Leitartikel

Nikolaus-Erinnerungen von Hans-Dieter Dummert in Prien

Veröffentlicht von Anton Hötzelsperger

Bald kommt wieder der Nikolaus, gegebenenfalls auch der Knecht Ruprecht ins Haus, denn es kommt der Vorabend des Heiligen Nikolaus, dessen Namens- und Gedenktag heuer am Sonntag, 6. Dezember ist. Dann wird der Nikolaus den Kindern und Eltern das eine oder andere Geschehen aus dem zu Ende gehenden Jahr erzählen. Viel zu erzählen über 40 Jahre als Dienst im Nikolaus-Gewand weiß Hans-Dieter Dummert aus Prien.

Der langjährige Pfarrgemeinderatsvorsitzende erinnert sich gut und gerne an diesen Dienst. „Insgesamt habe ich 2.750 Besuche abgestattet, meine Auftrittsorte waren über Prien hinaus im ganzen Chiemgau, die weiteste Anfahrt hatte ich mal bis ins Schwabenland aufgrund einer privaten Freundschaft“ – so Hans-Dieter Dummert. Besucht wurden aber nicht nur private Haushalte, sondern auch Institutionen aller Art wie zum Beispiel Kindergärten, Schulen, Altenheime, Krankenhäuser, Kirchenchöre, Ministeranten oder die Polizei-Inspektion. Sein Amt verstand Dummert immer so: „Innerlich war ich immer mit den Familien, besonders wenn es im Laufe des Jahres Schicksalsschläge gab, verbunden, den Kindern wollte ich niemals Angst einjagen, aber von ihnen wollte ich doch Respekt erwarten. Letztlich konnte ich in 15 Minuten nicht all das zurechtbiegen, was die Eltern eventuell das ganze Jahr über versäumt haben“.

Wie kam Hans-Dieter Dummert zu seiner Nikolaus-Karriere? Es war im Herbst 1973 als er für seinen Sohn Harald den Nikolaus in Person von Josef Reichvilser bestellte, dieser hatte das Amt bereits 25 Jahre inne. „Da gab mir Herr Reichvilser zu verstehen, dass er wegen eines Unfalls nicht mehr als Nikolaus gehen könne und er schlug vor, dass ich es doch selbst machen sollte – ich überlegte und sagte zu“. Der 5. Dezember 1973 war dann Premieren-Tag, bereits am morgen war Dummert nach seinen Erinnerungen höchst aufgeregt, doch nach 19 Familien-Besuchen war die Premiere erfolgreich – bis auf den dritten Besuch. „Da passierte mir beim Eintritt ins Wohnzimmer ein Malheur, ich hatte den Stab an den Schrank gelehnt, die aufgeregte Oma stolperte drüber, der Stab fiel krachend zu Boden und zerbrach. Dank eines guten Klebers konnten wir die Fahrt durch Prien fortsetzen“. Wenige Tage später wurde der Heilige Nikolaus noch für die Weihnachtsfeier beim örtlichen Roten Kreuz bestellt, dabei galt es 13 maschinengeschriebene Seiten in Versform zu verlesen, die Verse dichtete Paula Wörndl. 1974 besorgte sich Hans-Dieter Dummert eine eigene Gewandung nachdem er im ersten Jahre diese von Josef Reichvilser ausgeliehen hatte. „Mein Chaffeur war auch der Krampus, 15 Jahre machte dies Edi Guggenbichler, er hatte einen prächtigen Hasenfellmantel“ – so Dummert, der in diesem Jahr auch noch an einen Sonder-Besuch machte beim Altenclub unter der damaligen Leitung von Regina Moosbauer und in geistlicher Betreuung von Pfarrer Andreas Blas (ein Jahr später wurde Pfarrer Konrad Huber der Hausherr in Priener Kirche sowie im Priener Pfarrhof und Pfarrheim).

Prämierung beim Nikolaustreffen vom Traunsteiner Oberbürgermeister

Natürlich gab es auch viele lustige Begebenheiten, so 1974 als er einen Buben ermahnen sollte, nicht nachts rumzugeistern, sondern in seinem Bett zu bleiben, darauf antwortete der Bub: „Aber zum Bieseln darf ich doch aufstehen?“.  Gerne erinnert er sich an die Besuche im Kindergarten St. Irmengard bei Schwester Oberin Radolfa, nach dem ersten Jahr folgten noch weitere 34 Jahre. Das Wirken des Priener Nikolauses sprach sie im Guten über Prien hinaus herum. 1990 nahm Hans-Dieter Dummert als einer von 15 Nikolaus-Kollegen an einem Nikolaus-Treffen in Traunstein beim Christkindlmarkt teil. Bei der Prämierung bekam er vom Traunsteiner Oberbürgermeister den Ersten Preis. Das „Silber-Jubiläum“ des Nikolauses in Person von Hans-Dieter Dummert wurde 1997 im Sitzungssaal des Priener Rathauses mit den Priener Seniorinnen und Senioren und mit Bürgermeister Lorenz Kollmannsberger gefeiert. In den 40 Jahren waren natürlich alle denkbaren Witterungsumstände zu meistern. 1998 war ein besonders arger Schneesturm, da war zum Beispiel in Öd bei Rimsting keine Straße mehr zu erkennen, einer Familie im nahen Hötzelsberg musste abgesagt werden, ein Raufkommen auf den steilen Berg war einfach nicht möglich. Einmal, zehn Jahre später 2008 kam es am Seestraßen-Kreisel zu einem unverschuldeten Unfall. „Da staunte der Unfallverursacher, der auf unser Auto aufgefahren war, nicht schlecht, als aus unserem Auto der Krampus ausstieg“ – so eine weitere Erinnerung. Im Jahr 2010 trat Hans-Dieter Dummert für eine Kindersendung sogar im ARD-Fernsehen zur Mittagszeit auf. Zum Abschluss seines Rückblicks erzählt Hans-Dieter Dummert noch eine Anekdote von einem Buben, der ansonsten recht vorlaut war. „Als der Vater bei meinem Besuch den schweigenden Buben bat, doch etwas zu beten sagte dieser: Oh Herr, gib ihm die Ewige Ruhe“.

Fotos/Repros: Hötzelsperger – Hans-Dieter Dummert als Bischof Nikolaus unterwegs in den Jahren um 2011/2013

 

Über den Autor

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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