Wirtschaft

Oberbayern: Dialog mit Wohnraumkoordinatorin Selma März

Veröffentlicht von Anton Hötzelsperger

Wer eine Wohnung sucht, hat es in Oberbayern und besonders in den Ballungsräumen nicht leicht. Denn bezahlbare Wohnungen sind schwer zu finden. Dies gilt besonders für Menschen mit Behinderungen, die zur Zahlung ihrer Miete oft auf staatliche Unterstützung angewiesen sind. Auch Einrichtungen und Dienste, die Wohnangebote für Menschen mit Behinderungen anbieten, haben es schwer, passende Immobilien zu finden. Mit der „Wohnraumkoordination“ möchte der Bezirk Oberbayern nun dieser Entwicklung etwas entgegensetzen.

Der Wunsch nach einer solchen Stelle beim Bezirk Oberbayern entstand im Gremium für Gesundheits-, Sozial- und Versorgungsplanung (GSV) im Projekt „Ambulantisierung und Wohnraum“. Hier tauschen sich Beteiligte der Wohnungswirtschaft, der Kommunen und der Leistungserbringer aus und versuchen Lösungsszenarien und Modellprojekte für das Problem zu entwickeln. Um diesen Schulterschluss zu stärken und um das im Bezirk bereits vorhandene Wissen zum Thema zu bündeln, wünschten sich die Mitglieder des Projekts eine Ansprechperson beim Bezirk Oberbayern. Der Bezirk schuf daher die Wohnraum­koordination. Sie soll erste Anlaufstelle sein, wenn es um den regionalen Bedarf an Wohnformen für Menschen mit Behinderungen geht. Auch soll sie die Möglichkeiten und Grenzen bei der Finanzierung von Wohnraum sowie spezifische Angebote und Leistungen der verschiedenen Einrichtungen und Dienste zusammenfassen.

Angespannter Mietmarkt

Auch im Hinblick auf die UN-Behindertenrechtskonvention und deren Umsetzung im Bundesteilhabegesetz (BTHG) ist es nur konsequent, eine solche Funktion zu schaffen. Denn gesetzlich verankertes Ziel des BTHG ist es unter anderem, Menschen mit Behinderungen ein selbständiges und selbstbestimmtes Leben in funktionierenden Sozialräumen zu ermöglichen. Dem steht die Lage auf dem Mietmarkt gegenüber, die besonders in den Ballungsräumen angespannt ist. Selma März wechselte im Frühsommer 2020 zum Bezirk Oberbayern, um sich der Wohnraumkoordination anzunehmen. „Ich finde es sehr spannend, über Netzwerke Kräfte aus verschiedenen Gesellschafts­bereichen zu bündeln“, beschreibt März ihre Motivation. Die studierte Human­geographin war zuvor zehn Jahre lang Projektleiterin bei der Münchner Gesellschaft für Stadterneuerung. Hier kümmerte sie sich um die Städtebauförderprogramme „Aktive Stadt- und Ortsteilzentren“ sowie „Soziale Stadt“. „Menschen mit Behinderungen, für die der Bezirk Oberbayern zuständig ist, sind in der Regel auf staatliche Unterstützungsleistungen angewiesen — in Form von Grundsicherung, Hilfe zum Lebensunterhalt oder Leistungen nach dem SGB II. Allerdings sind Wohnungen, die im Rahmen der sozialhilferechtlich angemessenen Miete refinanziert werden können und die auf Grund ihrer Lage und ihrer Anbindung an notwendige Infrastruktur und ambulante Hilfesysteme geeignet wären, auf den angespannten Wohnungsmärkten in viel zu geringer Zahl zu finden“, fasst sie die Herausforderungen zusammen.

Gleiche Chancen auf Immobilienangebote

Seit Mai 2020 arbeitet März nun daran, das im Bezirk vorhandene Wissen rund um das Thema „Inklusives Wohnen“ in die Planung und Entwicklung der oberbayerischen Kommunen einzubringen. Ebenso sucht sie den Dialog mit kommunalen und privaten Wohnbaugesellschaften sowie mit Genossenschaften in Oberbayern. „Ich versuche, Vorbehalte gegen eine Vermietung an unsere leistungsberechtigten Personen zu verringern. Indem man verlässliche Betreuungssysteme und Partnerschaften mit Anbietern und Diensten vermittelt, können viele Sorgen ausgeräumt werden. Und über die im Bezirk erfassten Kennzahlen und Bedarfe für die jeweilige Region gelingt es, die Situation von Menschen mit Behinderungen greifbarer zu machen“, weiß März zu berichten. Private Immobilien­angebote, die sie selbst ermittelt oder die an den Bezirk herangetragen werden, leitet März über einen zentralen Verteiler weiter und trägt so dazu bei, dass alle denselben Informationsstand und damit die gleiche Chance auf ein Immobilienangebot haben. „Leider konnte ich mich wegen Corona noch nicht bei allen Akteuren persönlich vorstellen“, bedauert Selma März. Und auch die Besichtigung von innovativen Wohnprojekten in Oberbayern musste bisher verschoben werden. „Wir haben aber die Zeit genutzt, um uns beispielsweise die Versorgung mit Wohnungen in den einzelnen Regionen noch genauer anzusehen“, berichtet März, deren Stelle bei der Strategischen Sozialplanung des Bezirks angesiedelt ist. Einzelne Gremien finden zudem online statt, sodass März bisher ein durchweg positives Resümee ziehen kann. „Wir bekommen viel Zuspruch dafür, dass der Bezirk sich dieser Fragen und Aufgaben nun mit einer eigenen Stelle annimmt“, berichtet März. „Ich bin zuversichtlich, dass wir dazu beitragen können, dass mittel- bis langfristig mehr bezahlbarer und geeigneter Wohnraum für Menschen mit Behinderungen zur Verfügung steht. Natürlich freue ich mich jederzeit auch über Anregungen oder Wünsche zu meiner Tätigkeit als Wohnraumkoordinatorin beim Bezirk Oberbayern!“ (cmy)

Bericht und Foto: Bezirk Oberbayern –  Seit 2020 beim Bezirk Oberbayern: Selma März

 

 

Über den Autor

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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