Leitartikel

Neues Chiemseehospiz in Bernau für ein Lebensende in Würde

Anton Hötzelsperger
Veröffentlicht von Anton Hötzelsperger

Dem Leben an seinem Ende seine Würde geben – das ist die zentrale Aufgabe und Botschaft der neuen Einrichtung Chiemseehospiz in der Gemeinde Bernau. Wie berichtet wurde dort inmitten des Ortes nach siebenjährigen Überlegungen und Planungen sowie nach eineinhalbjähriger Bauzeit eine Einrichtung geschaffen, die ab 10. November für zehn Mitmenschen Platz bietet. Bauherr und Träger ist das gemeinsame Kommunalunternehmen (gKU) Chiemseehospiz der Landkreise Berchtesgadener Land, Traunstein und Rosenheim sowie der Stadt Rosenheim. Kurz vor Inbetriebnahme konnte das 6,2 Millionen teure Bauwerk eingeweiht werden.

Mehrere Glücksfälle haben es ermöglicht, dass der lang gehegte Wunschgedanke einer Hospiz für die Region zwischen Inntal, Wasserburg und Berchtesgadener Lad Wirklichkeit wurde. Wie Alois Glück, vormaliger Präsident des Bayerischen Landtags als Vorsitzender des Fördervereins Chiemseehospiz und als vielfacher Türöffner bei Politik und Wirtschaft bei der Einweihungsfeier im coronabedingt kleinen Kreise erläuterte, begannen die ersten Gespräche im Sommer 2013. „Die Gedanken, für unsere Region eine Hospiz-Einrichtung in enger Abstimmung mit den vorhandenen Hospizvereinen anzustreben, fielen dann im Jahr 2016 bei den damaligen Landräten Georg Grabner (Berchtesgadener Land), Siegfried Walch (Traunstein) und Wolfgang Berthaler (Rosenheim) sowie bei Rosenheims Oberbürgermeisterin Gabriele Bauer auf fruchtbaren Boden. Bis es nunmehr zum guten Abschluss in weiterhin bester Abstimmung mit den Nachfolgern in den kommunalen Ämtern kam, galt es doch einige Hürden zu meistern, was uns aber im guten Geiste der Gemeinschaft gelang“ – so Alois Glück, der als wertvolle Glücksfälle Vorstand Stefan Scheck und seinen Vorgänger Günther Pfaffeneder bezeichnete. Stefan Scheck, seit neun Jahren Vorstand des Hospizvereins in Prien bringt für sein Amt seine langjährigen Erfahrungen im Pflege- und Hospizbereich ein und Günther Pfaffeneder als vormaliger Geschäftsführer der Romed-Kliniken hat große Erfahrungen im Gesundheitswesen.

Ein Bauwerk mit Funktionalität und Emotionalität

Als Glück bei der Einweihungsfeier des Gebäudes mit Dekan Daniel Reichel aus Rosenheim wurde auch die Architektengemeinschaft Sweco GmbH (München-Berlin) bezeichnet. Rosenheims Landrat Otto Lederer als Vorsitzender des Verwaltungsrates des Chiemseehospiz gKU sagte hierzu nach einer ausführlichen Besichtigung des Hauses: „Funktionalität und Emotionalität harmonieren in diesem Haus mit viel Transparenz“. Und Dipl.-Ing. Architektin Claudia Specht von Sweco GmbH erwiderte dieses Lob mit den Worten: „Dieses Projekt entstand von vielen Seiten mit viel Herzblut, fast 100 kleinere und größere Firmen waren am Bau und mit der Ausstattung beteiligt. Uns allen war bewusst, dass wir ein Haus für besondere Situationen bauen, das letztliche Gelingen ist auf das gegenseitige Vertrauen zurückzuführen“.

Nicht einfach war die Finanzierung, letztlich gelang diese aufgrund enormer Spendenbereitschaften. Die örtlichen Hospizvereine aus den drei Landkreisen Berchtesgadener Land, Traunstein und Rosenheim sammelten insgesamt 1,3 Millionen Euro, eine Weihnachts- und Leser-Spendenaktion des Oberbayerischen Volksblattes im Jahr 2017 erbrachte über 600.000 Euro und zahlreiche Einzelspenden gingen ein, als die Planungen und Gedanken für ein Chiemseehospiz bekannt gemacht wurden. Eine der Einzelspenden waren 30.000 Euro der Rotarier von Rosenheim, deren Spende wurde verwendet, um in den zehn Hospiz-Zimmern hochwertige Betten zu finanzieren. „Die Betten wir auch die Zimmer sind allesamt flexibel und von hoher Qualität, die Menschen, die zu uns auf ihrem letzten Lebensabschnitt kommen, sollen möglichst nahe an ihren bisherigen Lebensgewohnheiten untergebracht werden“ – so Vorstand Stefan Scheck beim Rundgang durch das Haus, der in einem eigenen Raum der Stille endete.

Insgesamt 23 Vollzeit-Kräfte, davon allein 16 für die Pflege stehen in der Chiemseehospiz zur Verfügung, unterstützt werden sie von ehrenamtlichen Kräften der Hospizvereine. Wie Ruth Wiedemann aus Traunstein als Leiterin der Hospiz   weiter informiert, werden sowohl die Katholische als auch die Evangelische Kirche eigenes Personal für die Betreuung der Menschen im Chiemseehospiz benennen. „Dass die Bevölkerung diese Einrichtung, die mit Hausärzten, mit der Spezialisierten Ambulanten Palliativversorgung (SAPV)   und mit den Hospizvereinen eng zusammenarbeitet, so gut annimmt ist für uns besonders wichtig, dies spürten wir während der gesamten Bauzeit durch die unmittelbare Nachbarschaft und letztlich von Anbeginn der Planungen durch eine hohe Spendenbereitschaft aus der gesamten Region“ – mit diesen Worten bedankte sich Chiemseehospiz-Fördervereins-Vorsitzender Alois Glück  bei allen Beteiligten.

Ab 10. November werden die ersten Bewohner im Chiemseehospiz erwartet. Der Aufenthalt ist für diese kostenlos, 95 Prozent der Kosten werden von den Kranken- und Pflegekassen übernommen, den Rest übernimmt die Chiemseehospiz gKU. Weitere Informationen gibt es auf der Seite www.chiemseehospiz.de.

Foto/s: Hötzelsperger – 1. Mit dem Haus von links: Alois Glück –  Stefan Scheck – Ruth Wiedemann – Günther Pfaffeneder – Otto Lederer – Dekan Reichelt – Claudia Specht. 2. Besichtigung im Zimmer bei der Segnung mit Dekan Daniel Reichel 3. Weitere Eindrücke…..

 

 

Über den Autor

Anton Hötzelsperger

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

Schreibe einen Kommentar

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

Beiträge und Fotos sind urheberrechtlich geschützt!