift am Weihestein erläuterte Professor Siegmar von Schnurbein, Schirmherr der Römerregion Chiemsee, durch den Namen des Stifters Tulius Iuvenis und die Angabe der damaligen Konsuln Antonin und Q. Tineius Sacerdos wisse man, dass der Stein im Jahr 219 nach Christus aufgestellt worden war. Die entsprechende untere Zeile war zwar aus politischen Gründen später ausradiert worden, die Namen der Konsuln konnten aber dennoch rekonstruiert werden. Schnurbein lobte die kunstvolle Arbeit, die Steinmetz Fritz Seibold hier bei der Rekonstruktion geleistet hatte.

Von Rolf Wassermann, der die Metallskulpturen des Pittenharter Römerprojektes gestaltet hatte, erhielt Bürgermeister Sepp Reithmeier eine Nachbildung der Benefiziarier-Lanze und wurde somit von Wassermann –augenzwinkernd – zum Nachfahr dieses römischen Verwaltungsbeamten ernannt.

Römerstraße und Kultplatz

Auf die große Bedeutung der Lage Pittenharts an der jahrhundertelang genutzten Salzstraße für die Geschichte des Ortes wird mit der Silhouette eines Ochsengespanns mit Wagen vor dem Wirtshaus „Alte Zollstation“ Bezug genommen, ebenfalls mit begleitender Informationstafel. Die Trasse der direkt durch den Ort führenden „Güldenen Salzstraße“ folgte älteren Straßen aus römischer oder sogar vorrömischer Zeit. Mit der Herausstellung der Salz- und Römerstraße werde auch die Verbindung zum Höhenberg geknüpft, über den diese Straße ebenfalls geführt hatte, betonte Ortsheimatpfleger Sebastian Guggenhuber, und dort könne man sie in Teilen noch gut erkennen. Ebenfalls eine Verbindung zum Höhenberg wird in der Kindergeschichte auf der Homepage des Gesamtprojektes www.roemerregion-chiemsee.de „Marcus und Annilio – Abenteuer in der Römerregion“ im Abschnitt zu Pittenhart gezogen. Was in anderen Orten der „Römerregion Chiemsee entstand, kann man ebenfalls auf dieser Homepage nachlesen.

Text und Fotos: Inge Graichen

Bildunterschriften:

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Bürgermeister Sepp Reithmeier (von rechts) und Ortsheimatpfleger Sebastian Guggenhuber erläuterten die Bedeutung des Pittenharter Römersteins, der nun in Nachbildung östlich des Friedhofs der St. Nikolaus Kirche steht – im Hintergrund dritte Bürgermeisterin Christa Vodermaier

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Bürgermeister Sepp Reithmeier (von rechts) und Ortsheimatpfleger Sebastian Guggenhuber erläuterten die Bedeutung des Pittenharter Römersteins, der nun in Nachbildung östlich des Friedhofs der St. Nikolaus Kirche steht – im Hintergrund dritte Bürgermeisterin Christa Vodermaier, zweiter Bürgermeister Reinhard Schreiner, Obings Bürgermeister Sepp Huber und Eggstätts Bürgermeister Christian Glas

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Von Rolf Wassermann, der die Metallskulpturen des Pittenharter Römerprojektes gestaltet hatte, (von rechts) erhielt Bürgermeister Sepp Reithmeier eine Nachbildung der Benefiziarier-Lanze und wurde somit von Wassermann –augenzwinkernd – zum Nachfahr dieses römischen Verwaltungsbeamten ernannt, daneben Ortsheimatpfleger Sebastian Guggenhuber

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Mit der Skulptur eines Ochsengespanns mit Wagen vor dem Wirtshaus „Alte Zollstation“ und einer begleitenden Informationstafel wird auf die große Bedeutung der Lage Pittenharts an der jahrhundertelang genutzten Salzstraße auf der Trasse der Römerstraße von Salzburg nach Augsburg für die Geschichte des Ortes verwiesen

Über den Autor

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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