Land- & Forstwirtschaft

Milchpreisvergleich 2020 – Molkerei BGL Spitze

Anton Hötzelsperger
Veröffentlicht von Anton Hötzelsperger

Die aktuell veröffentlichte Milchpreistabelle bestätigt im Vorfeld der Generalversammlung der Molkereigenossenschaft Milchwerke Berchtesgadener Land Chiemgau eG den eingeschlagenen Kurs bei den Mitgliedern, den 1.800 Landwirten der Molkerei. Denn in allen veröffentlichten Tabellen besetzt die bayerische Molkerei die Spitzenposition und zahlt im Durchschnitt des letzten Jahres – wie auch schon die 15 Jahre vorher – für konventionelle und Bio-Milch in Deutschland und auch in Österreich den höchsten Milchpreis.

Corona befeuert den privaten Lebensmittelkonsum. Die Deutschen kochen und backen wieder. Als Grundnahrungsmittel sind Milch, Sahne, Butter und Topfen daher in Supermärkten gefragt wie schon seit Jahren nicht mehr. Lassen sich doch aus ihnen vielseitige und gesunde Gerichte zuhause herstellen. Seit den im letzten Frühjahr unterbrochenen Lieferketten und Lücken in den Supermarktregalen schätzen Verbraucher regionale Produkte mit Herkunftsgarantie wieder mehr wert. Dieses veränderte Konsumverhalten spürt man auch in der Molkerei Berchtesgadener Land. Trotz der Umsatzeinbußen bei Großgebinden aufgrund der geschlossenen Gastro konnte die Milch durch die gestiegene Nachfrage nach regionalen Produkten im Einzelhandel vermarktet werden. Die Molkereigenossenschaft, die sich seit Jahren für faire Erzeugerpreise für die Landwirte einsetzt, beteiligte die Landwirte an den Mehrerlösen. Das zeigen die aktuell vom führenden Fachmagazin Top agrar1 und Top agrar Österreich2 veröffentlichten Milchpreistabellen: Die Molkereigenossenschaft im Südosten Bayerns führt diese an – und zwar bei den Milchpreisen für konventionelle Milch wie für Bio-Milch in Deutschland und auch in Österreich.

So zahlte die Molkerei brutto 42,11 Cent/kg3 für konventionelle Milch und 54,66 Cent/kg für Bio/Demeter-Milch, während der Durchschnittspreis aller deutschen Molkereien bei 36,35 Cent/kg konventioneller und 53,46 Cent/kg Bio-Milch lag. Zusätzlich zahlte die Molkerei allen Mitglieder in der ersten Coronawelle eine Soforthilfe von 1000,- Euro, um die akuten Ausfälle aus Urlaub auf dem Bauernhof, aber auch gesunkene Fleisch- und Holzpreise abzufedern. Die Milchpreise enthalten Bewegungsprämien für Laufstallhaltung mit Laufhof und im Sommer 120 Tage Weide. Im März 2021 wurde der Auszahlungspreis nochmals um 1 Cent erhöht. Ein wichtiger Beitrag, um den Strukturwandel zu bremsen und kleine Familienbetriebe in der Milchwirtschaft zu halten.

Landwirte profitieren von Genossenschaft   –  Der überdurchschnittliche Milchpreis ist für die bäuerlichen Familienbetriebe in der Alpenregion allerdings auch lebensnotwendig. Stellvertretend für die Bio-Landwirte
der Molkerei Berchtesgadener Land beziehen Josef und Martina Ramstetter aus Teisendorf Stellung. Sie haben den Hof 2017 übernommen, der seit 11 Jahren Mitglied der Genossenschaft ist. Heute halten sie 28 Kühe im modernen Laufstall. Seit 2010 wird der Hof nach Naturland- Richtlinien bewirtschaftet. „Fairness spielt in einer Genossenschaft grundsätzlich eine große Rolle. Alle Vorstände und der Aufsichtsrat sind bei uns aktive Milchbauern, die von allen gewählt werden. Ob Vollerwerb oder wie bei uns im Nebenerwerb – jedes Mitglied hat das gleiche Stimmrecht. Und auch das Milchgeld der Molkerei Berchtesgadener Land ist überdurchschnittlich hoch, fair und spiegelt die Arbeit, die wir in die Gesundheit unserer Tiere und in die Pflege der Natur investieren, wieder. Die Genossenschaft kann diesen Preis deshalb zahlen, weil die Verbraucher unsere Arbeit respektieren und honorieren. Das ermöglicht es uns, am Ball zu bleiben, bestes Futter zu verwenden oder zum Beispiel unsere Tiere mit homöopathischen Mitteln zu behandeln.“

Alois Kramer, Bergbauer aus Krün im Garmischer Landkreis, ist seit 7 Jahren Mitglied der Genossenschaft und bewirtschaftet seinen 300 Jahre alten Hof konventionell mit ca. 40 Kühen in Krün im Zugspitzgebiet. „Ohne die wirklich deutlich überdurchschnittlichen Milchpreise hätten wir in der Bergregion keine Chance unsere Höfe noch an die nächste Generation weiterzugeben. Denn wenn der Betrieb keine Luft mehr hat für Investitionen, dann ist das langfristig das Ende. Umsonst bekommen aber auch wir nichts von unserer Molkerei. Alle Betriebe müssen gentechnik-frei füttern, dürfen keine Totalherbizide mehr einsetzen und füttern seit 2017 nur noch Futtermittel aus Europa.

Martin Sappl bewirtschaftet seinen Hof mit angeschlossener Fischzucht bei Bad Tölz. Seine Kühe hält er im Laufstall und im Sommer auf den weitläufigen Wiesen rund um den Hof. Mitglied in der Genossenschaft Berchtesgadener Land ist der Hof seit 1995, seit 2011 bewirtschaften seine Frau Veronika und er den landwirtschaftlichen Betrieb konventionell und halten heute 45 Kühe. Seit 2014 engagiert er sich im Ehrenamt der Molkerei und ist gewählter Vertreter im Aufsichtsrat. „Über den überdurchschnittlichen Milchpreis sind wir wirklich sehr dankbar. Er ist deshalb möglich, weil unsere Molkerei – ein moderner und leistungsfähiger Betrieb – effizient produziert und Wertschöpfung ermöglicht. Private Entnahmen gibt es in einer Genossenschaft nicht. So fließen die erwirtschafteten Gewinne ausschließlich in Form von Investitionen zur Standortsicherung in die Molkerei und gehen als Auszahlung an uns Landwirte mit dem monatlichen Milchgeld.“

Marinus Spann ist Bergbauer in Bad Feilnbach. Er bewirtschaftet gemeinsam mit seiner Frau Veronika den „Berger-Hof“ mit seinen 53 Milchkühen. Der Betrieb ist seit dem Tag der Hofübernahme im Jahr 2013 Mitglied der Genossenschaft Berchtesgadener Land. „Die Milch stellt für unsere Arbeit die wichtigste Einnahmequelle dar. Ein guter Milchpreis lässt uns zuversichtlich in die Zukunft schauen. Er ermöglicht uns notwendige Investitionen und ein auskömmliches Einkommen. Ohne diese Grundlagen wäre es meinen Kindern eines Tages nicht mehr möglich den Hof weiterzuführen. Ein überdurchschnittlicher Milchpreis spornt uns an, das in uns gesteckte Vertrauen der Verbraucher zu erfüllen.“

Bergbauer Thomas Bachler mit seiner Frau Ursula ist erst seit 2020 Mitglied der Genossenschaft und bewirtschaftet seinen 350 Jahre alten Hof konventionell mit 86 Kühen in Fieberbrunn bei Kitzbühel in Tirol. Im Sommer
sind seine Kühe auf der Alm unterhalb des Kitzbüheler Horns. „Die Genossenschaftsmolkerei im Berchtesgadener Land ist Luftlinie gerade mal 50 km entfernt und zahlt schon seit Jahren einen überdurchschnittlichen Milchpreis. Der Betrieb ist technisch auf dem neuesten Stand und hat sich über die Jahre ein tolles Premiumsortiment aufgebaut. Daher waren wir überzeugt, dass das der richtige Partner für unseren Hof ist. Über die Aufnahme im letzten Jahr waren wir überglücklich. Herausfordernd war dabei, die Molkerei zu überzeugen, die Milch nicht nur im Winter im Tal, sondern im Sommer auf der 1.500 Meter hoch gelegenen Alm zu erfassen. Denn von Mai bis September werden unsere Kühe auf der Alm gemolken.“

Bericht und Foto: Milchwerke Berchtesgadener Land – Josef und Martina Ramstetter, Teisendorf

 

Über den Autor

Anton Hötzelsperger

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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