Corona-Krise

Neues Corona-Tagebuch von Karl Stankiewitz

Veröffentlicht von Anton Hötzelsperger

„Die Reiselust ist ungebrochen.“ Oft habe ich diesen Satz in den vergangenen Jahrzehnten gelesen oder – als Reisejournalist – selbst geschrieben. Noch keine Krise hat den deutschen und internationalen Tourismus auf Dauer gelähmt, immer mehr und immer wieder hat sich das Reisen zum Zweck der Erholung, Bildung oder einfach nur zur Abwechslung als ein Grundbedürfnis des heutigen Menschen erwiesen, vergleichbar dem Bedürfnis nach Arbeit und Obdach.

Anfang der Neunzigerjahre zum Beispiel hatten Terroraktionen, Bürgerkriege, Naturkatastrophen und auch Seuchen (Ebola) klassische Reiseziele in aller Welt gefährdet. Im bayerischen Fremdenverkehr indes schlugen damals andere Entwicklungen zu Buche: Rezessionen in Nachbarländern, der Abzug von NATO-Truppen und ganz besonders die – im Ausland mit Sorge beobachteten – Umtriebe von Neonazis.

Wohl aus diesen Gründen wurden im Jahr 1993 in München, dem mit 1,3 Millionen Ankünften führenden Reiseziel, immerhin 6,6 Prozent weniger Gäste registriert, die Ankünfte aus dem Ausland brachen sogar um 11,3 Prozent ein. Augsburg führte sein Minus von 9,4 Prozent ausdrücklich auf „ausländerfeindliche Ausschreitungen“ zurück. Und auch Nürnberg meldete einen „nie dagewesenen Tiefstand“. In der Münchner Touristischen Runde wurde der Aufbau eines Frühwarnsystems vorgeschlagen. Dann kam die globale Verunsicherung nach dem Terrorangriff vom 11.9.2011.

Jetzt also Corona: Wie wirkt sich die Pandemie auf den heimischen Tourismus aus? Da aus klassischen europäischen Urlaubsgebieten, etwa in Spanien und Kroatien, plötzlich wieder hohe Infektionsraten gemeldet wurden, konnten die heimischen Touristik-Anbieter eine Wiederbelebung erwarten. Einer vermeintlichen Trendumkehr wurde auch schnell Nachdruck verliehen durch Parolen wie „Urlaub dahoam“ oder – so der Seniorenbeirat der Stadt München – „Nichts wie raus“.

Dies führte zwar zu einer gewissen Entlastung der Städte, aber auch zu einer Belastung anderer Orte und Regionen. Die neue Massenwanderung von Ausflüglern und Feriengästen hin zu den eh beliebtesten Zielen im Alpenvorland trieb viele Einheimische auf die Palme. Plakataktionen in einigen Seegemeinden wirkten indes so unsympathisch und unsolidarisch, dass andere Bürgergruppen die „lieben Münchner“ nun wiederum umwerben. wohl auch mit Blick auf bessere Zeiten.

Praktische Lösungen sind gefragt. So plant man zur Entzerrung des Autoverkehrs in Garmisch-Partenkirchen einen Shuttle-Service und mittelfristig auch Parkhäuser – eine Idee, die der Tourismus-Verband Oberbayern aufgreifen will. Indes herrscht in großen Teilen des nach wie vor gern bereisten Landes Bayern weiterhin Ruhe, bedingt durch Corona. Das erlebte ich sogar in den attraktiven Städtchen entlang der Romantischen Straße; hier fehlen halt die Traditionsgäste, die Japaner.

In den Großstädten ist der einträgliche Messe- und Geschäftsreiseverkehr total eingebrochen. Daher lag die Zahl der Übernachtungen in München während der eigentlichen Hochsaison um 35 Prozent, die der gemeldeten Ankünfte sogar um 77 Prozent unter dem vergleichbaren Vorjahresstand. Die Hotels waren nur zu 35 Prozent ausgelastet, gegenüber 87 Prozent durchschnittlich im Jahr 2019. Die früher dominierenden Amerikaner bleiben fast ganz aus. Nur aus den Nachbarländern zeigt sich zaghaft eine Wiederbelegung an. Noch aber hat Münchens touristischer Hotspot, das Platzl, seine gewohnte Geschäftigkeit nicht zurückgewonnen. Leer sind die Souvenirshops, halbleer die Hallen des Hofbräuhauses, wo schon am Eingang eine Wand voller Warnungen eher abschreckt als zur legendären Gemütlichkeit einlädt. (Siehe Bilder).

Bericht und Bilder: Karl Stankiewitz

 

Über den Autor

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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