Land- & Forstwirtschaft

Neue Ausgabe Der Vierzeiler zum Thema Wild, Wald & Jägerei

Veröffentlicht von Anton Hötzelsperger

An Auerhåhn ’s net intressiert

wem sei Stubn posthum er ziert,

weil: Ausgstopft is des Frohsein schwa

– beim Jaga UND beim Wüdara!

 Liebe Mitglieder des Steirischen Volksliedwerks, liebe Leserinnen und Leser!

 Die ersten Zeilen eines Leitartikels sind mir noch nie so schwergefallen wie dieses Mal. Denn die Tatsache, dass Herbert Krienzer am 4. Juli 2020 von uns allen für immer Abschied genommen hat, lähmt nach wie vor meine Gedanken. Herbert war, wenn man das so sagen darf, der „beste“ Freund des Hauses und ich kenne kaum jemanden, der sich mit Volkskultur bzw. musikalischer Volkskultur derart identifizierte wie er. Herbert Krienzer wird im Steirischen Volksliedwerk eine große Lücke hinterlassen, denn er war die letzten fast 25 Jahre ein verlässlicher, kreativer Partner und Multiplikator, dem es eine Herzensangelegenheit war, so viele Interessierte wie möglich von der Schönheit und Kraft der Volksmusik bzw. des Singens und Jodelns zu überzeugen und zu begeistern – mit viel Erfolg.

Lieber Herbert, mir bleibt leider nur noch die Gelegenheit, Dir in diesen Zeilen für alles was Du für das Steirische Volksliedwerk, aber vor allem für alles, was Du für uns als Mensch und guter Freund geleistet hast, zu danken. Wir, die MitarbeiterInnen und der Vorstand, wünschen Dir, dass Du an Deinem jetzigen Ort Ruhe und Zufriedenheit gefunden hast – Du wirst uns fehlen!

Eine kleine Reise in die Geschichte der Jagd

Möchte man der Geschichte der Jagd, einer der ältesten und ursprünglichsten Tätigkeiten der Menschheitsgeschichte, auf die Spur gehen, muss man in der Zeit weit zurückreisen – und zwar in die frühen Tage des Homo sapiens. Damals war die Jagd eine Notwendigkeit, um einen wesentlichen Teil des Nahrungsbedarfs zu decken, um aus Häuten und Fellen wärmende Kleidung herzustellen bzw. um aus Hörnern, Geweihen und Sehnen Werkzeuge und Waffen zu fertigen. Bis ca. 10.000 v. Chr. lebte nahezu die gesamte Menschheit als Jäger und Sammler. Mit der Sesshaftwerdung trat die Jagd als Ernährungsquelle nach und nach in den Hintergrund. Was folgte, war ein neuer, zusätzlicher Zweck der Jagd: Schutz der Viehherden vor Raubtieren und Eindämmung der landwirtschaftlichen Schäden durch wilde Pflanzenfresser.[1] Die heutige Notwendigkeit der Jagd ist Jahrtausende später natürlich eine andere: Die rund 24.000 Jägerinnen und Jäger in der Steiermark sehen ihre Hauptaufgabe in der Regulation der Wildtierbestände.[2]

Dås Gamserl schiassn is mei Freid …

Die jagdliche Kultur ist eng mit der musikalischen bzw. volksmusikalischen Kultur verbunden. Man denke an die zahlreichen Signale, die bei nahezu allen jagdlichen Anlässen dargebracht werden – „Halali“ oder „Sammeln der Jäger“, um nur zwei Beispiele zu nennen.

Stöbert man ein bisschen im Steirischen Volksliedarchiv, bemerkt man, dass es eine große Anzahl an überlieferten Jäger- und Almliedern aus vielen Regionen der Steiermark gibt, die aus der gegenwärtigen Sing- und Musizierpraxis nicht wegzudenken sind. Vermutlich noch größerer Beliebtheit erfreuen sich allerdings Lieder, die sich mit dem verbotenen Stand des Wildschützen beschäftigen. Die oft balladenhaften Erzählungen beschreiben ihn häufig als legendenhafte Gestalt – die Grenzen von Recht und Unrecht verschwimmen meist zu seinen Gunsten. In meinem Heimatort Eisenerz wird von den einheimischen MusikantInnen gerne der „Wildschützenmarsch“ zum Besten gegeben, bei dem das Trio mittlerweile einer lokalen Hymne gleicht:

„Wohl ihm gehört ´s Gebirg, der Wåld hul-jo, dås Dirndl dås ihm gfållt hul-jo, a Wüdschütz möcht i sei.“

Diese Textzeile wird, meist zu fortgeschrittener Stunde, mit so viel Emotion und Energie gesungen, dass sich selbst erfahrene MusikantInnen aus meinem Bekanntenkreis beeindruckt zeigten.

Jagd, Wild und Wald

Das Thema Jagd steht aber nicht allein im Mittelpunkt unseres Vierzeilers: Vielmehr geht es uns um die Verbindung Jagd, Wild und Wald. Den Anfang macht Museumsleiter Karlheinz Wirnsberger, der einen interessanten Überblick über die Kulturgeschichte der Jagd gibt. Die Vermittlung von Wild-, Wald-, Natur- und Jagdwissen ist ein Herzensanliegen von Helmut Fladenhofer, der als Förster, Jäger und Waldpädagoge aus erster Hand spricht. Eine differenzierte Auseinandersetzung mit der Frage, ob bzw. inwiefern Jagd und Tierschutz vereinbar sind, ergibt sich im Interview mit Tierschutz-Ombudsfrau Barbara Fiala-Köck. Einen lebensnahen Einblick in die Verbindung Jagd–Volksmusik geben die beiden Musikanten und Jäger Michael Weissensteiner und Paul Loibner. Der starken Verbindung von Jagd und Musik trägt abschließend der Hornist und Verleger Markus Bachmann noch einmal Rechnung, der sich mit der Geschichte des Jagdhorns beschäftigt.

Der seit Menschengedenken hohe Stellenwert der Jagd sowie die von ihr ausgehende Faszination und Brisanz werden wohl weiterhin genügend Stoff für volkskulturelle Verarbeitungen liefern: Sei es in lustigen, emotionsgeladenen oder romantisierenden Geschichten und Anekdoten oder in Musikstücken und Liedern.

Mag. Christian Hartl, MA – Geschäftsführer des Steirischen Volksliedwerks  –  Foto: Helmut Fladenhofer

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Der Vierzeiler – prämiert mit dem Österreichischen Zeitschriftenpreis 2019, erhältlich über das Steirische Volksliedwerk

[1] Joachim Hamberger: Ein kurzer Abriss der Jagdgeschichte … In: LWF aktuell. Nr. 44, 2004, S. 27.

[2] www.jagd-stmk.at/wild-und-lebensraum/wilde-steiermark/

Weitere Informationen“: https://www.steirisches-volksliedwerk.at/

 

Über den Autor

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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