Corona-Krise

Musikalisch auf Reisen mit dem Chiemgauer Saitenensemble

Anton Hötzelsperger
Veröffentlicht von Anton Hötzelsperger

Das mit dem Reisen ist ja gerade so eine Sache. Die 75 Zuhörer*innen in der nach Corona-Abstandsregeln „voll“ besetzten evangelischen Michaelskirche, die von Pfarrer Thomas Löffler im Rahmen der Brannenburger Kirchenkonzerte begrüßt wurden, waren schon gespannt. Endlich wieder Live-Musik – das war auch für die vier Musikerinnen des Chiemgauer Saitenensembles nach langer Corona-Zwangspause etwas ganz Besonderes. Und so hatte sich Initiatorin und Hackbrettistin Heidi Ilgenfritz eine musikalische Weltreise ausgedacht, deren Reiseroute vom Publikum quasi per Zufallsgenerator durch Zuruf bestimmt wurde. Aus den Koffern der Diaprojektion, die das Konzert visuell mit Reisefotos bereicherte, schlüpfte nach dem „Start dahoam“ mit dem „Glücksklee-Boarischen“ eine kurzweilige Stunde mit Musik aus aller Welt. Da entführte die wohlklingende Blockflöte in die grünen Hügel Irlands, da zeigte der bayerisch-dänische „Hupferte“ des regionalen Komponisten Edwin Kammerer und ein norwegischer Rheinländer deutsch-skandinavische Verbindungen auf und der 7/8-Takt des bulgarischen Stückes Cetvorno Sopsko Horo fegte mit Schwung durch das Kirchenschiff. Besonders innig gerieten die Stücke in der „originalen Saitenensemble-Besetzung“, die die Chiemgauerinnen längst um ihre zahlreichen anderen Instrumente erweitert haben, während der ursprüngliche Ensemblename blieb. Manch Publikumsfuß wippte zu „El Choclo“ und Ocho Kandelikas im Tango-Takt und man freute sich an Brigitte Buckl an Akkordeon, Zither und Gitarre und Sabine Werner an Blockflöten, Gitarre und Zither, die geschwind je nach vom Publikum ausgewähltem Reisekoffer die Instrumente wechselten. Da ging bei der charakteristischen Fermate auf dem vierten Ton von „Cherry pink“ ein erkennendes Raunen durch die Kirche, bevor die Musik mit „Paris retour“ und „Che sera“ zurück in die mitteleuropäische Heimat führte. Heidi Martl bildete stillvergnügt beschwingt am Kontrabass die Basis und Heidi Ilgenfritz blieb, abgesehen von zwei Stücken an der Begleitgitarre, virtuos ihrem Hackbrett treu, an dem sie sich bei der Zugabe „Zorbas Tanz“ ein beeindruckendes Geschwindigkeitsduell mit Brigitte Buckl an der Zither lieferte. Viel zu früh war die Reise zu Ende: begeisterter, herzlicher Beifall aus den dankbaren Zuschauerreihen, die die vier Damen nicht ohne zweite Zugabe gehen ließen. Getreu dem Motto „Che sera, whatever will be“ – in diesen schwierigen Zeiten bleibt die Musik ein zuversichtlicher Ankerpunkt im Leben. Wie schön, sie mal wieder live erleben zu dürfen.

Bericht und Bilder: Brigitte Riskowski  – Trotz erschwerter Zusammenspielbedingungen auf Grund des notwendigen Sicherheitsabstandes begeisterte das Chiemgauer Saitenensemble das Publikum beim Konzert “Souvenirs” in der Brannenburger Michaelskirche. Von links nach rechts: Heidi Martl, Sabine Werner, Brigitte Buckl und Heidi Ilgenfritz

 

 

Über den Autor

Anton Hötzelsperger

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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