Kultur

Napoleon-Ausstellung in Riedering geht in die Verlängerung

Veröffentlicht von Anton Hötzelsperger

Eine besondere Ausstellung für die Gemeinde Riedering hat der Hobby-Historiker und Sondengeher Markus Müller zum Thema „Napoleons Truppen in Riedering“ zusammengestellt. Im Dezember des Vorjahres waren es 220 Jahre, dass die Schlacht von Hohenlinden stattfand (und heuer werden es 200 Jahre am 5. Mai, dass Napoleon Bonaparte verstarb). Am 9. Dezember im Rahmen des Rückzuges der verbündeten Truppen vom Kaiserreich Österreich und vom Kurfürstentum Bayern schlug die Napoleonische Rhein Armee im Landkreis Rosenheim fürchterlich zu. Die nunmehrige Ausstellung im Sitzungssaal-Gebäude der Gemeinde Riedering informiert über die damalige Situation, über von Markus Müller selbst entdeckte Bodenfunde und Erinnerungen sowie über Nachbildungen.

Eine Nachbildung von Ausstellungsmacher Markus Müller ist das Modell der Schiffsbrücke, die die Franzosen beim heutigen Raubling über den Inn in Richtung Neubeuern in der Nacht vom 8. auf 9. Dezember in kürzester Zeit geworfen haben. Vorher am 7. Dezember wurde der Übergangspunkt ausgespäht und so kamen am 9. Dezember die ersten französischen Truppen über den Inn.  Die vorher einzige Inn-Brücke bei Rosenheim  (ansonsten gab es nur Fährverkehr) war vorher von den sich zurückziehenden österreichischen Truppen abgebrannt worden, um der Verfolgung durch die Franzosen zu entgehen. Durch die Behelfsbrücke allerdings konnten die Truppen von Napoleon den Inn überqueren und es kam zu den Riederinger Auseinandersetzungen.

Eigentlich war die Eröffnung der Ausstellung im Dezember durch Landrat Otto Lederer geplant, doch Corona kam dazwischen. Inzwischen beteiligten sich rund 400 Besucher an den Führungen. Die Gemeinde Riedering entschied nunmehr wegen des Interesses, die Ausstellung bis Ende Oktober zu verlängern. Die Öffnungszeiten an den Wochenenden samstags, 11.9., 18.9., 9.10. und 23.10 sowie sonntags, 12.9., 19.9., 10.10. und 24.10   sind jeweils mit Führungen von 10 Uhr bis 12 Uhr, von 12 Uhr bis 14 Uhr, von 14 Uhr bis 16 Uhr sowie von 16 bis 18 Uhr. Voranmeldungen bei Markus Müller, Telefon 0151-70330652 sind erforderlich. Weitere Informationen werden aktuell bei der Gemeinde Riedering auf der Seite www.riedering.de veröffentlicht.

Fotos: Hötzelsperger – Eindrücke von der Ausstellung „Napoleons Truppen in Riedering“, erstellt von Markus Müller.

Beitrag von Radio Charivari zur Ausstellung „Napoleons Truppen in Riedering“ – im Wortlaut

Dezember 1800 – Die französischen Truppen sind siegreich in der Schlacht um Hohenlinden; die österreichischen und bayerischen Soldaten sind auf dem Rückzug. Eine richtige Schlacht gab es in unserer Region nicht. „Man nennt das Ganze ein Scharmützel oder ein Gefecht; ein wildes Aufeinandertreffen. Das ist der feine Unterschied zu Hohenlinden; Hohenlinden war eine Schlacht, das heißt, diese Truppen haben sich verabredet an einem festen Ort, zu einer festen Zeit, um da wirklich einen Sieger auszufechten. Und das war bei uns nicht mehr der Fall.“ Das erzählt der Initiator der Ausstellung, Markus Müller. Obwohl es sich nur um ein Scharmützel gehandelt hat, wurde ordentlich geschossen. Denn der Hobbyschatzsucher hat bei seinen Gängen mit dem Metallsuchgerät Hunderte von Musketenkugeln gefunden. „Kanonenkugeln, Waffenteile, die im Boden liegengeblieben sind, also es ist sehr, sehr umfangreich, das Ganze, was im Boden heute noch versteckt ist.“ Aber nicht nur Musketen- und Kanonenkugeln, sondern auch Nachbildungen von Waffen, eine original erhaltene bayerische Marschtrommel und vieles mehr gibt es in der Ausstellung in Riedering zu sehen. Darunter auch Müllers Lieblingsfundstücke: „Mit das absolute Highlight für mich war einmal der Uniformknopf aus der Zeit der französischen Revolution, den ich gefunden habe. Das war mein endgültiger Beweis, also ein sehr emotionaler Fund. Und dann in dem Jahr noch das Glück gehabt, am Karfreitag eine sogenannte Kukille, ein Gußformteil, wo man Musketenkugeln gießen kann.“ Seit seinen ersten Funden fasziniert ihn die Geschichte der napoleonischen Truppen in der Region. 200 Jahre später die Geschehnisse zu rekonstruieren ist aber auch nicht immer leicht. Müller greift z.B. auch auf die Darstellungen der Kämpfe auf Votivbildern in Kirchen zurück. „Meistens ist es eben bei Votivbildern so, dass es um das Leid der Bevölkerung geht; von dem Ereignis her, sind aber sehr wichtige Zeitzeugnisse, wenn man sich damit auseinandersetzen will, was in der eigenen Heimat passiert ist.“ Und aus all diesen Puzzlestücken ergibt sich dann ein Gesamtbild dessen, was sich hier bei uns abgespielt hat vor über 220 Jahren.

 

 

Über den Autor

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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