Kirche

Nachrufe im Wortlaut für Priens Ehrenbürger Hans-Jürgen Schuster

Veröffentlicht von Anton Hötzelsperger

Mit diesem Beitrag wollen wir die Nachrufe auf den im Alter von 77 Jahren verstorbenen Priener Ehrenbürger Hans-Jürgen Schuster im Wortlaut wiedergeben.

Nachruf Pfarrer Wackerbarth für Hans-Jürgen Schuster

Hier auf unserem Friedhof heiße ich alle willkommen, die zur Beisetzung von H.-J. Schuster gekommen sind. Besonders danke ich den Vereinen mit ihren Fahnenabordnungen, die die beengte Situation in und um unsere Christuskirche entlastet haben und uns hier auf dem Friedhof erwartet haben.

Wir nehmen Abschied von H.J. Schuster, unserem Vater, Schwiegervater und Großvater, unserem Onkel und Geschäftspartner, unserem Freund, Ehrenbürger und Bruder in Christus.

77 Jahre ist er alt geworden. Bis vor wenigen Monaten war er aktiv wie eh und je, fröhlich und voller Leben. Auch gezeichnet von seiner Krankheit, ja. Aber davon nicht gebremst in seinen Vorhaben und Plänen.

Als sich seine Erkrankung erstmals bemerkbar machte, stellten wir mit Schrecken und Sorge fest, dass es ja auch eine Zeit ohne H.-J. geben könnte. Seine belebende Präsenz war so selbstverständlich.

In den zurückliegenden über 30 Jahren konnten wir dank ihm ein permanentes Wachstum im Gemeindeaufbau verzeichnen, auch ein Zusammenwachsen der Konfessionen hier im Ort, sowie ein Zusammenstehen aller guten Kräfte, die für das Wohl unserer Marktgemeinde arbeiten. An allem war er maßgeblich beteiligt, meist der entscheidende Initiator. Nun geht diese Ära zu Ende.

Wir sind ihm sehr, sehr dankbar für alles, was er geleistet hat, zu leisten im Stande war. „Mit Freude“, wie H.-J. stets betont hat. Er wird uns fehlen – an allen Ecken und Enden.

Aber er wird in anderer Weise unter uns sein und uns zur Seite stehen, denn sein Leben ruht in Gottes Hand.

Ganz bewußt hat er in den letzten Wochen immer wieder sein Leben in Gottes Hände gelegt. Der Abschied ist H.-J. nicht leichtgefallen. Er hätte noch so viel vorgehabt. Aber nun ist es genug. Es war Zeit.

Einen fröhlichen Abschied hat H.-J. sich gewünscht.

Einen Abschied, der im Zeichen der Dankbarkeit gegenüber Gott steht und der die Zuversicht des Glaubens atmet.

„Aber wir werden auch sehr, sehr traurig sein“, habe ich H.-J. angekündigt. Das wollte er gar nicht so gerne hören.  Weil er sich als Werkzeug Gottes verstand und dankbar war, gebraucht zu werden. Da hat er ein wenig untertrieben, der H.-J.

Aber dass eine Beerdigung nicht nur eine Trauerveranstaltung sein muss, gerade auf dem Hintergrund unseres Glaubens, darin waren wir uns einig. Und deshalb setzen wir auch seine Wünsche um, mit unserem Gospelchor, mit einer jubilierenden Orgel, mit dem Chor seiner Enkelkinder, mit Posaunenchor nachher auf dem Friedhof und mit dem Lied, das er so mochte:

Von guten Mächten ….

 

Lieber Michael, liebe Claudia,

liebe Lermerei und Schusterei,

liebe Angehörige und Freunde von H.-J.

wo fange ich an bei H.-J.? Und wo höre ich auf?

Es ist so unendlich viel, was er angepackt, aufgebaut, umgesetzt und auf den Weg gebracht hat. Geschäftlich, kommunal, kirchlich. Ich hoffe, Sie haben genug Zeit mitgebracht. Oder sollte man eher seine Persönlichkeit beleuchten, die so besonders, so außergewöhnlich war. Für ihn gab es einfach keine Schublade, in die man ihn hätte stecken können.

Oder sollen sollten wir von seiner Familie sprechen, die so wichtigen Prägungen seiner Kindheit und Jugend, von seiner Rolle als Vater und Großvater und wie stolz er war auf seine Kinder, Schwiegerkinder und Enkelkinder?

Irgendwie gehört das alles aber zusammen. Das eine kann ohne das andere nicht wirklich beleuchtet werden. Licht und Schatten.

Vielleicht fange ich einfach mal mit seinem Terminkalender an. Miniatur-Ausgabe. IBM – immer besser manuell. So ein typischer H.-J.-Spruch. Mein Terminkalender war dagegen ein Waisenknabe.

Und kein Stöhnen. Dabei waren die Zeiten am Schreibtisch gar nicht eingerechnet. Protokolle studieren, Verträge prüfen, Ablage sortieren – H.-J.‘s Ablage war der Hammer! Er hatte alles griffbereit. Zum Wahnsinnigwerden für alle, die auf schnelle Vergesslichkeit hoffen. H.-J. war vorbereitet. Der Tag wollte ja genutzt werden. Und deshalb ging es früh los. 5.00 Uhr nach dem Aufstehen und der Bibellese, Schreibtisch.

Gegen diesen Ablauf kam nur das sommerliche Baden im Chiemsee an. Bei H.-J. brauchte man einen Termin. Zeitlich limitiert. Auch die Familie. Das klingt vielleicht lustig, ist es aber nicht.

Selten hatte er für sich einfach die Zeit . Er nahm sich Zeit:  Für kleine Reisen, das Kirchenvorsteher-Wochenende, Besuche der Kirchentage. Und dann wurde schon die Reise ein Genuss. Eine schöne Route mit lohnenden Abstechern. H.-J. wusste natürlich auch ein gutes Lokal. Und kaum saß man dort, war er schon im Gespräch mit den Nachbartischen. Unfassbar. Seinen Charme konnte sich kaum jemand entziehen. Und H.-J. kannte natürlich auch den Ort, aus dem der Gesprächspartner stammte. Konnte allerlei Wissenswertes einstreuen und auch dort ein gutes Lokal nennen. Zeit zu haben mit H.-J. war ein besonders Geschenk. Nicht vielen wurde das zuteil. Manche haben das schmerzlich vermisst.

Zeit wolle H.-J. nicht unnütz vergeuden. Sie sollte sinnvoll gefüllt sein. Auch Faulenzen war geplant und zeitlich begrenzt.  Nützlich sein, sich nützlich machen, der Gemeinschaft von Nutzen sein, das war H.-J.‘s Antrieb. Das hat er ganz früh gelernt. Einerseits ein Segen, andererseits auch eine Last. Weil das Sein seinen Wert verliert. Einfach sein und geliebt werden, wie man „ist“, nicht wie andere einen Nutzen haben. Das hat H.-J. nicht gelernt. Und es ist ihm nicht leichtgefallen, diese Seite zu sehen, geschweige denn zu leben. Anderen konnte er das jederzeit zugestehen, aber der sich selber …… ?

H.J. war gerne und viel unterwegs. Natürlich mit dem Auto. Immer pünktlich auf die Minute. Seine Planungen waren geradezu erschreckend perfekt. Er liebte diese Freiräume, brauchte Freiheit.

War es manchmal auch eine Flucht aus Beziehungen, die zu eng geworden waren, Flucht auch vor Auseinandersetzungen, die er als unrichtig betrachtete. Ja, gewiß. Aber nicht nur. Er war bis ins hohe Alter einfach neugierig. Lernte gerne neue Leute, neue Situationen kennen und hatte Vergnügen, Kontakte zu knüpfen. Da war sein Unternehmen genau das Richtige. Mit unbändiger Lust hat er Geschäfte gemacht, gefeilscht um einen guten Preis. Ein gefürchteter Verhandlungspartner war er, wenn es nicht um sein Geschäft, sondern um kommunale oder kirchliche Vorhaben ging. Aber auch hier hat sein Charme gesiegt und nie Verlierer zurückgelassen. Überhaupt das Geld – da war er ein Genie. Er hat jeden Cent umgedreht und Ausgaben hinterfragt. Gewissenhaft und sparsam. Gleichzeitig konnte er aber enorm großzügig sein und mutig, wenn es darum ging, außergewöhnliche Projekte zu finanzieren.

Ich erinnere mich an eine Beratung der Jahresrechnung unserer Gemeinde. Die Jugend- und Koni-….. hatte ihr Budget deutlich überzogen. Einige sorgenvolle Gesichter in der Runde. H.-J.: „Da rührt sich was. Bravo. Wo Geld ausgegeben wird, passiert auch was“. Ich hatte eine Jahresrechnung so noch nie betrachtet.

Er investierte auch gerne. In Menschen. Auch das war mir neu.

Nicht nur in Steine und Dinge investieren, sondern Menschen finanzieren, die unserer Gemeinde weiterhelfen, ob im Büro, in der Kirchenmusik, im Mesnerdienst … Jugend … Der Erfolg gibt ihm recht.

Nach seinem Ruhestand hat er dann als 2. Bürgermeister und Sozialreferent nochmal richtig Gas gegeben: bezahlbarer Wohnraum, Obdachlosenunterkünfte, Begleitung von Einzelpersonen in Notlagen, Besuche. Und natürlich der soziale runde Tisch. Von ihm ausgehend wird sich im September der Verein „Hilfe für Bürgerinnen und Bürger in Prien am Chiemsee“ gründen. Sie dürfen dreimal raten, wer das auf den Weg gebracht hat. Was müßte ich noch alles erwähnen? Erste Kinderkrippe, Neubau Marquette, Labyrinth der … Kirche, neues Gemeindezentrum, erste evangelische Schule im Dekanat – all das trägt seine Handschrift.

Welcher kleiner Vorsitzende eins Diakonie Vereins traut sich, eine Privatschule als evangelische Schule  zu übernehmen, die dazu noch 40 km weit weg ist?

Bewundernswert, dass H.-J. neben allem so ein Genießer war. Auch wenn der Genuß nur von kurzer Dauer war. Aber er war echt.

H.-J. besaß Kräfte, die nicht allein aus ihm selbst kamen. Er bezog seine Kraft aus dem Glauben, dass Gottes Liebe allen Menschen gilt. Besonders den Schwachen, Kranken und Armen. „Ich schäme mich des Evangeliums nicht“, dieser Satz des Apostels Paulus war sein Leitmotiv. In unserer Schwachheit Gottes Kraft mächtig werden lassen, das war sein Ziel. Und diese Kraft Gottes durfte er, durften wir erfahren.

Als ihn die Kräfte verließen, war der Glaube ihm der wichtigste Halt. Und dass er, der große Versorger, sich am Ende eurer Fürsorge, liebe Claudia und lieber Michael, überlassen konnte, ist für mich ein Wunder, das ich nur in meinem, in unserem Glauben werten kann.

In allen Schmerzen waren diese letzten Wochen noch mal eine ganz besonders intensive und glückliche Zeit. Und sein Sterben am Sonntag ein Segen.

Wir haben den Trost im gemeinsamen Abendmahl erfahren und können dankbar Abschied nehmen. H.-J. wird sich jetzt im Himmel nützlich machen, die Ablage ordnen, Petrus auf die Finger schauen, und er wird singen – ohne Maske und ohne Rücksicht nehmen zu müssen auf die Stimmbänder. Ja, von ganzem Herzen singen. Wenn wir leise sind, werden wir ihn hören. Amen.

 

Nachruf auf Hans-Jürgen Schuster von Erstem Bürgermeister Andreas Friedrich

Sehr geehrter Herr Pfarrer Wackerbarth,

liebe Renate Hof und lieber Michi Anner sen.,

liebe Stellvertreter im Bürgermeisteramt Michi Anner und Martin Aufenanger,

verehrte Mitglieder des amtierenden Marktgemeinderates und

verehrte Mitglieder des Marktgemeinderates aus vergangenen Wahlperioden,

liebe Vereinsvorstände und Fahnenabordnungen,

liebe Familienmitglieder, Angehörige und Freunde von Hans-Jürgen Schuster,

werte Trauergemeinde,

am vergangenen Sonntag verstarb im Alter von 77 Jahren unser Ehrenbürger Hans-Jürgen Schuster. Wir haben uns deshalb heute hier eingefunden, um einem Mann zu Gedenken, der über viele Jahre hinweg die Entwicklung unserer Heimatgemeinde geprägt und dabei sehr viele Menschen berührt hat.

Ich darf Ihnen, liebe Angehörige, an dieser Stelle zunächst die große Anteilnahme aus unseren beiden Partnerstädten Graulhet und Valdagno zum Ausdruck bringen. So schrieb mir erst gestern noch mein Amtskollege Blaize Aznar aus Graulhet, dass er Ihnen auch im Namen des dortigen Gemeinderates sein aufrichtiges Beileid in dieser traurigen Situation ausspricht.

Hans-Jürgen Schuster wurde am 04. Oktober 1943 im niedersächsischen Wesendorf im Landkreis Gifthorn als viertes von fünf Kindern geboren. Kurz nach dem 2. Weltkrieg zog die Familie nach Urschalling, wo sie gut aufgenommen und schnell heimisch wurde.

Nach der mittleren Reife absolvierte er bei der Firma Dunlop in Hanau eine Lehre zum Industriekaufmann. Er blieb dieser Firma stets treu und übernahm das Unternehmen schließlich als geschäftsführender Gesellschafter, als es verkauft wurde. Dieser beruflichen Tätigkeit ging er noch bis vor drei Jahren nach.

Ich erinnere mich noch daran, dass er einmal sehr von einer Geschäftsreise nach Holland geschwärmt hat und sagte, ich könnte gerne einmal mit ihm mitfahren. Leider haben wir dies zeitlich tatsächlich nie geschafft.

Sein kommunales Engagement begann am 19. Dezember 2001, als er als Nachrücker für den verstorbenen Franz Eisenrichter in den Marktgemeinderat einzog. Er gehörte diesem Gremium bis zum 30. April 2020, also fast 19 Jahre lang an.

In dieser langen Zeit war er zusätzlich in zahlreichen Ausschüssen und Gremien tätig. So war er

 Mitglied des Haupt- und Werkausschusses

Mitglied und Vorsitzender im Rechnungsprüfungsausschuss

Mitglied des Partnerschaftskomitees

Beirat bei der Klinik Kronprinz

Stiftungsrat der Kornegger-Stiftung

Sozialreferent und Betreuungshelfer

Mitglied in verschiedenen Arbeitskreisen zum Thema Verkehr

Vor allem in seiner Zeit als 2. Bürgermeister ab 01. Mai 2014 bis 30. April 2020 wurde dieses Engagement auf weitere Bereiche ausgeweitet:

Mitglied des Personalkompetenzteams

Mitglied des Kompetenzteams König-Ludwig-Saal

Aktivierung „Runder Tisch Soziales“ mit Kath. u. evang. Kirche, AWO, SkF

Initiierung Netzwerk „Gut leben im Alter in der Region Chiemsee“ zusammen mit Caritas, Diakonischem Werk, ökumenischer Sozialstation und dem Markt Prien

Besonderes Augenmerk legte Herr Schuster im Rahmen dieser vielfältigen Aufgaben auf die Kinder. So gründete er den runden Tisch mit allen Kindergärten, startete den Priener Kindersommer und war in den Jahren 2010/2011 maßgeblich am Neubau des Haus für Kinder Marquette beteiligt, nachdem er bereits 2005 die notwendigen Grundstücksverhandlungen für die Gemeinde erfolgreich zum Abschluss bringen konnte.

 Daneben gab es zahlreiche Projekte, die er mit viel Herzblut, Energie- und Zeitaufwand, gemeinsam mit dem Bürgermeister und den Kolleginnen und Kollegen aus dem Marktgemeinderat anpackte bzw. umsetzte:

 Umbau der Galerie im Alten Rathaus

  • Kauf und Umbau des Kronasthaus
  • Neuen Wohnraum schaffen
  • Eglwies 7 Reihenhäuser – Kornegger Stiftung
  • Neubau der Obdachlosenunterkunft
  • Integration Asylbewerber

 Gerade seine Energie, sein Verständnis und seine Tatkraft, die er speziell in der schwierigen Situation der Flüchtlingskrise aufbrachte, war enorm und verdient auch heute noch unser aller Hochachtung.

Es war mir deshalb eine Ehre und zugleich eine große Freude, dass ich Hans-Jürgen Schuster am 22. Juli vergangenen Jahres gemäß einstimmigen Beschluss des Marktgemeinderates in Würdigung seiner besonderen Verdienste die Ehrenbürgerwürde verleihen durfte.

Leider verging nach diesem Festakt nicht einmal ein ganzes Jahr und in der Nacht am Sonntag erreichte mich die traurige Nachricht, dass Hans-Jürgen Schuster verstorben ist.

Wenn Sie die Nachricht vom Tode eines Ihnen nahestehenden und vertrauten Menschen bekommen, dann bleibt erst einmal die Zeit stehen. Dinge, die zuvor noch wichtig erschienen, werden plötzlich ganz klein und unbedeutend. Gleichzeitig beginnt man, sich zu erinnern. Wie war dieser Mensch? Welche Bedeutung hatte er für mich? Welche Spuren hat er hinterlassen?

Hans-Jürgen Schuster war ein Mensch, der sich Zeit seines Lebens für andere eingesetzt hat. Egal ob im kirchlichen oder im kommunalen Bereich. Ganz gleich, mit welchem Anliegen man zu ihm kam oder welchen Hintergrund eine Anfrage hatte. Wichtig war ihm einfach nur, zu helfen.

Seine tiefste Überzeugung war dabei stets, Hilfe zur Selbsthilfe zu geben. Es machte ihm große Freude, wenn diese Hilfe Früchte trug, und wenn die Menschen, die gestern noch um Rat und Unterstützung gebeten hatten, morgen schon so weit aufgebaut waren, dass sie sich selbst helfen und wieder auf eigenen Beinen stehen konnten. Aber auch diejenigen, bei denen dies vielleicht nicht im ersten Anlauf geklappt hat, wurden von ihm nicht abgewiesen, sondern er wurde nicht müde, es immer und immer wieder zu versuchen.

Obwohl er von seiner schweren Erkrankung bereits gezeichnet war, machte er sich auch in den letzten Wochen seines Lebens noch stark für die Allgemeinheit.

So sammelte er Spenden und warb vielerorts um Unterstützung für ein neues Sozialprojekt, mit dem es im Herbst in Prien losgehen soll: die Aktion „Bürger helfen Bürger“. Rastlos rührte er hierfür die Werbetrommel und darauf angesprochen, ob es für ihn nicht besser sei, kürzer zu treten, winkte er ab und sagte voller Überzeugung „So bin ich eben.“

Seine gefühlt unendlich positive Energie, eine ihm ganz eigene Fröhlichkeit, die ansteckend war und mit der er manche Krise einfach weggelächelt hat, und seine menschliche und zuvorkommende Art waren es, womit er viel Gutes für die Menschen in Prien erreicht hat.

Hans-Jürgen schaffte es, mit seiner ruhigen, besonnenen und ausgleichenden Art und Weise, Gräben zu überwinden und Brücken zu bauen. Mit  dieser Art schaffte er etwas, was in unserer heutigen Zeit enorm wichtig ist: er verband die Menschen, statt sie zu trennen. Er integrierte statt zu spalten. Sein tiefer christlicher Glaube und seine Familie waren ihm dabei stets eine große Hilfe und zugleich Stütze und Halt.

Ich glaube, ich spreche an dieser Stelle für viele Menschen, wenn ich sage: „Ich bin glücklich, dass ich ihn kennenlernen durfte.“ Vermissen werde ich unsere persönlichen Begegnungen und die Möglichkeit, mich mit ihm über die verschiedensten Themen austauschen und ihn um seine Einschätzung fragen zu können.

Von diesem gelegentlich stattgefundenen Meinungsaustausch wird mir in sehr guter Erinnerung bleiben, dass er stets auf Augenhöhe stattgefunden hat. Trotz oder vielleicht gerade wegen seiner enormen Lebenserfahrung hat er sich auch gegenüber neuen Ansichten nie verschlossen und aufgrund der Tatsache, dass ich ihm genauso wenig schuldig war wie er mir, wusste ich immer, dass ich eine ehrliche Antwort und eine offene Meinung von ihm zu hören bekommen würde.

Mein tiefstes Mitgefühl gilt seiner Familie und allen, die ihm nahegestanden haben. Der Markt Prien und seine Bewohner werden Hans-Jürgen Schuster stets ein ehrendes Andenken bewahren!

Als letzten irdischen Gruß lege ich nun zusammen mit meinen beiden Stellvertretern im Namen des Marktes Prien a. Chiemsee einen Kranz nieder.

Lieber Hans-Jürgen, ruhe in Frieden!

 

Nachruf auf Hans-Jürgen Schuster von Klaus Löhmann für die Priener Vereine

 

Lieber Michael, liebe Claudia, liebe Angehörige, werte Trauergemeinde

Es ist mir eine Ehre, mich im Namen aller Priener Vereine, besonders aber derer, bei denen der Hans Jürgen Mitglied war, zu bedanken und sein Wirken zu würdigen.

Wir sind alle traurig und unser Mitgefühl gilt Euch, liebe Familie. Wir wünschen Euch viel Kraft und Trost.

Der Hans-Jürgen war in vielen Priener Vereinen Mitglied. Es müssten 19 gewesen sein.

Er war aber kein Vereinsmeier. Der Hans-Jürgen wollte etwas bewegen.

Er war sich sicher, dass in der Gemeinschaft für die Gemeinschaft viel geschafft werden kann. Er war einfach vom Ehrenamt überzeugt, hat selber viel Engagement ohne großen Eigennutz an den Tag gelegt und hat sich gefreut, wenn es andere in anderen Bereichen genauso tun Das hat er dann schon aus Solidarität unterstützt.

Sein Hauptaugenmerk galt den Menschen in Not und den Schwächeren in der Gesellschaft, egal ob Kinder oder Ältere.

Demzufolge war er bei den Feuerwehren Prien und Atzing, beim Bayerischen Roten Kreuz und bei der Wasserwacht Mitglied.

Aber eben auch in der Arbeiterwohlfahrt und beim Hospizverein.

Dem Diakonieverein ist er bis zuletzt vorgestanden und hat federführend die Struktur zwischen Verein und Wirtschaftsbetrieb auf zukunfstfähige, solide Füße gestellt.

Im Förderverein Haus für Kinder Marquette war er Gründungsmitglied. Dort hat 30 Jahre lang mitgeholfen kleinere und größere Projekte voranzutreiben und möglich zu machen. Sicher eins seiner Herzensprojekte. 2018 hat er die Erweiterung um eine Gruppe möglich gemacht und die Suche von Personal sowie die Beschaffung von Material bis hin zum Container in die Hasnd genommen..

Die Vorsitzende Frau Wolf hat mir dazu geschrieben: „Das Lachen der Kinder wird immer eine Erinnerung an sein Schaffen und sein Engagement für die Kinder sein“

Er war natürlich auch politisch sehr engagiert, das haben wir gehört. Bereits mit jungen Jahren war er politisch aktiv und Gründungsmitglied der Jungen Union in Prien. In der  CSU war er für 50 Jahre dabei und sollte noch dafür noch geehrt werden, was bisher  coronabedingt leider nicht möglich war.

Dann war er vor allem auch Priener und Mitglied in vielen Traditions- und Ortsvereinen.

Er war Mitglied bei den Gebirgsschützen, bei den königl. Priviligierten Feuerschützen, beim Förderverein der Priener Blasmusik, beim Kur- und Tourismusverein, bei der Liedertafel, bei der Priennarria und beim Rauchclub.

Aber auch bei der VHS, bei den Freunden von Herrenchiemsee, beim internationalen Freundeskreis und beim Kulturförderverein.

Dort hat er viel bei der Renovierung der alten Galerie mitgeholfen, wir denken dabei nicht nur an die von ihm gestifteten Böden, sondern an vieles mehr, wofür sich der Verein ausdrücklich bedankt. Bei den Trachtenvereinen in Prien und Atzing war seit den jeweiligen Gautrachtenfesten Mitglied und war eben auch dort angetan, wieviel im Zusammenhalt mit Engagement bewegt werden kann.

Von den Fahrten der Gemeinde zur Grünen Woche nach Berlin war er begeistert. Wie die jungen und auch älteren Leute unseren Ort dort vertreten haben, da war er mittendrin, das hat ihm gefallen. Da war er einfach stolz auf sein Prien.

Hans-Jürgen hat natürlich auch Hobbies gehabt und wer so viel Energie hat, muss zwangsweise Sport machen. Er war im Skiclub Mitglied und im Tennisclub. Vor allem war er aber Fußballer und wohl einer der schnelleren Flügelflitzer, der Vereinsgeschichte.

Natürlich war er auch zweiter Abteilungsleiter und viele Jahre im Beirat der Abteilung dabei. Die Fußballer von Euch sehen ihn jetzt vielleicht alle vor sich, wie er als Zuschauer die Tartanbahn bei den Spielen auf und abschreitet und bei jedem Spielzug mitfiebert. Er war halt einfach sehr emotional.

Ich darf vielleicht ein persönliches Beispiel erzählen, dass seine Einstellung und seinen Einsatz für Projekte, die ihm wichtig waren zum Ausdruck bringt.

Auch die Priener Fußballabteilung braucht  Geld und als ich frischer Gemeinderat war, ist er nach der Sitzung mal zu mir gekommen, hat mir klar gemacht, dass ein Gemeinderat auch Fan des Priener Fußballs sein muß. Ich habe nicht widersprochen und schon hat er mir eine Jahreskarte fürs Stadion verkauft.

Es gäbe sicher noch viel zu berichten und zu würdigen, wie stark er sich auf den einzelnen Feldern der Gemeinde und für die Gemeinde im Ehrenamt engagiert hat. Ich weiß auch nicht, ob ich alles richtig und die aus seiner Sicht die wichtigsten Dinge erwähnt habe, aber ich möchte einfach nochmal sein großes Herz und seine große Energie für Prien mit und in den Priener Vereinen unterstreichen.

Und vielleicht sehen uns wir ja wieder, bei himmlische Weißwürscht und am Weißbier und er  erzählt von seinem Prien. Bei dem Buidl gfrei ich mich fast schon a bissal drauf.

Lieber Hans-Jürgen, danke für alles, sage ich und sagen  Deine Priener Vereine.

Ruhe in Frieden.

Fotos: Hötzelsperger – Beerdigung von Hans-Jürgen Schuster auf dem Priener Friedhof

Über den Autor

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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