Brauchtum

Nachruf: Ehrenvorstand d´Koishüttler Neuschönau

Am 5. September verstarb im Alter von 73 Jahren Sepp Wolf aus Neuschönau. Der gebürtige Forstwaidler prägte das Dorfleben aufgrund seiner Verdienste im Heimatverein d’Koishüttler Neuschönau sowie als aktives oder passives Mitglied in vielen weiteren Vereinen über Jahrzehnte hinweg.

Den Gottesdienst in der Pfarrkirche St. Anna, der vom Männergesangsverein Spiegelau mit der „Waldlermesse“ musikalisch umrahmt wurde, zelebrierte Pfarrvikar Pater Boby. In seiner Predigt erinnerte der Geistliche an die zentralen Stationen im Leben des Verstorbenen und betonte dabei die Relevanz der Vereine – allen voran die des Heimatvereins d’Koishüttler Neuschönau, den Sepp Wolf 1973 mitgegründet hat und bei dem er zeitlebens ein bedeutsamer Initiator in den unterschiedlichsten Belangen war.

Im Heimatverein d`Koishüttler Neuschönau war Sepp Wolf Vorstand von 1977 bis 1983 und von 1984 bis 1999. Von 2007 bis 2015 übernahm er als Ehrenvorstand sogar nochmal das Amt des ersten Vorstands, um den Fortbestand des Vereins zu gewährleisten. Er war es auch, der die Verbindung zum Bayerischen Waldgau herstellte und den Beitritt dazu arrangierte. Der Volkstanz war Sepp sehr wichtig und er tanzte gerne selber mit vollem Eifer mit. Er unterstützte und half bei der Entstehung verschiedener Musikgruppen und förderte die Eingliederung des Männerchores. Von großer Bedeutung war für Sepp auch die Pflege der Totenbretter, der Feld- und Gedenkkreuze. Für den Waidlermarsch, der in Neuschönau komponiert und getextet wurde, errichtete er eine Gedenktafel und war schließlich der Gründer des heimatkundlichen Arbeitskreises, der sich durch Brauchtumspflege und Heimatliebe auszeichnet. Jeden Pfingstsamstag organisierte er das traditionelle Harmonikatreffen und am letzten Sonntag im September die allseits beliebte Herbstwanderung. Seine größte Herausforderung aber war der Bau des Heimatvereinsheimes im Jahre 1987. Es war seine Idee, er hatte die Planung und Ausführung über. Mit ihm verliert der Heimatverein nicht nur einen guten Freund – der Sepp war das Herzstück des Heimatvereins. Sein unermüdlicher Einsatz, sein immerwährendes Engagement, seine großartigen Leistungen und die Energie, die er in diesen Verein gesteckt hat, verdienen höchsten Respekt.

Andreas Tax, Vorsitzender des Bayerischen Waldgaues, beschrieb, wie sehr Sepp Wolf seine Heimat liebte, wie sehr er immer wieder aufs Neue Kinder und Jugendliche für die Bewahrung des Kulturguts begeistern konnte und welch positive Wirkung er auf den Heimatverein hatte. Daneben lag ihm aber auch der Bayerische Waldgau am Herzen und so war er von 1988 bis 2016 der Beisitzer für das Gebiet Freyung-Grafenau und wurde für seine unzähligen Verdienste in der Trachtenbewegung sowie für sein Wirken und Schaffen zur Erhaltung des Brauchtums im Bayerischen Wald 2016 zum Ehrenmitglied des Bayerischen Waldgaus ernannt. Schon einige Jahre zuvor war ihm dafür ebenfalls das Ehrenzeichen des Freistaates Bayern verliehen worden.

Da er gerne Bilder von seiner Heimat machte, wurde er in der Dorfgemeinschaft Forstwald als Fotograf tätig und hielt so viele Erinnerungen aufrecht. Mit seiner Frau kümmerte er sich letztlich auch um die Aufbewahrung und Digitalisierung der Bilder. Im Anschluss an den Gottesdienst wurde Sepp Wolf auf dem alten Friedhof in Neuschönau im Beisein zahlreicher Trachtlerinnen und Trachtler beigesetzt. Sein Bruder Hans, derzeit auch erster Vorstand der Koishüttler, legte einen Kranz nieder, die Fahnen senkten sich über den Sarg und mit dem Stück „Mia san vom Woid dahoam“ wurde Sepp Wolf aus der irdischen Welt verabschiedet.

Bericht: Regina Pfeffer – Bildunterschrift: Sepp Wolf (+ 73 Jahren) leistete unzählige Verdienste in der Trachtenbewegung.

Über den Autor

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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