Von Atzing in Prien a. Chiemsee zum Gardasee – das wäre doch ein schöner Ausflug mit unseren alten Mopeds und ein guter Materialtest dazu – das dachten sich vor einem Jahr vier Freunde vom Trachtenverein „Daxenwinkler“ Atzing und sie machten sich auf den Weg – nun haben sie ihre erlebnisreiche Reise in einem Bericht und mit Bildern festgehalten.

Erlebnisbericht “Mopedbuam Chiemgau”

Wir 4 Spezln, die Mopedbuam Chiemgau, san letztes Jahr auf die leicht verrückte Idee gekommen, mit unseren oidn 50er Mopeds von Atzing bei Prien bis zum Gardasee zu fahren. Der grobe Plan war: Start am 12.06.2019, zwei Tage Hinfahrt, Urlaub am Campingplatz in Bardolino und dann wieder zwei Tage Heimfahrt. Unsere Fahrzeuge, zwei Zündapps (Hötzelsperger Andi, Schlosser Michael), eine Simson (Hötzelsperger Martin) und eine DKW (Baumert Manuel) warn bis zum Vorabend fahrbereit und unser Gepäck in Form von jeweils zwei Satteltaschen und einem Rucksack war fest am Gepäckträger der Mopeds verzurrt. Der Wetterbericht hat für die Hinfahrt zwar ned ideal angesagt, aber ein kurzer Blick ausm Fenster am Tag der Abfahrt hat uns wieder Mut gmacht.

Um 8 Uhr morgens, bei einem Mix aus Wolken und a paar vereinzelten Sonnenstrahlen ging es dann endlich los. Im Vorhinein hat`s uns, bzw. den bis zu 60 Jahre alten Mopeds, kaum einer im Familien-/und Freundeskreis zugetraut, dass mia überhaupt bis nach Österreich, geschweige denn bis zum Gardasee kemman. Demnach war unsa Aufregung an dem Morgen beim Start der Motoren natürlich a ziemlich groß. Trotzdem ham mia uns voller Vorfreude und Hoffnung Richtung Grenze bei Sachrang aufgmacht, die ma dann auch nach oana knappen Stund hinter uns glassn ham. Unser erstes Zwischenziel war erricht. Gegen 10 Uhr hats dann die erste Brotzeit in Form von einer Leberkassemmel kurz hinter Kufstein gem. Frisch gestärkt gings dann, mit einem kurzen halt bei da Tankstelle weida Richtung Innsbruck.

Beim “Römerwirt” ham ma uns dann gega 13Uhr bei am saftigen Wiener Schnitzel langsam auf die Fahrt rauf zum Brennerpass vorbereitet. Unsa Weg bergauf hat uns über die wunderschön kurvige, kaum befahrene alte Römerstraße gegenüber vo da Brennerautobahn auf da andern Hangseite geführt. In Matrei am Brenner geht dann die alte Römerstraße in die Brennerstraße über und mia ham gwusst: bald san ma oben am Brenner. Nach dera scheinbar unendlichen Bergauffahrt wars dann endlich soweit. Wir san gegen 15:30 Uhr am Ortsschild Brenner vorbei gfahrn. Die Freude, dass ma den anstrengendsten Teil hinter uns gelassen ham, war natürlich riesig.

Der Kickstarter von Martin seiner Simson hats leider ned überlebt, aber mit einem Stückerl Draht und der Tatsache dass ma die Kistn zum Starten jetz jedes moi anschieben muss, war des glei erledigt. Mit der Erkenntnis, dass uns die Bergbäche nimma entgegen sondern mit uns in Fahrtrichtung laufen, ham ma gwusst der Knackpunkt der Hinfahrt ist überwunden. Anschließend ist es dann rasant bergab ganga und im Vergleich zum Aufsteig warn mia ja jetz um einiges schneller. Und so hats dann nimma lang gedauert, bis wir am späten Nachmittag Brixen erreicht ham.

Nach einer kurzen Quartiersuche hat uns a sehr netter, älterer Herr glei sei ganze Ferienwohnung angeboten. Unsa Gepäck war schnell verstaut und nach dera langen Mopedfahrt ham ma dann unsa erste Pizza in Bella Italia genießen können. Am nächsten Tag ist dann die zweite Etappe von unserer Tour angstanden. Mit schmerzendem Hintern und nimma ganz so viel Freude ham ma uns trotzdem wieder aufn Sattel geschwungen und san losgefahren. Zum Teil auf großen Landstraßen, die scho fast Autobahncharakter gehabt haben, ham mia uns gegen den ein oder anderen LKW im Tunnel durchsetzen müssen. Nichts desto trotz ham wir dann um Punkt 12 Uhr mittags unser großes Ziel erreicht. Mia warn endlich am Gardasee, Torbole.

Mia warn glücklich wie kleine Kinder an Weihnachten, koana daheim hat`s uns geglaubt, alle ham`s gsagt “Ihr spinnt`s ja, des schafft`s ihr nie”. Aber jetz warn ma wirklich da. Gut gelaunt und nach einer Stärkung zu Mittag, san mia dann die restlichen Kilometer entlang am türkisblauen Wasser vom Gardasee zu unserem Quartier in Bardolino gefahren. Mia warn so froh, dass ma die nächsten Tage ned auf dem Mopedsattel ham sitzen müssen. Nach einer Woche Erholung, Strand, Spaß, kleineren Ausflügen mit den Mopeds und dem ein oder anderen Bier am Capingplatz war dann wieder Heimfahrt angesagt.

Aufgrund von dem Gefühl seit dem Brenner nur noch bergab gfahrn zum sein, ham wir uns dazu entschieden, die Heimfahrt am Morgen des 18.06.2019 scho um 5 Uhr anzutreten. Das Ziel für den Tag war zumindest bis zum Fuß des Brenners zu kommen. Gesagt, getan ist es dann um 5e scho los gegangen und wir san im Prinzip bis auf a kleine 15 Minuten Stärkung in Brixen zu Mittag nicht stehen geblieben. Mia warn selbst überrascht, wie schnell mia Sterzing hinter uns gelassen ham, und dass wir scho um Punkt 14 Uhr wieder oben am Brenner waren.

Dann war die Frage was mia jetz machan? So früh scho den Brenner bezwungen zu haben war jetz ned der ursprüngliche Plan. Aber da wir wahrscheinlich alle mitnand ned ganz sauber im Kopf sind und uns der Hintern no ned genug weh getan hat, ham wir uns kurzerhand dazu entschieden, den Versuch zu wagen noch heute bis nach Hause zu kommen. Nachdem mia in Innsbruck schnell wieder unten waren, hat der Gegenwind im Inntal die Gemütslage von uns vieren ned gerade verbessert. Endlich in Kufstein angekommen wussten wir, lang kon`s nimma sei. Fast daheim Zwischen Sachrang und Aschau, nach einer nahezu pannenfreien fahrt, gabs dann doch no fast den ersten Ausfall. Mia ham dann aber bald gespannt, dass nur eine kaputte Zündkerze as Problem war. Gegen 19 Uhr san mia dann endlich dahoam angekommen.

Richtig stolz ham wir den Erfolg abends bei na hoibn Bier wirken lassen und uns diese Heimfahrt von 375km in 14 Stunden mit einem 50ccm Oldtimer-Moped auf der Zunge zergehen lassen. Alles hat uns weh getan, aber mia hams gschafft, mia san pannenfrei runter gefahren und genauso gut und vor allem gsund wieder heim gekommen.

Bericht und Fotos: Mopedbuam Chiemgau (Facebookauftritt: www.facebook.com/Mopedbuam.Chiemgau)

Über den Autor

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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