Landwirtschaft

Ochsenrennen-Probelauf in Wildenwart

Anton Hötzelsperger
Veröffentlicht von Anton Hötzelsperger

Qualifying auf der Wildenwarter Rennbahn! Nur noch eine Woche bis zum großen Auftritt: am Faschingssonntag 23. Februar pünktlich um 13 Uhr ist der Start zum ersten Vorlauf des dritten internationalen Ochsenrennens auf der Rennbahn an der Wildenwarter Kirche. Mindestens zwei Jahre müssen die Ochsen alt sein, damit sie mitmachen dürfen. Elf Starter – alle zwischen zwei und drei Jahren und tierärztlich untersucht –  haben sich für den großen Preis von Wildenwart gemeldet und sind seit Wochen eifrig im Training. Zu einem ersten Trainingslauf trafen sich einige der Ochsen, zusammen mit ihren Treibern, auf dem Rundkurs unterhalb des Röselsberges. Ein echter Favorit war beim Qualifying noch nicht zu erkennen, alle Rennteilnehmer spielten mit verdeckten Karten: „Ja die anderen nicht wissen lassen, wie gut man selber ist“.

Organisator Stephan Baumgartner wollte mit seinem braunen Kare selber mitfahren, aber der Ochs hatte bei den Vorbereitungen seinen eigenen Kopf. Aus dem Stall ließ er sich noch bringen, aber schon das Anlegen des Kummets nahm er seinem Jockey krumm und als er dann noch ins Wagerl eingeschirrt werden sollte, ergriff er die Flucht. Irgendwo im Wald konnte ihn Stephan Baumgartner wieder einfangen. Müde vom Laufen ließ er sich in den Stall zurückbringen. Damit hatte er sich selbst disqualifiziert – nur ein braver lammfrommer Rennochse darf auf dem abgesperrten Rennparcours mitlaufen, wenn an der Bahn Hunderte von Zuschauern stehen, wenn die Musik aus den Lautsprechern dröhnt und der Stadionsprecher den Rennverlauf kommentiert. Nichts und niemand darf ihn aus seiner Ruhe bringen.

„Man muss früh genug mit dem Training anfangen und alles von Grund auf lernen – der Ochse genauso, wie der Fahrer“, waren sich Stephan Baumgartner und Florian Bauer einig; beide standen beim letzten Mal als Fahrer auf einem Wagen. „Es hilft nichts, die Ochsen erst ein paar Tage vor dem Rennen einzuschirren und vor den Wagen zu spannen. Das Prinzip Hoffnung reicht hier nicht aus, nur was intensiv trainiert wurde, wird von beiden auch beherrscht. Das Abrichten von Ochsen war eine Kunst, die früher jeder Bauer beherrschen musste, dieses landwirtschaftliche Grundwissen ist im Zeitalter der großen Traktoren leider verloren gegangen“. So sind die beiden gespannt, wie sich die Rennochsen am Faschingssonntag verhalten werden: man muss sie frühzeitig ans Zaumzeug und ans Gehen auf der Wiese und auf der Straße gewöhnen. Wenn der Ochse dann nach einigen intensiven Wochen am Halfter brav neben seinem Treiber herläuft, nicht gezogen und nicht geschoben werden muss, beginnt der nächste Teil der Ausbildung. Der Ochse und sein Wagerl machen miteinander eine erste Bekanntschaft. Es sind allerdings keine schweren Lastwagen mit Heu oder Kies, die beim Rennen zu ziehen sind, sondern abenteuerliche Gefährte Marke Eigenbau, die eher einem römischen Streitwagen Marke Ben Hur oder einem Trabersulky aus Daglfing ähneln, oder auch ganz anders ausschauen. Regeln für das Fahrzeug gibt es keine. Dem Fahrer ist es grundsätzlich verboten eine Peitsche oder gar einen Elektroschocker zum Antreiben seines Zugochsen zu verwenden, der zweite Mann des Gespanns darf erst eingreifen, wenn der Sieger die Ziellinie bereits passiert hat. Und das kann dauern, wie die Erfahrung aus zwei solcher Rennen lehrt.

Die Wildenwarter fiebern dem Ereignis bereits entgegen. Während anderswo die Bilder der Bürgermeisterkandidaten umhergehen und auf ihren Erfolg und Misserfolg gewettet wird, wetten die Wildenwarter auf ihren tierischen Favoriten beim Großen Preis von Wildenwart.

Nach dem Rennen treffen sich dann alle Teilnehmer und Zuschauer um 20 Uhr zum Ochsenball im Feuerwehrhaus.

Bericht und Bilder: Heinrich Rehberg

Ist das der künftige Sieger des dritten internationalen Ochsenrennens auf der Rennbahn an der Wildenwarter Kirche?

Oder er?

Verhalten und taktische geht es auf dem Rundkurs zu – nur den Gegner nicht in die Karten schauen lassen.

Vorbildliches Zusammenspiel der Kräfte: wenn der Rennochse nicht will, zieht eben der Fahrer den Wagen

Er war zumindest der Größte und Schwerste beim Qualifying auf der Wildenwarter Rennbahn

Über den Autor

Anton Hötzelsperger

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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